Bauchaos : Schulbaustellen zwingen weiter zur Improvisation

Die Herbstferien sind zu Ende – die Bautätigkeiten an Schulen aber noch lange nicht. Mensen werden zeitversetzt genutzt, Freizeitaktivitäten finden in Klassenräumen statt.

von und Karin Schädler

Vielerorts wird weiter gebohrt, gefräst und gemalert, um die Millionen aus dem Konjunkturpaket II in eine moderne Unterrichtsumgebung zu verwandeln. Auch nach dem Bauchaos an der Graefe-Schule in Kreuzberg, an der der Unterricht nach den Sommerferien nicht aufgenommen werden konnte, berichten viele Schulleiter über Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Doch die zuständigen Bau- und Schulstadträte befinden, ihre Hausaufgaben gemacht zu haben.

Kreuzbergs Baustadträtin Jutta Kalepky (parteilos, für die Grünen) vermeldet inklusive der Graefe-Schule „alles im grünen Bereich“. Die Schüler des Dathe-Gymnasiums in Friedrichshain müssen allerdings geraume Zeit auf ihre Turnhalle verzichten. Die frisch sanierte Halle sei abgebrannt, sagt Kalepky. Die Polizei ermittle nun wegen Brandstiftung.

Auch in Mitte drohe kein Bauchaos, so Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Probleme mit Verzögererungen habe es nur in Einzelfällen gegeben – etwa an der Fritzlar-Homberg-Grundschule in Tiergarten. Auch die noch laufenden Bauvorhaben am Diesterweg-Gymnasium und der Sekundarschule Pankstraße könnten sich verzögern. Geplante Fertigstellung sei Mitte Januar 2011.

Schulleiter Thomas Schumann geht allerdings nicht davon aus, dass die Bauarbeiten so schnell fertig sind. Bei der Sanierung der Turnhalle gebe es Probleme, auch bei den Umbauarbeiten im Dienstgebäude sei noch viel zu tun. „Momentan schäme ich mich ein bisschen, die Schule als Ganztagsbetrieb zu bezeichnen“, sagt Schumann. Schließlich gebe es nach wie vor keine Mensa, keine Ruhe- und Freizeiträume. Freizeitaktivitäten würden in Klassenräumen stattfinden.

Ähnliche Schwierigkeiten hat die Sekundarschule Ringstraße in Tempelhof-Schöneberg. Der Bau der Mensa wurde noch nicht einmal begonnen, geschweige denn der Bau der Freizeiträume. „Wir müssen improvisieren“, sagt Schulleiter Rainer Hensen. Momentan gibt es einen Ganztagsbetrieb nur für die 7. Klassen, ein Teil des Foyers wird provisorisch als Mensa genutzt. Die vier Klassen essen dort zeitversetzt. „Wenn weitere Jahrgänge dazu kommen, wird es schwierig“, sagt Hensen.

Wesentlich weiter ist die Sekundarschule Schlossstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf. Auch dort hatte es Verzögerungen gegeben, doch nun sei fast alles fertig, sagt Schulleiter Heinz-Helmut Dettmer-Besier. Die letzten kleineren Arbeiten würden den Unterricht nicht sehr behindern.

Pankows Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) wacht über 25 Bauvorhaben, finanziert aus zehn verschiedenen Fördertöpfen und sagt mit Blick auf die Kreuzberger Graefe-Schule: „Vor solchen Überraschungen sind wir gefeit.“ Die Bauleiter stimmten sich direkt mit den Schulleitungen ab. In der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee etwa wurden weniger 7. Klassen aufgenommen, um den Schulbetrieb trotz Bauarbeiten nicht zu gefährden. „Staub - und lärmintensive Arbeiten legen wir, wenn möglich, in die Ferien.“ Mit 14 Millionen Euro bekommt Pankow die meisten Mittel aus dem K-II-Programm. Eines der größten Projekte ist der Neubau einer „Doppelsporthalle“ für zwei Oberstufenzentren in Prenzlauer Berg. Kosten: fünf Millionen Euro. Geplante Fertigstellung: Sommer 2011.

Das Wald-Gymnasium in Charlottenburg darf sich bald von einem zwanzigjährigen Provisorium verabschieden: Nächste Woche soll ein modernes Gebäude für die Naturwissenschaften übergeben werden. Das Bauen habe den Unterricht nicht beeinträchtigt, sagt Wilhelm Blecker, Bildungsplaner im Bezirk. Verzögerungen habe es nur an der Witzleben-Grundschule in Charlottenburg gegeben. Aber eigentlich habe man die Konjunkturmittel „wahnsinnig schnell“ verbaut, sagt Blecker – die einzelnen Vorhaben hätten schon fertig in der Schublade der Planer gelegen.

Anke Otto, grüne Schulstadträtin in Steglitz-Zehlendorf, weiß von keinen „dramatischen Situationen“. Zwar müssten sich Schüler vielerorts mit „provisorischen Mensen“ zufriedengeben – aber das sei mit den Schulleitungen besprochen. Auch in Spandau liegen die Bauarbeiten „drei bis vier Monate hinter Plan, aber das ist an den Schulen bekannt“, sagt Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Viel mehr beschäftigt ihn die Frage, was nach dem Konjunkturpaket kommt. „Wir haben einen Sanierungsstau an den Schulen von rund 80 Millionen Euro.“ Eigentlich könne nach K II gleich K III kommen.

Das dürfte allerdings die Berliner Bauwirtschaft überfordern. Bei Dämmmaterialien etwa sei der „Markt leergefegt“, sagt Carsten Spallek, auch den Gerüstbauern gingen langsam die Stangen aus. Die Preise ziehen deshalb an. Andere Verwaltungen wie Soziales und Gesundheit verzichten gegenwärtig auf Baumaßnahmen, weil es auf Ausschreibungen kaum noch brauchbare Angebote gibt.

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