Schule : Bedrohte Bratschen: Musiklehrer wollen aussteigen

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Vor zwei Jahren stellte die Steglitzer Dunant-Grundschule ein tolles Projekt auf die Beine:  Schon in der Schulanfangsphase lernen Kinder an der Schule Geige, Bratsche und Cello. Die Instrumente werden gegen eine geringe Leihgebühr zur Verfügung gestellt, mehr als 60 Kinder der ersten bis dritten Klassen nehmen „mit Begeisterung“, so Schulleiterin Ebba Hammerschmidt, an dem Projekt teil. Bislang war das Ziel, das Projekt „hochwachsen“ zu lassen und ab Klasse fünf ein Streichorchester auf die Beine zu stellen.

Doch weil die Kinder von zwei Lehrerinnen der Leo-Borchardt–Musikschule in Zehlendorf unterrichtet werden, die bislang zweimal wöchentlich an die Schule kamen, ist das Projekt nun in Gefahr. Ohne Ankündigung, so eine der beiden Lehrerinnen, die nicht namentlich genannt werden möchte, seien im September rund 20 Prozent weniger Honorar überwiesen worden. Bereits im Mai hätten sie auf sieben Euro verzichten müssen – die jetzige Kürzung jedoch sei „nicht akzeptabel“. Sie und ihre Kollegin zögen unter diesen Bedingungen in Betracht, den Unterricht nicht weiter fortzusetzen. Für die Kooperation von Grund- und Musikschule könnte das das Aus bedeuten.

Musikschullehrer, die bislang monatliche Bezüge bekamen, sollen künftig wie reine Honorarkräfte behandelt werden (wir berichteten). Damit sind verschiedene Änderungen verbunden. So werden alle Musikschullehrer im Kooperationsbereich nur noch für 45 Minuten, nicht wie früher für 60 Minuten bezahlt, sagt der Lehrervertreter der Leo-Borchardt-Musikschule, Frank Berger. Auch die Kürzungen der beiden Musiklehrerinnen hängen damit zusammen, wie Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) bestätigte.

In den übrigen Bezirken sei die Regelung, nur noch 45 Minuten zu bezahlen, schon länger in Kraft, in Steglitz-Zehlendorf erst seit einigen Monaten, sagte Berger. Aufgrund der Sommerferien, in denen kein Honorar bezahlt wird, „fällt jetzt auf, wie extrem die Kürzungen sind“, so Berger.

Richter-Kotowski sagte, sie werde sich „für eine vernünftige Regelung“ für derlei Fälle einsetzen: „Wir sollten einen Honorarsatz entwickeln, in dem Vor- und Nachbereitungszeiten für den Unterricht enthalten sind.“ Da andere Schulen wahrscheinlich vor ähnlichen Problemen stehen, „müssen wir uns da noch mal mit beschäftigen“. Ob sie sich mit ihrem Vorschlag durchsetzen könne, könne sie jedoch nicht garantieren – und wie lange die Beratung darüber dauert, könne sie ebenfalls nicht einschätzen. Für die Streicher der Dunant-Schule bedeutet das wohl, dass sie zumindest pausieren müssen. Patricia Hecht

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