Schule : Behzad, 16

An eine Nacht vor etwa sechs Jahren erinnert sich Behzad, als wäre es gestern gewesen: Damals wurde seine Heimatstadt von US-Flugzeugen bombardiert. „Es war Nacht, aber es sah aus wie Tag. Das vergisst man nicht“, sagt er. Behzad wurde in der afghanischen Hauptstadt Kabul geboren, aufgewachsen ist er in Herat, einer Stadt im Westen des Landes. Dort ist er nur selten auf die Straße gegangen. „Wenn man dort irgendwo entlanggeht, weiß man nie, ob es nicht gleich einen Anschlag gibt“, sagt Behzad. Vor zwei Jahren setzte seine Mutter ihn und seine vier Brüder ins Auto, um aus Afghanistan zu flüchten. Die Fahrt von Afghanistan nach Berlin dauerte ein halbes Jahr.

Behzad hat nun keine Familie mehr in Afghanistan, nur einen einzigen Kontakt – zu einem Freund, der eine Internetverbindung hat. Das ist selten, erklärt Behzad, weil Internet in Afghanistan sehr teuer und außerdem langsam ist. „Es gibt auch nicht immer Strom.“

Seit eineinhalb Jahren lebt die sechsköpfige Familie nun in einem Wohnheim in Lichtenberg unter sehr beengten Umständen. Deshalb verbringt Behzad viel Zeit an seiner Schule, der Peter-Ustinov-

Sekundarschule in Charlottenburg, und in der Bibliothek. Bald eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, ist momentan das Wichtigste für ihn. Behzads Deutsch ist bereits erstaunlich flüssig, Wörter wie „Bezirksverordnetenversammlung“ oder „Kinder-Jugend-Parlament“ gehen ihm leicht von den Lippen: Er engagierte sich zunächst als Klassensprecher, nun als Vertreter im Bezirksschülerausschuss. „In Deutschland fühle ich mich frei, mich zu engagieren, wo ich will“, sagt Behzad. Schlechte Erfahrungen mache er hier selten. Behzad freut sich darauf, durch die Treffen und Workshops der Start-Stiftung sein Deutsch noch weiter zu verbessern. Für das erste Bildungsgeld hat er sich einen Internetanschluss geleistet – auch, um mit seinem Freund in Afghanistan Kontakt zu halten.

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