Berlin Reinickendorf : Mensa weg, Pappel weg, Vertrauen weg

Die Bertha-von-Suttner-Schule in Reinickendorf wollte anders bauen als der Bezirk. Jetzt steht alles still. Der Bezirk argumentiert mit fehlendem Budget, die Schule sieht es als Strafe.

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Baustopp in Reinickendorf
Baustopp in ReinickendorfFoto: dpa

Der Mensa-Neubau für das Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Reinickendorf ist geplatzt. Im Budget des Bezirks hat sich ein Haushaltsloch von 2,5 Millionen Euro aufgetan, sagte Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU). Eine Schulturnhalle sei abgebrannt, zwei weitere müssten dringend saniert werden. „Turnhallen sind Pflicht. Ein Mensabau ist eher die Kür“, erklärte Balzer.

In der Schule nimmt man die Absage dagegen als „Strafmaßnahme“ für die Ablehnung des vom Bezirk favorisierten Bauentwurfs wahr. Die Versuche, zwischen Schule und Bezirksamt zu vermitteln, waren vor kurzem endgültig gescheitert. Von einem „Kommunikationsdesaster“ ist die Rede. „Die Fronten sind völlig verhärtet“, sagt Schulleiterin Jutta Randelhoff-Szulczewski.

Was ist passiert? Vor drei Jahren sollte die Aula der Schule zur Mensa erweitert werden, doch als die Pläne bekannt wurden, wehrte sich die Schule. Die Aula werde für Veranstaltungen gebraucht und könne nicht einfach geopfert werden, hieß es.

Mit dem dafür vorgesehenen Geld, 750 000 Euro, ließ sich aber kein Neubau finanzieren, deshalb war die Schule froh, dass der Bezirk das Budget 2013 verdoppelte. Nun stand ein Neubau in Aussicht, und engagierte Eltern und Lehrer begannen, sich über Vor- und Nachteile bestehender Mensabauten zu informieren. Parallel dazu trieb der Bezirk die Bauplanung voran. Im Juni wurde der Schulleitung ein Entwurf vorgestellt, wenig später reichten Eltern einen Gegenentwurf ein, den sie architektonisch und funktional für gelungener halten.

Senatsbaudirektorin spricht von "erschütternden Projekt"

Das Bezirksamt ließ sich nicht beirren. Ein Katalog mit Kritikpunkten der Schule wurde abgearbeitet, einige übernommen, andere aus Kostengründen abgelehnt. Im September kam es zu ersten Demonstrationen von Schülern und Eltern gegen das Projekt. Ein Vater wandte sich an Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die in einer spontanen Reaktion von einem „erschütternden Projekt“ sprach. Lüscher lud den Bezirksbürgermeister ein, den Entwurf im Baukollegium zu diskutieren, aber der lehnte ab. Es gebe keine „Notwendigkeit“ für weitere Gespräche.

Eigentümer der Schule ist das Schulamt

In den Winterferien wurde schließlich eine Pappel, die dem Mensabau im Weg stand, trotz heftiger Proteste von Lehrern und Schülern gefällt. Das Bezirksamt erklärte, der Baum habe die Verkehrssicherheit gefährdet.

In der vergangenen Woche demonstrierten mehr als 300 Schüler vor dem Rathaus. Drinnen erfuhren die Abgeordneten vom neuen Haushaltsloch. Der Mensabau werde nun „zurückgestellt“, sagt Balzer. Er sehe weiterhin keinen Grund, von der Bauplanung abzurücken. „Eigentümer der Schule ist das Schulamt.“ Und das habe die Planungen abgesegnet.

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