Berliner Lehrermangel : Scharfe Angriffe auf die Senatorin

1000 offene Stellen, aber nur 175 ausgebildete Grundschullehrer. Jetzt fordern Opposition und Koalition Konsequenzen.

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In Erklärungsnot: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), hier bei einer früheren Sitzung im Abgeordnetenhaus, muss sich für die Fehlplanung bei der Lehrerbildung rechtfertigen.
In Erklärungsnot: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), hier bei einer früheren Sitzung im Abgeordnetenhaus, muss sich für die...Foto: Stephanie Pilick/ picture alliance / dpa

Angesichts des eklatanten Defizites an Grundschulpädagogen werfen CDU und Grüne der Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Sandra Scheeres (SPD) wortgleich vor, die Entwicklung „verschlafen“ zu haben. „Wenn die Schulverwaltung schon die Aufteilung der Lehramtsstudienplätze auf die Hochschulen überträgt, dann muss sie dennoch ihre Steuerungsfunktion ausüben“, forderte CDU-Fraktionschef Florian Graf. Der „Mangel an Weitsicht und Planung“ in der Schulverwaltung hinsichtlich der Personalausstattung an den Berliner Grundschulen sei „erschreckend“, sagte Graf.

Wie berichtet, stehen 1000 offenen Stellen nur 175 frisch ausgebildete Grundschullehrer gegenüber. Die Bildungsverwaltung versucht daher, hunderte Oberschullehrer für die unteren Klassen zu gewinnen. Der Mangel an Grundschullehrern ist entstanden, weil die Universitäten seit Jahren kaum Studienplätze für Grundschullehrer anbieten. Graf forderte, die Hochschulverträge hinsichtlich einer „dringend notwendigen Ausweitung der Lehramtsstudienplätze“ sofort neu zu verhandeln.

„Schulsenatorin Scheeres muss endlich mit der Wissenschaftssenatorin Scheeres reden“, empfahl die grüne Hochschulpolitikerin Anja Schillhaneck. In den nächsten Hochschulverträgen müssten „vernünftige Regelungen getroffen werden, damit die Studienplatzkapazitäten erhöht und finanziell abgesichert werden“.

SPD-Bildungspolitiker Lars Oberg forderte ein „Sofortprogramm“ zur Gewinnung weiterer Grundschullehrer. Neben der Schaffung zusätzlicher Studienplätze schlug er vor, dass der Masterstudiengang der Grundschullehrer auch für Lehrer geöffnet werden sollte, die bereit wären, nach dem Bachelor umzusatteln. Oberg hält es für möglich, mittels Weiterbildungen Oberschullehrer für die speziellen Aufgaben an Grundschulen zu qualifizieren. In diesem Zuge sei es aber auch notwendig, die Grundschullehrer besser zu bezahlen. Oberg erwartet, dass der Grundschullehrermangel im nächsten Koalitionsvertrag eine Rolle spielen wird. Susanne Vieth-Entus

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