Schule : Berliner Schüler haben neuen Vorsitzenden

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Zwei Jahre lang hatte der Berliner Landesschülerausschuss keinen Vorsitzenden – jetzt gibt es wieder einen. Am Donnerstag trafen sich die Schülervertreter der Stadt erstmals unter Leitung des 17 Jahre alten Jonas Botta vom Zehlendorfer Werner-von-Siemens-Gymnasium.

Vor etwa einem Monat hatten die Schülervertreter Botta zum Sprecher der rund 300 000 Berliner Schüler gewählt. Mindestens acht der 24 Bezirksschulsprecher müssen anwesend sein, wenn der Landesvorsitzende gewählt wird – und das war zwei Jahre lang nicht der Fall. Immerhin 15 Schüler nahmen nun diese Wahl wahr, sieben von ihnen stimmten für Jonas Botta.

„Ich war der erste in meiner Familie, der in einer Demokratie aufwuchs“, sagt Botta, der in Leipzig geboren wurde. „Deshalb war es für mich selbstverständlich, dass ich mich politisch engagiere.“ Im Alter von 15 Jahren habe er sich die Programme der Parteien angesehen. Das der Grünen habe ihm wegen der basisdemokratischen Ausrichtung am besten gefallen. Seit zwei Jahren ist der Zwölftklässler nun Parteimitglied. Als Schülersprecher fühle er sich aber nicht primär als Grüner und würde auch gegenüber einer möglichen grünen Regierung kritisch auftreten, sagt er.

Beim ersten Treffen des Landesschülerausschusses unter Bottas Leitung war die Ausweitung der Bildungsproteste das große Thema. „Wir müssen stärker auf den Bildungsnotstand aufmerksam machen“, sagte Botta und meinte damit vor allem marode Schulgebäude und Mangel an Lehrkräften. Wichtig sei, möglichst viele Unterstützer an Protesten zu beteiligen. Der Landeselternausschuss, die Gewerkschaft Erziehung und Wirtschaft sowie die Verdi-Jugend seien zwar schon dabei – es müssten allerdings noch mehr werden. Außerdem müsse man sich „auf die konkreten Themen“ konzentrieren und keine grundlegende Systemkritik üben, wie es in der Vergangenheit häufig der Fall war. „Das langweilt die meisten Leute“, glaubt Botta.

Ein weiteres Problem: Das Doppelabitur. Weil im Jahr 2012 zwei Jahrgänge gleichzeitig die Schule beenden, müssten noch mehr Studienplätze geschaffen werden, fordert der neue Landesschulsprecher. „Ich kann das Totschlagargument, dass nicht genug Geld da sei, nicht mehr hören“, sagt er.

Neben der Leitung des Treffens bezeichnet Botta die Tätigkeiten seines ersten Monats im Amt als „Lobbyarbeit für Schüler“. Rund 20 Stunden die Woche hat er nun schon eingesetzt, um auch an seinen langfristigen politischen Zielen zu arbeiten. Ein großes Problem sei nämlich, dass Schülervertreter von der Politik häufig nicht ernst genug genommen würden. Das will er ändern. Mit Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat er sich dafür zwar noch nicht getroffen – das wolle er erst tun, wenn er noch besser informiert sei und gezielt Probleme ansprechen könne, sagt er. Nach seiner Wahl habe er aber immerhin schon ein Glückwunschschreiben vom Senator erhalten.

Um seine Leistungen als Schüler müssen sich seine Eltern übrigens keine Sorgen machen. Er liege nach wie vor im oberen Drittel der Notenskala, sagt Botta, der in Zehlendorf nicht in einer Villa, sondern in einem Plattenbau wohnt – auf diese Feststellung legt er Wert. Auf sein Hobby, darstellendes Spiel in seinem Schulensemble, muss er künftig jedoch verzichten. Dafür, bedauert er, bleibe neben der Politik keine Zeit.Johan Dehoust

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