Berliner Schüler und die Umwelt : Wo sich das Murmeltier wieder wohlfühlt

Lichtenberger Gymnasiasten lernen, wie Tourismus und Natur zu vereinbaren sind. Auf den Spuren eines Projektes in Slowenien.

Im April waren Schüler des Kant-Gymnasiums im Rahmen des Schüleraustauschprojekts „Umwelt baut Brücken – Jugendliche im europäischen Dialog“ in Slowenien. Sie erkundeten den Landschaftspark Logarska Dolina. Unterstützt wird das Projekt, an dem 34 deutsche Schulen teilnehmen, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Aachener Izop-Instituts. Ihr Erlebnisse haben die Schüler Maria Köstler, Clara Puschadel, Tobias Truong, Sandra Gusman, Julia Penther, Max Bittner, Marielle Neyen, Inga Lipowski, Felix Tschentscher, Nina Riethmüller, Stefan Schumacher, Anja Braun, Luise Wenzel, Luise Rosenberg, Catharina Zeise, Sophie Parpart und Friederike Wille in Bild und Texten auf dieser Seite festgehalten.

Slowenien, Landschaftspark Logarska Dolina, gefühlte Temperatur 40 Grad Celsius. Eine Schar von Schülern ist – statt im Freibad zu sein – auf den Spuren der Natur unterwegs. Leise erkunden sie den Lehrpfad des Tals Logarska Dolina, das Teil des gleichnamigen Parks ist, um selbst die leisesten Geräusche der Natur zu hören.

Das Tal ist 1750 Quadratkilometer groß und liegt im Nordosten Sloweniens, wo die Kamniker Alpen in die Ebene Panonska niÿina übergehen. Durch diese Ebene fließt der Fluss Savinja, der in den Kamniker Alpen aus 50 Metern Höhe als Wasserfall entspringt. Der Landschaftspark ist heutzutage bekannt für seine Vielfalt der Flora und Fauna. Im Zuge der nachhaltigen Entwicklung wird darauf geachtet, dass weder exotische noch regionsfremde Pflanzenarten eingeführt werden und sich verbreiten können. In früheren Jahren sah dies anders aus. Als Folge menschlicher Eingriffe waren in der Region einige Tierarten wie etwa der Steinbock oder das Murmeltier völlig ausgestorben. Seit einigen Jahren jedoch siedeln sich diese Tiere wieder in Logarska Dolina an.

Das artenreiche Ökosystem wird durch viele Projekte eines Zusammenschlusses von Bauern und Gemeindemitgliedern geschützt. Die 1992 gegründete Organisation nennt sich Logarska Dolina GmbH, ihr Leiter ist Marko Slapnik. Die Gesellschaft finanziert sich ausschließlich durch Eigeneinnahmen aus dem Tourismus und den Gebühren für die Nutzung der Talstraßen für Lastkraftwagen und Reisebusse. Die Organisation ist auf diese Gelder angewiesen, da sie keine Fördermittel vom Staat oder von der Europäischen Union erhält. Die Gebühren haben auch einen Nebeneffekt: Sie führten zu einer Reduzierung des Schadstoffausstoßes und der damit einhergehenden Belastung für die Umwelt.

Eine weitere Organisation, die sich für den Schutz des Parks einsetzt, ist die CIPRA (Commission Internationale pour la Protection des Alpes). Das Ziel der CIPRA ist es, Natur, Wirtschaft und Soziales in Einklang zu bringen und dadurch eine nachhaltige Entwicklung für diesen Park und die Alpen zu fördern. 1993 unterzeichnete die Regierung Sloweniens einen Vertrag für den umfassenden Schutz des Alpenraumes.

Doch auch schon vor Unterzeichnung des Vertrags gab es Tourismusaktivitäten in dieser Gegend: Da die Bevölkerung aufgrund der geografischen Lage nicht allein von der Landwirtschaft leben kann, ist sie auf den Fremdenverkehr angewiesen. Aus diesem Grund vermietet zum Beispiel der Bauernhof der Familie Govc-Vršnik im Tal Robanov Kot seit 1960 Zimmer. Dort gibt es zudem ein kleines Restaurant, in dem Speisen aus den Produkten des Hofes, wie Gemüse und Schweinefleisch, serviert werden. Die verwendeten Produkte stammen aus eigenem Anbau und eigener Zucht. Als besondere Attraktion für die Gäste wird einmal wöchentlich Brot in einem traditionellen Kachelofen gebacken. Die Speisen werden auf einem mit Holz geheizten Herd in der Küche von der Küchenchefin zubereitet.

In der Nähe des Bauernhofes der Familie Govc-Vršnik liegt der Roban-Bauernhof, nach dem das Robanov Kot-Tal benannt wurde. Franz Roban, der Besitzer des Bauernhofes, berichtet, dass der Hof erstmalig 1426 urkundlich erwähnt wurde und eine lange Tradition habe. Nach den Worten Robans sind die Männer der Familie seit Generationen Jäger, die Frauen spielen das traditionelle Musikinstrument Zither. Zu den Traditionen zählt auch, dass jedes Jahr die Familie Roban mit anderen Familien des Tales gemeinsam das Osterfest feiert. Dabei wird auf einem der Höfe der Osterbraten gesegnet, der bei der anschließenden Feier gemeinsam verspeist wird.

Die Familie des Robanbauernhofs versuchen im Einklang mit der Natur zu leben und das nicht erst sei heute. Auch der Onkel des jetzigen Besitzers wollte auf dem Hof Naturschutz betreiben. Franz Roban und andere Bauern setzen sich dafür ein, dass eine Umgehungsstraße um die Alm, wo im Sommer das Vieh weidet, gebaut wird. Die Umgehungsstraße soll den Tourismus in dieser Gegend umleiten, jedoch zieht Bauer Franz Roban es in Betracht, auch in den Tourismus einzusteigen: „Tourismus bedeutet nicht nur einen Gasthof zu bauen, sondern den Gästen einen Platz zur Erholung, Ruhe und Entspannung in der Natur zu bieten“.

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