Berliner Schule : Wenn die Kanzlerin Neuköllner Schüler trifft

"Ich fand sie ganz schön locker": Angela Merkel besucht die Lise-Meitner-Berufsschule in Neukölln - und kommt durchweg gut an.

Florian Ernst
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„War das jetzt einigermaßen verständlich?“ Eine Frage, die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrem Publikum sonst nicht so häufig stellen dürfte. Doch am Montag sprach Merkel nicht vor Politikern oder Journalisten, sondern Schülern. Merkel besuchte anlässlich des bundesweit an Schulen begangenen EU-Projektags die Neuköllner Lise-Meitner-Schule.

Das Oberstufenzentrum für Chemie, Physik und Biologie bietet neben einem Berufsschulzweig, einen beruflichen Gymnasialzweig, verschiedene Berufsfachschulzweige, einen Berufsoberschul- (BOS) und einen Fachoberschulzweig (FOS) an. Zudem beteiligt sie sich an zahlreichen europäischen Programmen. Schüler haben unter anderem die Möglichkeit, 14-wöchige Praktika bei 120 verschiedenen Partnereinrichtungen in 23 EU-Ländern zu absolvieren. Ein ehemaliger Schüler unterstützte zum Beispiel eine Doktorandin in London bei ihrer Promotion, indem er einen Mikrochip herstellte. Eine andere ehemalige Schülerin absolvierte ihr Praktikum am Institut für Biologie der Universität im slowenischen Ljubljana. Für Lehrer aus europäischen Ländern bietet die Schule zum Beispiel einwöchige Fortbildungsseminare in Biologie zum Thema „ Gentechnologie in der Ausbildung“ an. Die Projekte werden von der EU gefördert.

Der Europatag sei ihr ein persönliches Anliegen, sagte die Kanzlerin, „weil wir so in der Politik ein Gefühl dafür bekommen, wie Europa ankommt“. So formulierten auch einige Schüler Verbesserungsvorschläge: Mehr Informationen, wünschte sich eine Schülerin. Einem anderen Schüler war Lobbyarbeit für eine größere Popularität der EU ein Anliegen. „Wenn man jemanden in Brandenburg etwas über die EU fragt, haben die meisten keine Ahnung.“

Doch auch die Schüler durften Fragen an Merkel richten. So gefragt, sprach sie über die Arbeitsabläufe im EU-Rat, die Art der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern oder die Frage, wofür die EU eigentlich zuständig ist. Auch die Finanzkrise und konkrete Probleme im Zuge der weiteren europäischen Integration sprach die Kanzlerin an. Bei der Frage nach einer Prognose für ein Europa im Jahre 2020 blieb sie dagegen schwammig: „Ich hoffe, dass es Europa schafft, im Wettrennen der Nationen ein moderner Kontinent zu sein.“ Ein konkretes Ziel sei, dass jeder in Deutschland bis zu diesem Jahr einen Breitbandanschluss ans Internet besitze. Aber auch die Energieversorgung und Gentechnik seien wichtige Themen. Auch Fragen eher privater Natur beantwortete Merkel freundlich: „In welchem EU-Land sind Sie am liebsten?“ Antwort: „In Deutschland“. Und wie sich ihr Leben verändert habe, seit sie Kanzlerin ist. „Ich bin sehr unter Beobachtung.“

Doch die Kanzlerin war nicht nur da, um Fragen zu beantworten. In einem Labor für instrumentelle Analytik konnte sie Schülern bei Experimenten über die Schulter sehen. „Ich war immer in der Theorie“, gab die promovierte Physikerin Merkel später zu. Sie habe aber großen Respekt vor der experimentellen Arbeit.

Die Kanzlerin kam bei den Schülern durchweg gut an: „Ich fand sie ganz schön locker“, sagte eine Schülerin der Stufe 13, „nicht so zugeknöpft wie im Fernsehen“. Nur die Vorbereitungen der Schule auf den Besuch erntete leichte Kritik. „Da wurde schon zensiert, bei den Fragen“, erzählt eine andere 13-Klässlerin. Ulrich Mok, der Koordinator der EU-Projekte an der Schule, war jedenfalls „vollkommen zufrieden“ mit dem Ablauf des Besuchs. Und auch die Kanzlerin gab sich charmant: „Ich glaube, ich wäre gerne auf diese Schule gegangen.“

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