Berliner Schulinspektionen : Mehr Durchfaller in der zweiten Runde

Bei den aktuellen Schulinspektionen fielen 25 Schulen durch - eine erhebliche Verschlechterung gegenüber der ersten Runde. Über die Gründe für den Anstieg sagt der aktuelle Bericht nichts.

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Das Friedrichshainer Andreas-Gymnasium gehört zu den Schulen, die mit ihrem Inspektionsbericht glänzen können.
Das Friedrichshainer Andreas-Gymnasium gehört zu den Schulen, die mit ihrem Inspektionsbericht glänzen können.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es ist eine alarmierende Entwicklung: Die Anzahl der Schulen mit „erheblichem Entwicklungsbedarf“ ist in der zweiten Runde der Schulinspektionen deutlich angestiegen. Von bisher knapp 300 Schulen, die seit 2011 zum zweiten Mal inspiziert worden sind, wurde an 25 Schulen erheblicher Entwicklungsbedarf festgestellt, wie ein Sprecher der Bildungsverwaltung auf Anfrage mitteilte. Das entspricht rund acht Prozent. Das ist ein wesentlicher Anstieg, da bisher nur etwa fünf Prozent jährlich dieses schlechteste Ergebnis bescheinigt bekommen hatten: In der ersten Runde der Schulinspektionen, die zwischen 2006 und 2011 an rund 700 öffentlichen Schulen durchgeführt worden waren, war der „erhebliche Entwicklungsbedarf“ insgesamt 35 Schulen festgestellt worden.

Diese Schulen werden bereits nach zwei Jahren erneut inspiziert. In der ersten Runde konnten drei Schulen die Inspekteure auch beim Nachbesuch nicht überzeugen. Welche Schulen das sind, gab die Bildungsverwaltung nicht bekannt, da man mit der Schulinspektion kein Ranking aufstellen wolle.

Dem Bilanzbericht „Sieben Jahre Schulinspektion in Berlin“ zufolge, den die Bildungsverwaltung wie berichtet in der letzten Woche veröffentlichte, haben sich in der zweiten Runde der Inspektionen aber auch etliche Schulen verbessert. Bei einem direkten Vergleich von 106 Schulen, die im Schuljahr 2011/12 zum zweiten Mal untersucht wurden, konnten die meisten Schulen bessere Werte bei Merkmalen wie Personalentwicklung, Schülerförderung oder der Evaluation schulinterner Entwicklungsvorhaben erreichen. Bei der Unterrichtsqualität gab es dagegen kaum Verbesserungen. Die schlechtesten Werte wurden wie auch in der ersten Runde in den Bereichen selbständiges Lernen, innere Differenzierung, kooperatives Lernen und problemorientiertes Lernen erzielt.

„Das selbständige Lernen ist in den Berliner Schulen wenig verbreitet“, lautet dazu das Urteil der Inspektionsteams. Nahezu jede zweite Stunde zeige keine Ansätze von Differenzierung, heißt es in dem Bericht. Zudem gibt es Defizite bei der Förderung leistungsstarker Schüler. Es falle den Schulen leichter, auf Lernprobleme zu reagieren, als individuell auf Begabungen einzugehen, schreiben die Gutachter.

Rund 30 000 Unterrichtsstunden hatten die Inspekteure in den ersten fünf Jahren Schulinspektion besucht. Seit der zweiten Runde sind Schulen verpflichtet, den Inspektionsbericht zu veröffentlichen, spätestens vier Monate, nachdem sie den Bericht erhalten haben. Sie sind im Schulporträt auf der Homepage der Bildungsverwaltung (www.berlin.de/sen/bildung/schulverzeichnis_und_portraets) zu finden.

Direkt zum Bericht geht es unter www.tagesspiegel.de/schulinspektion

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