Berufsorientierung : Ein Gewinn für beide Seiten

Kooperationen von Betrieben und Schulen sollen den Berufseinstieg erleichtern - und den Firmen Auszubildende bescheren.

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Am Flaschenzug. Senatorin Scheeres mit einem Schüler auf der Baustelle von Frisch und Faust.
Am Flaschenzug. Senatorin Scheeres mit einem Schüler auf der Baustelle von Frisch und Faust.Foto: Fachgemeinschaft Bau

In die Röhre gucken kann ziemlich spannend sein. Vor allem, wenn Roboter im Spiel sind. Angelo, Jeremy, Robin und Fabian, die 13-, 14- und 16-jährigen Jungs aus der Gemeinschaftsschule Hannah Höch in Reinickendorf, schauen jedenfalls aufmerksam zu, wie ein Kanalsanierungsroboter in eine Betonröhre eingelassen und dann von einem Facharbeiter per Joystick gesteuert wird. Weil der Roboter eine Kamera und ein Fräswerkzeug hat, kann er Wurzeln im Kanal entfernen oder einen neuen Zugang bohren. Die Tiefbaufirma Frisch und Faust führt auf ihrem Betriebsgelände in Niederschönhausen neueste Kanaltechnik vor und die zuschauenden Schüler aus Reinickendorf überlegen sich, ob sie so etwas vielleicht auch mal beruflich machen wollen.

Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz in der Firma sind seit letztem Dienstag gestiegen, denn ihre Schule hat eine Kooperation mit Frisch und Faust abgeschlossen. Und weil das schon die 400. Partnerschaft von Schule und Betrieb in Berlin ist, sind zur feierlichen Unterzeichnung prominente Gäste gekommen: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), und Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer und Vizepräsident der IHK Berlin, schauten zu, wie Schulleiter Nuri Kiefer vom Campus Hannah Höch und der Kaufmännische Leiter von Frisch und Faust, Dieter Mießen, den Vertrag unterzeichneten. Die Vereinbarung sieht vor, dass Schüler von Hannah Höch, die sich bei Frisch und Faust um eine Lehrstelle bewerben, auf jeden Fall zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Außerdem können die Schüler Praktika und Praxistage in der Firma absolvieren und Auszubildende sollen ihr Wissen im Projektunterricht an die Schüler weitergeben.

Seit dem Jahr 2000 gibt es das Projekt „Partnerschaft Schule-Betrieb“ und die Anwesenden sind sich einig, dass es eine Erfolgsgeschichte ist. Senatorin Scheeres spricht von einer Win-Win-Situation, besonders angesichts des Fachkräftemangels: „Die Betriebe bekommen Auszubildende, und die Schüler die Chance, die Berufswelt praxisnah zu erfahren“. Die Kooperation zwischen Betrieben und Schulen und die frühzeitige Berufsorientierung sei ein selbstverständlicher Bestandteil der schulischen Arbeit und auch im Schulgesetz verankert, betonte Scheeres. Inzwischen haben alle Sekundarschulen derartige Kooperationen abgeschlossen, viele davon mehrere. Bei den Gymnasien sind es allerdings erst rund ein Drittel. „Wir wünschen uns, dass es dort noch mehr werden“, sagte ein IHK-Sprecher.

Denn für die Betriebe wird es zunehmend schwer, geeignete Auszubildende zu finden. Besonders gesucht würden derzeit Elektroniker und Sanitär- und Heizungstechniker, sagte ein Sprecher der Handwerkskammer. Viele Schüler wüssten zu wenig über die verschiedenen Berufe, und wie anspruchsvoll Handwerk sein kann. Die Kooperationen seien auch deshalb wichtig, damit die Schüler ein realistisches Bild von den Anforderungen bekämen.

Und die Schüler, wollen sie jetzt Kanalbauer werden? Angelo, Jeremy und Robin aus der Klasse 7/8 wollen vielleicht ein Praktikum machen. Der 16-jährige Fabian überlegt, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben, allerdings lieber im Büromanagement der Firma. Dafür muss er aber erst noch den Mittleren Schulabschluss bestehen. Sylvia Vogt

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