Schule : „Bestimmte Dinge müssen eben getan werden“

Ziele von Praktika – und an wen man sich wenden kann, wenn etwas schiefgeht

Rund 30 000 Neuntklässler absolvieren jährlich ihr Praktikum in einem Betrieb, viele davon wie derzeit vor den Ferien. Das Praktikum zählt zum Dualen Lernen, das Lernen in Schule und Praxis verknüpft. Thomas Nix, 51, ist dafür in der Senatsbildungsverwaltung zuständig. Mit ihm sprach Patricia Hecht.

Herr Nix, worum geht es in einem Praktikum?

Ein Praktikum ist insbesondere dazu da, Erfahrungen zu sammeln und zu erleben, welche Anforderungen und Erwartungen an junge Menschen gestellt werden. Es ermöglicht den Schülern einen Einblick in die Wirtschafts-, Arbeits- und Berufswelt. Ein bestimmter Beruf muss dabei nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Aber natürlich kann man so herausfinden, ob der Bereich, den man gewählt hat, für die eigene Zukunft infrage kommt.

Was sollten Eltern, Lehrer und Jugendliche berücksichtigen, wenn sie ein Praktikum planen?

Der Platz sollte den Interessen und Fähigkeiten des Jugendlichen entsprechen. Im Dienstleistungsbereich etwa muss man sehr gut kommunizieren können und gerne mit Menschen arbeiten, sonst ist man schnell überfordert und wird unzufrieden. Kein Schüler sollte an einem Ort eingesetzt werden, an dem er sich nicht wohlfühlt. Wir haben mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft und den Kammern eine gemeinsame Website zum Dualen Lernen entwickelt: www.duales-lernen.de. Dort werden Informationen zum Thema für unterschiedliche Zielgruppen wie Schüler, Eltern, Lehrer und Betriebe aufbereitet. Es gibt dort auch eine Praktikumsbörse.

Wie oft müssen Schüler Praktika machen?

In der Regel findet das Betriebspraktikum zwei- oder dreiwöchig in der 9. Klasse statt. Insbesondere in der künftigen Sekundarschule stehen auch in anderen Jahrgangsstufen berufsorientierende Maßnahmen auf dem Stundenplan. Pro Jahr gehen etwa 30 000 Neuntklässler in Praktika – das wird auch nach Einführung der Sekundarschule so bleiben.

Wie sind die rechtlichen Bedingungen?

Der Betrieb muss eine zuverlässige Fachkraft bereitstellen und die Jugendschutzvorschriften berücksichtigen. Ein Praktikumstag dauert ausschließlich der Pausen höchstens sechs Stunden. Es ist förderlich, wenn Praktikanten mit Azubis zusammenkommen – die können eher Gespräche auf Augenhöhe führen. Natürlich dürfen Praktikanten nicht an gefährlichen Arbeitsorten eingesetzt werden, sie dürfen keine extremen Lasten schleppen oder an hoch sensiblen Maschinen hantieren. Was jungen Menschen zugemutet wird, muss entwicklungsadäquat sein.

Wo hört ein Praktikum auf, wo fängt Ausbeutung an?

Es gibt die berühmte Frage: Ist es Ausbeutung, die Werkstatt ausfegen zu lassen, oder muss diese Arbeit eben gemacht werden? Grundsätzlich gilt: Schüler dürfen keine Regelarbeiten übernehmen, durch die Personal eingespart wird. Sie erhalten auch keine Entlohnung. Manchmal ist es aber auch wichtig, dass junge Menschen merken, dass nicht alles Spaß machen kann. Bestimmte Dinge müssen eben getan werden.

Was sollte ein Praktikant tun, wenn es Probleme gibt?

Die Schüler werden durch eine Lehrkraft betreut. Sollte ein Schüler Probleme haben oder sich ausgebeutet fühlen, kann er auf die Lehrkraft zugehen. Meistens reicht schon ein klärendes Gespräch. Und notfalls wird ein anderer Platz gesucht.

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