Bewerbertag : Spielerisch zum Traumberuf

Beim Tagesspiegel-Bewerbertag informierten sich Schüler über Ausbildungen. An 21 Ständen von Berliner Unternehmen, Verbänden und in einem Info-Bus stellten sie ihre Fragen.

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Gut informiert. Rund 1600 Schüler ab der neunten Klasse informierten sich beim dritten Bewerbertag des Tagesspiegels über die richtige Form einer Bewerbung, Wege zum Traumberuf oder Ausbildungsmöglichkeiten in Berlin.
Gut informiert. Rund 1600 Schüler ab der neunten Klasse informierten sich beim dritten Bewerbertag des Tagesspiegels über die...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Bis eben wollte Gabriel Drucker werden, da war er sich sicher. Nun aber gibt es eine neue Option: Zerspannungsmechaniker. Der 24-Jährige ist mit seiner Berufsvorbereitungsklasse aus Charlottenburg zum Tagesspiegel-Bewerbertag in die Urania gekommen – wie etwa 1600 junge Menschen ab der neunten Klasse, die sich über Berufe und mögliche Ausbildungen informieren möchten.

Viele sind mit ihren Lehrern hier, einige auch allein oder mit Freunden. An 21 Ständen von Berliner Unternehmen, Verbänden und in einem zum Informationszentrum umgebauten Bus stellen sie ihre Fragen: Wie bewerbe ich mich bei der Polizei? Was macht ein Laborant am Helmholtz-Zentrum? Und wie gut muss ich eigentlich in Mathe sein, um Bankkauffrau zu werden?

Im blauen Infobus der Metall- und Elektroindustrie etwa, der vor der Urania steht, hat Gabriel schon erfahren, was ein Zerspannungsmechaniker macht – und konnte sein Wissen gleich selbst anwenden. Er zeichnete das Logo seiner Schule auf Papier und tippte es in komplizierten Codes auf eine Tastatur. Daraufhin setzte sich eine Maschine in Gang und fräste die Buchstaben in eine Metallplatte. „Das macht total Spaß“, sagt er.

Darüber freut sich Ingo Hinrichsen, der den Schülern zeigt, wie die Fräse funktioniert. Nur wenige von ihnen interessierten sich für technische Berufe, sagt er. Häufig wüssten sie einfach nicht, welche Möglichkeiten es in diesem Bereich gibt: „Sie kennen meist die gleichen zehn Berufe – darunter Frisörin oder Groß- und Einzelhandelskaufmann“, sagt er. Sein Ziel: Die jungen Leute spielerisch für einen technischen Beruf zu begeistern.

Währenddessen befragt der 15 Jahre alte Bruno am Stand der Bundeswehr Stabsfeldwebel Ralf Röseler zur Ausbildung von Piloten – seinem absoluten Traumberuf. Als er jedoch erfährt, dass er bei der Bundeswehr auch Kampfeinsätze fliegen müsste, ist er verunsichert: „Ich weiß nicht, ob ich das will.“ Röseler beantwortet schon den ganzen Tag Fragen von Schülern. Besonders interessiert seien Schüler mit Migrationshintergrund, sagt er. Häufig allerdings muss er sie enttäuschen: Dann, wenn sie keinen deutschen Pass haben. Den brauchen sie nämlich für die Bundeswehr.

Schräg gegenüber ist der Stand einer Parfümerie, an dem Probefläschchen nicht fehlen dürfen. Die sprühen zahlreiche Mädchen munter durcheinander. Die Parfümerie sucht neue Auszubildende. „Was muss ich dafür können?“, fragt ein Mädchen. „Vor allem offen auf Menschen zugehen“, antwortet Juliane Böhme, 25, die selbst Azubi ist. Hinter vielen Ständen in der Urania stehen junge Menschen wie sie. Die Idee: Ihnen gegenüber sind die Schüler weniger gehemmt als gegenüber älteren Arbeitgebern.

Michael Hilpert gefällt dieser Ansatz. Der Lehrer aus Reinickendorf ist mit seiner zehnten Klasse zum Bewerbertag gekommen. „Einige von ihnen sind unsicher, ob sie einen Job finden und dadurch sehr eingeschüchtert“, sagt er. Anders als viele Kollegen hat er seine Schüler vorab trotzdem keinen Fragekatalog entwickeln lassen, den sie dann in der Urania abarbeiten müssen. Seine Schüler sollen lieber auf eigene Faust ihre Fragen stellen.

Immerhin notieren Björn, 14, und Christian, 15, aus Dahlem nun gerade ihre letzten Antworten. Sie haben neun Stände abgeklappert und 13 Fragen gestellt. Der Bewerbertag sei informativ, sagt Christian. Über seinen absoluten Traumjob aber habe er nichts erfahren. Der allerdings ist auch sehr speziell: Christian möchte Büchsenmacher werden. Nachdem die beiden Realschüler die Bögen in ihren Rucksäcken verstaut haben, machen sie sich noch mal zu den Ständen auf. Fragen stellen sie nun nicht mehr. Ihr Ziel: Schokolade und Kugelschreiber abgreifen.

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