Bildung : Absage an Eliteschule

Opposition und SPD sind gegen einen strengen Numerus Clausus für Gymnasien. Ein NC ließe Migranten kaum noch Chancen. "Weiße Gymnasien" sollen verhindert werden.

Berlins Schulleiterverbände geraten mit ihrer Forderung nach einem strengen Numerus Clausus (NC) für Gymnasien ins Abseits. Weder die Opposition noch die SPD unterstützen die Idee eines rigiden Gymnasialzugangs, wie er zurzeit als eine von mehreren Varianten im Rahmen der Strukturreform diskutiert wird.

„Dann hätten wir die totale Spaltung“, befürchtet die bildungspolitische SPD- Sprecherin Felicitas Tesch im Hinblick auf die Auswirkungen für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Wie berichtet, gibt es vor allem die Befürchtung, dass der Migrantenanteil an den Gymnasien extrem sinken würde, wenn die Hürden wesentlich höher würden. „Wir wollen diese Klientel aber behalten“, sagt Tesch. Gewarnt wird vor sogenannten weißen Gymnasien.

„Der Numerus Clausus darf nicht zu streng sein“, sagt auch der Sprecher des Türkischen Bundes, Safter Cinar, der andernfalls befürchtet, dass die Gymnasien „zu elitär“ werden. Es müsse allerdings Hürden geben, wenn es den Gymnasien nicht mehr erlaubt sein soll, schwache Schüler später abzugeben. In jedem Fall lehnt Cinar aber die Beibehaltung des Probehalbjahres ab, weil das Nichtbestehen für die Kinder extrem frustrierend sei.

Mieke Senftleben (FDP) würde die jetzige Regelung beibehalten. Zum einen sei es gut, dass die Grundschulen zwischen einem Schnitt von 2,2, und 2,7 eine Bandbreite hätten, in der sie noch eine Gymnasialempfehlung aussprechen könnten. Zudem verweist Senftleben darauf, dass rund 80 Prozent der Kinder, die trotz Realschulempfehlung auf das Gymnasien gehen, das Probehalbjahr dort schaffen. Auch das spreche dafür, die Zensuren der Grundschule nicht als alleiniges Kriterium beim Übergang auf die Oberschule gelten zu lassen.

Die CDU setzt sich dafür ein, dass das Gymnasium selbst die Eignung eines Schülers feststellt. Dies könne durch ein Schulleitergespräch, einen „adäquaten“ Test oder auch Probeunterricht geschehen, sagte der bildungspolitische Sprecher Sascha Steuer. sve

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