Bildung : Widerstand gegen rasche Schulfusion

Das gemeinsame Lernen könnte 2010 in allen Bezirken starten. Doch es gibt Interessenkonflikte, vor allem Realschulen sind skeptisch.

Susanne Vieth-Entus

Wegen mangelnder baulicher und konzeptioneller Voraussetzungen wollen sich einige Schulen erst 2011 zu Sekundarschulen umwandeln. Insbesondere an Realschulen, die mit Hauptschulen fusionieren sollen, gibt es Vorbehalte. Aber auch die Gesamtschulen sind nicht alle überzeugt. Besonders groß sind die Bedenken in Spandau und Reinickendorf. Zwar hatten die beiden betreffenden CDU-Bildungsstadträte am Dienstag bekannt gegeben, dass sie ihren Schulen entgegen bisheriger Ankündigungen freistellen wollen, an der Strukturreform schon 2010 teilzunehmen. Nicht alle Schulen wollen aber davon Gebrauch machen.

Der Spandauer Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) plant, alle vier Realschulen mit jeweils einer Hauptschule zu fusionieren. Laut Hanke sind die Hauptschulen für einen schnellen Start, während die Realschulen warten wollen. Dies bestätigte am Mittwoch der Rektor der Johann-Georg-Halske-Realschule, Wolfgang Kaminski. „Die Stimmung ist eindeutig gegen eine sofortige Fusion.“

Kaminski begründet die Bedenken mit den „Bauproblemen“: Bevor seine Schule mit der Heinrich-Hertz-Hauptschule fusionieren kann, muss noch eine Grundschule umgesiedelt werden. Noch höhere Hürden gibt es bei der Fusion von Leuschner-Hauptschule und Borchert- Realschule: Hier wären zehn Millionen Euro für Umbauten nötig. Das Geld ist aber noch nicht da. Auch die Maybach-Realschule in der Wilhelmstadt will von einem frühen Start nichts wissen, denn es fehlen die baulichen Voraussetzungen für die geplante Fusion mit der Daimler-Hauptschule, begründet Rektor Markus Prill die Ablehnung.

Ähnlich ist das Stimmungsbild in Reinickendorf. „Die Hauptschulen wollen gern gleich beginnen, die Realschulen nicht“, berichtet Bildungsstadträtin Katrin Schulze-Berndt (CDU). Hier gibt es allerdings keine Interessenskonflikte zwischen den Schulen, weil keine Fusionen geplant sind: Alle Schulen bleiben selbstständig, weil Schultze-Berndt keine „Riesenschulen“ will. Lediglich die Max-Eyth- Realschule und die Lindhorst-Hauptschule fusionieren. Wie viele Schulen in Berlin noch bis 2011 mit der Umwandlung zur Integrierten Sekundarschule warten wollen, ist zurzeit nicht klar. Fest steht nur, dass auch die Gesamtschulen nicht alle von einem Frühstart überzeugt sind. Laut Spandaus Stadtrat Hanke erwägen Bertold-Brecht- und Heinrich-BöllGesamtschule, erst 2011 zu Sekundarschulen zu werden. Ganz andere Töne kommen aus Tempelhof-Schöneberg: „Wir wollen schnell beginnen, weil wir im Herzen Berlins mit den Nachbarbezirken konkurrieren müssen“, berichtet die Leiterin der Hugo- Gaudig-Realschule, Kathrin Stüer. Susanne Vieth-Entus

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