Bildung : Zöllner: Kein NC für Gymnasien

Einen Numerus Clausus soll es nach dem Konzept von Bildungssenator Zöllner nun nicht geben. Der Elternwille ist entscheidend. Neue Zulassungskriterien sehen jedoch vor, dass die Gymnasien die Hälfte der Schüler selbst auswählen können.

Susanne Vieth-Entus
Zöllner
Gestalten, nicht verwalten: Bildungssenator Zöllner. -Foto: dpa

BerlinBildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat nach monatelangem koalitionsinternem Ringen am Dienstag sein Konzept für die Zugangsregelungen zum Gymnasium präsentiert.  Einen Numerus Clausus (NC) soll es demnach nicht geben. Entscheidend ist der Elternwille. Bei großer Nachfrage soll die Hälfte der Plätze ausgelost werden. Ungeeignete Schüler sollen nach einem Jahr Probezeit an die Sekundarschulen abgegeben werden können. Die Linkspartei als Koalitionspartner stimmte dem Konzept bereits zu. Die SPD hat sich noch Bedenkzeit ausgebeten. Die Opposition lehnt Zöllners Konzept vehement ab. Der Verband der Oberstudiendirektoren bezeichnete das angedachte Losverfahren als „Abschied von der Gestaltung der Berliner Schule“.

Zöllners Konzept sieht vor, dass die Grundschulen den Eltern eine schriftliche Einschätzung des Leistungsvermögens ihrer Kinder geben und ein unverbindliches Beratungsgespräch führen. Die bisher übliche Bildungsgangempfehlung entfällt. Wenn es an einer Sekundarschule oder einem Gymnasium mehr Anmeldungen als Plätze gibt, kann der Schulleiter die Hälfte der Schüler selbst aussuchen. Die andere Hälfte soll per Losverfahren vergeben werden. Zudem sollen einige Plätze für Härtefälle frei gehalten werden.

Die Schulleiterverbände hatten bis zuletzt gefordert, dass nur Schüler mit guten Noten auf das Gymnasium kommen sollten. Die Rede war von einem Numerus Clausus von 2,0 bis 2,2 in den Hauptfächern. Hintergrund dieser Forderung war die Überlegung der Koalition, dass Gymnasien alle Schüler behalten sollten, die einmal aufgenommen wurden. Das Probehalbjahr sollte entfallen.

Diese Variante hätte allerdings zur Folge gehabt, dass der Elternwille außer Kraft gesetzt worden wäre. Landeselternsprecher André Schindler hatte davor von Anfang an gewarnt und argumentiert, dass die Empfehlungen der Grundschulen und auch die Zensuren nicht objektiv seien. „Die Fehlerquote bei solchen Empfehlungen liegt bei 20 bis 25 Prozent“, bestätigte FU-Grundschulforscher Jörg Ramseger dem Tagesspiegel. Ein Aufnahmetest erhöhe die Sicherheit nur um rund vier Prozent. Auch Ramseger hatte deshalb für eine einjährige Probezeit plädiert.

Den Gymnasien reicht die Probezeit als Regulator nicht. „Das Losverfahren gefährdet die gesamte Reform“, lautet die Einschätzung von Ralf Treptow, der den Verband der Oberstudiendirektoren vertritt. Wenn 50 Prozent der Schüler per Losverfahren kämen, könne das bedeuten, dass Gymnasien viele ungeeignete Kinder aufnehmen müssen, so dass dort die Kapazitäten für Gymnasialkinder fehlen würden. Auch seitens der künftigen Sekundarschulen kam Kritik: „Das Losverfahren macht die Profile von Schulen kaputt“, lautet eine Befürchtung. Özcan Mutlu (Grüne) nannte das Losverfahren „willkürlich“.

Unklar ist noch, nach welchen Kriterien die Schulleiter künftig die übrigen 50 Prozent der Schüler aussuchen können sollen. „Die Kriterien müssen transparent und gerichtsfest sein“, sagte Zöllner. Andernfalls könnten sich Schüler einklagen. In der Vergangenheit hatte man sich in strittigen Fällen nach dem Wohnort der Kinder gerichtet. Dieses Kriterium entfällt jetzt, was Mieke Senftleben (FDP) ausdrücklich lobte.

Die Reform des Gymnasialzugangs war notwendig geworden, weil Rot-Rot ab 2010 Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu den neuen Sekundarschulen verschmelzen will, die dann auch zum Abitur führen sollen.

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