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Bildung : Zöllners Qualitätsoffensive stößt auf geteiltes Echo

Bildungssenator Jürgen Zöllner erhöht den Druck auf die Schulen. Vergleichstests und Inspektionsberichte sollen künftig veröffentlicht werden. Doch Kritiker fürchten beim Ranking eine Bloßstellung der Schwächeren.

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An den Schulen soll sich nach den Vorstellungen von Bildungssenator Zöllner einiges ändern.
An den Schulen soll sich nach den Vorstellungen von Bildungssenator Zöllner einiges ändern.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bei seiner Transparenzoffensive für die Berliner Schulen wird Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die meiste Überzeugungsarbeit leisten müssen. Vor allem die Veröffentlichungspflicht für die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten stößt auf Kritik, weniger umstritten ist dies bei den Schulinspektionen. „Transparenz ist wichtig“, sagt Landeselternsprecher Günter Peiritsch, der Zöllners Qualitätspaket insgesamt als „richtigen Weg“ bezeichnet. Allerdings sieht er die Schulverwaltung in der Pflicht, bei der Veröffentlichung einen Weg zu wählen, der nicht nur Defizite benennt, sondern auch aufzeigt, was die Schule aktiv zur Verbesserung der Situation unternimmt.

FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben erkennt bei Zöllners Vorschlägen durchaus Punkte, denen sie zustimmen kann, beispielsweise bei der Veröffentlichung der Schulinspektionen. Die Ergebnisse von Vergleichsarbeiten will sie aber erst mittelfristig veröffentlichen, zunächst sei es wichtiger, schwächeren Schülern Hilfestellungen zu geben. Senftleben kritisiert vor allem, dass der Senator vier Jahre gebraucht habe, dieses Paket zu erarbeiten, um es jetzt ein Jahr vor der Wahl vorzustellen. Zöllner habe in den vergangenen Jahren keinen Dialog mit den Schulen gesucht und wolle die Maßnahmen jetzt von oben herab verordnen.

„Gut gemeint ist nicht gut gemacht“, sagt Özcan Mutlu von den Bündnisgrünen, der allerdings ebenfalls Ansätze zur Qualitätsverbesserung in den Schulen sieht. Er vermisst vor allem eine Festlegung, wie die Maßnahmen konkret aussehen und wie sie finanziert werden können. Zu unpräzise ist ihm ebenfalls, wie Zöllner ungeeignete Schulleiter aus den Schulen entfernen möchte. Zweifel äußert Mutlu an der Veröffentlichung der Vergleichsarbeiten. Wie damit ein Ranking ausgeschlossen werden solle, sei völlig unklar. Dieser Punkt stößt auch bei seinem Kollegen von der CDU, Sascha Steuer, auf die größte Kritik: Zöllner wolle die schwächeren Schulen „bloßstellen“, statt ihnen zu helfen. Selbst Steffen Zillich vom Koalitionspartner Linke hat in diesem Punkt Bedenken.

Der Grundschulverband lehnt „ein medienwirksames Veröffentlichen von Ergebnissen“ ab, da viele Punkte, die zu einem erfolgreichen Gelingen gehören, nicht in der Verantwortung der einzelnen Schule liegen. Insgesamt zeigte sich der Verband von Zöllners Vorschlägen enttäuscht und sprach von einem „eingeschränkten Qualitätsbegriff“. Demgegenüber sieht Paul Schuknecht vom GEW-Schulleiterverband viele Ansätze, die in die richtige Richtung weisen. Klärungsbedarf sieht er in der Frage, wie die Schulen mit den Vertretungsmitteln umgehen dürfen und mehr Eigenständigkeit bei Fortbildungen erhalten können. In diesem Punkt gehe es nicht nur um fachliche Belange.

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