Bildung : Zweiter Anlauf für die Schulreform

Der Senatsbeschluss zur großen Schulstrukturreform mitsamt Abschaffung der Hauptschulen wird für Dienstag erwartet. Gleichzeitig beginnen für 400.000 Berliner Schüler die Sommerferien.

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hegt offenbar keine Zweifel daran, dass am heutigen Dienstag im Senat die große Schulstrukturreform mitsamt Abschaffung der Hauptschulen beschlossen wird. In einem Brief an alle Schulleiter, Lehrer und Erzieher kündigte Zöllner am Montag an, „nach den Sommerferien in den Bezirken persönlich für dieses große schulpolitisch zentrale Anliegen zu werben“. Dies ist offenbar nötig, da es sowohl in der Bevölkerung als auch in den Schulen noch erhebliche Vorbehalte gibt. Die Ferien beginnen heute nach der Zeugnisvergabe für alle allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen und enden am 31. August.

Das Schuljahr 2009/10 wird insofern eine Besonderheit, als voraussichtlich zum letzten Mal alle 55 Hauptschulen Siebtklässler aufnehmen. Falls die Strukturreform wie geplant im Herbst das Parlament passiert, können die Bezirke entscheiden, ihre Hauptschulen schon zum kommenden Schuljahr in Sekundarschulen umzuwandeln. Charlottenburg-Wilmersdorf hat bereits angekündigt, die letzte Hauptschule des Bezirks mit zwei Realschulen zu verschmelzen.

Zöllner zeigte sich in dem Brief bemüht, von dem Reizthema „Schulplatzlotterie“ abzulenken: Nicht die Diskussion um den Losentscheid bei besonders nachgefragten Schulen sei „konstituierender Bestandteil“ der Reform, sondern viel wichtiger sei „das klare Bekenntnis zum Elternwillen und die völlig neu geschaffene Möglichkeit der Auswahl durch den Schulleiter“. Dadurch gewinne das Verfahren „viel an Charme“. Es sorge „für mehr Chancengleichheit und eine sinnvolle, ausgeglichene Verteilung von Schülern über ganz Berlin“.

Zöllner verteidigte in dem Brief auch die kräftige Erhöhung der Gehälter für junge Lehrer. Es sei dabei „ausschließlich“ um die Frage gegangen, wie das „arme, aber attraktive Berlin“ gegenüber reicheren Bundesländern ein maximales Angebot unterbreiten könne. Wie berichtet, streiten Hauptpersonalrat und Senat noch über die einseitige Besserstellung der Junglehrer. Das Einigungsverfahren ist noch längst nicht beendet.

Auch Zöllners Abteilungsleiter Erhard Laube wandte sich in einem Brief an die Schulleiter und verwies auf die Erfolge der drastischen Gehaltserhöhung. Selbst in Mangelfächern habe es „ausnahmslos“ sehr viel mehr Bewerber als Stellen gegeben. Auch die „allermeisten“ Fristverträge seien schon abgeschlossen – früher als in den Vorjahren. Schwierig werde es nur für die Schulen, „die erst jetzt einen Fristvertrag abschließen wollen“. In Anspielung auf ihre Kritik an Fristverträgen schreibt Laube an die Schulleiter, es sei sein Ziel, „hier Änderungen zu erreichen“. Dazu braucht die Bildungsverwaltung allerdings die Zustimmung der Finanzverwaltung.

Auf Zöllner warten nach der Sommerpause etliche Auseinandersetzungen – nicht nur mit dem Finanzsenator. Gleich zu Anfang geht es um den Gesetzentwurf für die Strukturreform. Schon jetzt ist absehbar, dass das nicht reibungslos ablaufen wird. Zum einen hat die Linke eine andere Vorstellung vom Status der Gemeinschaftsschule als die SPD. Zum anderen gibt es nach wie vor ein starkes Unbehagen über das Probejahr und das Losverfahren. All das dürfte im parlamentarischen Verfahren wieder aufbrechen, zumal die Opposition keine Gelegenheit auslassen wird, auf die Schwachstellen hinzuweisen und den ohnehin vorhandenen Unmut in der Bevölkerung anzufachen. Susanne Vieth-Entus

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