Bildungspaket : Verloren im Amtsdeutsch

Kaum jemand beantragt Leistungen aus dem Bildungspaket: Darüber wurde in den vergangenen Wochen viel geschrieben. Woran es nur liegt?

Am Montag war First Lady Bettina Wulff zu Besuch in der Neuköllner Richard-Grundschule, um sich über die Schwierigkeiten zu informieren und für eine Bildungsinitiative verschiedener Stiftungen zu werben. Was im Rahmen ihres Besuchs seitens der Schule berichtet wurde, gibt einen Hinweis darauf, woran es liegen könnte, dass das Bildungspaket so wenig Abnehmer findet.

97 Prozent der Schüler an der Richard-Grundschule kommen aus Familien, die Sozialleistungen beziehen. Sie alle haben somit Anspruch auf die Leistungen aus dem Bildungspaket. Allerdings sind die wenigsten Eltern in der Lage, die benötigten Formulare korrekt auszufüllen. Denn fast alle Familien haben türkische oder arabische Wurzeln, viele Eltern sprechen nur wenig Deutsch. Eine türkische oder arabische Übersetzung der auch für Deutsche schwer verständlichen Bögen - die gibt es nicht.

Offenbar ist in der zuständigen Bildungsverwaltung bisher niemand auf die Idee gekommen, das Naheliegende zu tun - und denjenigen, die es am dringendsten brauchen, die nötigen Informationen in ihrer Sprache zu geben. Nun liegt es nach derzeitigem Stand an den Schulen, die Übersetzung zu organisieren. Findet sich vielleicht ein hilfsbereiter Vater, der gut genug Deutsch spricht, um die Amtsdeutsch getexteten Formulare für die anderen Eltern zu übersetzen? Oder ist ein Lehrer fit in Türkisch oder Arabisch und kann den Eltern Hilfestellung geben? Noch ein Aspekt des Bildungspaketes, um den sich die Schulen kümmern müssen. kba

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