Schule : Blumen stecken, Tiere pflegen

Hier lernte schon Knuts Ziehvater Thomas Dörflein: Das OSZ Agrarwirtschaft ist etwas für Naturfreunde

Claudia Keller
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Von der Wiese in die Vase: Zur Peter- Lenné-Schule gehört ein großer Garten, aus dem die angehenden Floristen ihr...

Das Bündel Federn gibt klägliche Laute von sich. Vanessa ist sich trotzdem sicher: „Das gefällt dem“. Sie hält das Huhn zärtlich im Arm und zeigt es in die Runde. „Das kann man noch prima als Suppenhuhn verwenden“, sagt der Lehrer und deutet auf den Flachbau nebenan, in dem die Küche eingerichtet ist. Tiere seien nicht zum Streicheln da. Es gehe um die Nahrungskette.

Vanessa ist Schülerin im Oberstufenzentrum Agrarwirtschaft in Zehlendorf. Die meisten Schüler interessieren sich für Gartenbau, Floristik und Forstwirtschaft. 450 Jugendliche wollen Tierpfleger werden. Oft haben sie wie die 17-jährige Vanessa schon als Kinder Streichelerfahrung mit Tieren gesammelt und sind so auf ihren Berufswunsch gekommen. Hier hat auch Thomas Dörflein, der Ziehvater von Eisbär Knut, gelernt, wie man mit Tieren umgeht. Allerdings schaffen nur die wenigsten Tierpfleger, einen Arbeitsplatz im Zoo zu ergattern. Viele kümmern sich später um Mäuse und Ratten in Forschungslaboren oder um Hunde und Katzen in Tierheimen und Tierpensionen. An jeder Ecke würden Tierpensionen eröffnet. Der Bedarf an geschultem Personal ist groß, sagt der stellvertretende Direktor Rainer Leimgruber.

Das OSZ Agrarwirtschaft hat eine 100-jährige Tradition als Berufsschule und ist heute mit über 2300 Schülern die größte Agrarschule in Deutschland. Die Ursprünge gehen sogar bis ins Jahr 1824 zurück, als der preußische Gartenbau-Direktor Peter Joseph Lenné seine „Königliche Gärtner-Lehranstalt“ gründete. Nach ihm ist das OSZ benannt, seinetwegen wird am heutigen Dienstag gefeiert. Denn Peter Lenné wäre an diesem Tag 220 Jahre alt geworden.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Berufsfelder enorm verzweigt wie auch die Bildungsgänge, die man an der Schule belegen kann. Schüler der allgemeinbildenden Schulen können hier den Hauptschulabschluss nachholen und mit mittlerem Schulabschluss bis zum Fachabitur oder mit abgeschlossener Berufsausbildung bis zur Hochschulreife weitermachen. Andere absolvieren in Zehlendorf ihre dreijährige Ausbildung; wiederum andere, die schon im Beruf stehen, machen hier ihren Meister oder Techniker.

Neben dem theoretischen Unterricht in den Klassenräumen kommt es vor allem auf die Praxis im Schulgelände an, das einem riesigen Botanischen Garten gleicht. Im hinteren Teil grunzen Schweine, schwirren Bienen und gackern Hühner. Weiter vorne blühen Rittersporn, Gladiolen und Sonnenblumen in Reih und Glied, daneben gedeihen Kartoffeln, Kräuter und Gräser. An seltenen Bäumen trainieren die Baumkletterer, es wird gehäckselt, geschnitten, gesät und gegraben.

Der Garten ist ein großes Laboratorium und ändert häufig seine Gestalt; es werden Teiche angelegt, „Regenrückhaltbecken“, die die Wasserrechnung der Schule schmälern, Friedhofsgärtner üben, wie man Gräber gestaltet. Die Schüler lernen den Gemüseanbau genauso wie den Aufbau von Windrädern und den Umgang mit regenerativen Energien. Besonders stolz sind Lehrer und Schulleiter auf die Biogasanlage, die sie zusammen mit den Schülern aus Kunststoffbehältern entwickelt haben. 2011 soll ein richtiges Bioenergielabor fertig sein. Als Grundlage dienen Schweinegülle und Mist, das entstehende Gas wird mit Schläuchen abgezapft, die Reste der Biomasse werden wieder als Dünger verwendet. So schließt sich der Kreislauf der Nachhaltigkeit.

Am OSZ Agrarwirtschaft studieren nicht nur Jugendliche aus Berlin und Umgebung. Hier werden auch junge Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu Berufsschullehrern für die Arbeit in ihren Heimatländern ausgebildet. Auch die Berliner Azubis machen Praktika im Ausland, befestigen Ufer in der Bretagne, bauen am Polarkreis Tomaten an und pflanzen in Böhmen Weinreben. Ganz im Sinne von Peter Joseph Lenné, dessen Leitsatz war: „Gottes Natur – mein Meister, sein Himmel – meine Heimat, und meine Werkstatt – seine weite, schöne Erde.“ Claudia Keller

OSZ Agrarwirtschaft, Hartmannsweilerweg 29, Zehlendorf, Tel. 030-81490140. E-Mails: osz-agrarwirtschaft@web.de. Infos: www.peter-lenne-schule.de.

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