Schule : Csardas, Tokayer und Motoren

Die meisten Audi-Motoren haben ungarisches Blut in sich

Ingo von Dahlern

Balaton, Csardas, Puszta, Salami und Tokayer – wer denkt da nicht sofort an Ungarn. Doch mit Autos und Motoren bringt kaum jemand das Land der Magyaren in Verbindung. Dabei sind sie längst ein beachtlicher osteuropäischer Autobauer. Mit Montagewerken von Suzuki, großen Motorenwerken von Opel und Motoren- und Montagewerken von Audi. Die sind soeben zehn Jahre alt geworden und längst der größte Exporteur und Investor des Landes.

Mehr als 7,4 Millionen Motoren sind bislang bei Audi Hungaria in Györ von den Bändern gelaufen. Damit ist das Werk an Donau und Raba, 600 Kilometer von Ingolstadt entfernt und auf halber Strecke zwischen Wien und Budapest im Dreiländereck Ungarn, Österreich und Slowakei liegend, der zentrale Motorenlieferant für Audi.

Und nicht nur das. Denn in Györ werden längst nicht nur Motoren gebaut, sondern seit Mitte 2001 auch entwickelt. Und das Entwicklungszentrum in Györ, das im Verbund mit den übrigen Entwicklungszentren von Audi arbeitet, wird konsequent ausgebaut, so dass Mitte nächsten Jahres dort rund 100 ungarische Ingenieure für den gesamten Konzern tätig sein werden.

Von anfangs 750 auf inzwischen 6500 Motoren pro Tag stieg die Kapazität in Ungarn, wo heute 20 Grundmotoren in rund 450 Varianten gebaut werden. Eingesetzt werden sie nicht nur in Modellen von Audi, sondern auch bei Fahrzeugen von Volkswagen, Seat und Skoda. Den Anfang machten 1993 die neu eingeführten Vierzylinder mit Fünfventiltechnik. Drei Jahre später begann man mit dem Bau von Sechs- und Achtzylindern - anfangs Benzinern und später auch Dieseln. Und seit Anfang 2001 baut Audi Hungaria auch moderne Vierzylinder-Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Technik.

1998 vergab Audi außerdem einen ganz besonderen Auftrag nach Györ. Erstmals entstanden nun auch Autos. Das waren alles andere als ganz normale Alltagsautos. Denn Györ wurde das Montagewerk für Audi TT Coupé und Roadster. Zwischen 2001 und 2003 wurden außerdem auch Audi A3 gebaut. Insgesamt baute man 259 000 Autos im Werk Györ, dessen Areal sich von 250 000 Quadratmeter auf 730 000 fast verdreifachte und in denen heute knapp 5000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Der Material- und Motorentransport zwischen Györ und Ingolstadt geschieht per Schiene. So werden die in Ingolstadt zusammengestellten Zulieferteile und Komponenten mit der Bahn nach Györ transportiert. Ebenso gelangen fertige Motoren und Fahrzeuge nach Ingolstadt – mit rund 36 Zügen, die wöchentlich zwischen Deutschland und Ungarn verkehren.

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