Schule : Da ist Musik drin

Internationale Hip-Hop-Künstler waren zu Gast an Neuköllner Schule

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Bei einem Übersetzungsworkshop an Schulen würde man vermuten, es gehe um eine Übersetzung aus dem Englischen oder Französischen. Beim Übersetzungsprojekt jedoch, das kürzlich am Neuköllner Leonardo-da-Vinci-Gymnasium Station machte, ging es um Übersetzungen anderer Art: „Translating Hip Hop“ hieß das Projekt des Hauses der Kulturen der Welt (HKW), übersetzt werden sollten: Kulturelle Codes, die Sprache des Rap und die Inhalte des Hip Hop.

Dazu waren internationale Künstler nach Berlin eingeladen, MCs aus Bogotá, Beirut und Manila etwa, die am HKW performten – und außerdem an drei Schulen von ihrer Kunst erzählten. Am Leonardo-da-Vinci-Gymnasium, das als Partnerschule schon seit mehreren Jahren mit dem HKW kooperiert, waren Amewu und Chefket aus Berlin zu Gast, außerdem Nazizi aus Nairobi, eine der wichtigsten Hip-Hop-Künstlerinnen Kenias – und eine der wenigen weiblichen MCs, also Rapperinnen, überhaupt.

Anfangs ging es erstmal weit zurück: Wo die Anfänge des Hip Hop lagen, erklärte Olad Aden, Ko-Kurator des Projekts am HKW und Straßensozialarbeiter bei Gangway. „Viele Jugendliche finden Hip Hop cool, kennen aber nur die üblichen Verdächtigen wie Bushido“, sagte Aden. Nun aber zeigte er den 15 und 16 Jahre alten Schülern der zehnten Klassen die Wiege des Hip Hop: Er hatte 40 Jahre alte Videos aus der New Yorker South Bronx dabei, wo die Musik zum Ausdruck von sozialen Problemen wurde.

„Sehr bewegend“ fand die 15-jährige Charleen die etwas andere Geschichtsstunde, und neu sei das auch alles für sie, sagt sie – obwohl der Kurs gut vorbereitet in die Begegnung mit den Künstlern ging. Seit Beginn des Schuljahrs hatten die Schüler sich zu Themen wie „Internationaler Hip Hop“ oder „Frauen im Hip Hop“ gearbeitet und konnten ihre Fragen dazu nun an Profis aus der Praxis stellen.

Wie ist es, als weibliche Rapperin zu arbeiten und wie ist es, mit den Diskriminierungen der männlichen Hip Hopper umgehen zu müssen? „Für mich fühlt sich das genauso schlecht an, wie es sich für euch anfühlen würde“, sagte die heute 26 Jahre alte Nazizi, die ihre erste Single schon mit 16 Jahren herausbrachte und nach der Schule direkt ins Musikgeschäft einstieg. Trotzdem reagiere sie auf Diskriminierung nicht damit, Männer ihrerseits verbal runterzumachen. Was auf jeden Fall klar sei: Als Frau müsse sie härter arbeiten als die Männer im Geschäft. Ein paar Mädchen nicken.

Nach ersten schüchternen Fragen der Schüler ist schnell klar, dass die Künstler den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen – weshalb die Fragen dann auch gar nicht mehr aufhören. Vor allem die beiden 29 und 28 Jahre alten Berliner Künstler Amewu und Chefket, der schon mit den Ohrbooten und Culcha Candela gearbeitet hat, erzählen, was sie mit ihrer Musik erreichen wollen, wie sie mit ihrer Prominenz umgehen und der Verantwortung, als Künstler auch Vorbild zu sein. „Ich bin total beeindruckt“, sagte die 16 Jahre alte Louise. „Man hat ja nicht täglich die Chance, das mal aus dieser Perspektive zu hören.“

Und natürlich kann eine Schulstunde über Hip Hop nicht ohne Hip Hop aufhören: Höhepunkt des Besuchs ist der Freestyle, bei dem die Künstler spontan zu Gegenständen rappen, die ihnen die Schüler in die Hand drücken – einem Apfel etwa oder einem Kalender einer Schülerin. „Der Geschichtstest ist schon vorbei“, rappt Chefket nach einem kurzen Blick in den Kalender, „bald habt ihr frei.“ Patricia Hecht

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