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Audi TT, Opel Corsa, Volvo C30: Kaum sind neue Serienmodelle am Markt, präsentieren Tuner schon ihre Ableger – ein Blick auf die Essen Motor Show

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Die Autohersteller sind nicht gerade für schnelle Reaktionszeiten bekannt. Es dauert meist Jahre, bis ein neues Fahrzeugmodell fertig entwickelt, auf Herz und Nieren getestet und auf den Markt gebracht ist. Und auf neue Trends reagieren manche Firmen sogar so schlafmützig, dass die Mode fast schon wieder passé ist, wenn ein passendes Fahrzeug endlich beim Händler steht. Da erstaunt es, wie fix dagegen die Tuning-Branche zu Werke geht: Mitunter ist ein neues Serienmodell noch nicht mal in den Schauräumen der Händler angekommen – und die Tuner bieten dafür bereits ihre Umbau- und Leistungskits an. Das zeigt sich auch auf der Tuning-Messe Essen Motor Show (1. bis 10. Dezember).

Dort stehen vor allem Fahrzeugtypen im Scheinwerferlicht, die erst vor wenigen Wochen ihre Premiere hatten oder deren Händlervorstellung erst noch bevorsteht. So ist etwa am Stand von Abt ein modifizierter Audi TT zu sehen. Statt des winzigen ausfahrbaren Heckspoilers des Serien-Coupés besitzt der TT-R einen fest montierten Heckflügel auf dem Kofferraumdeckel. Als Antrieb kommt ein leistungsgesteigerter 3,2-Liter-V6 mit 228 kW/310 PS zum Einsatz, der sich zudem von Benzin- auf Flüssiggasbetrieb umschalten lässt.

Dem Audi-Sportwagen haben sich auch die Unternehmen MS Design, Oettinger und Rieger gewidmet. Während sich MS Design und Oettinger auf Seitenschweller und Spoiler beschränken oder allenfalls mehr PS anbieten, zeigt Rieger in Essen ein TT-Showcar mit spektakulären Flügeltüren. Wie sich der TT dagegen auch nur mit neuen Rädern in Szene setzen lässt, ist bei Wimmer Rennsporttechnik zu sehen: Das Coupé rollt auf hochglanzpolierten Alufelgen der Marke „Wheels and more“, deren Innenteile wie martialische Wurfsterne anmuten.

Auch bei den Kompaktwagen sind in Essen getunte Neuheiten am Start. So zeigt Volvo-Tuner Heico Sportiv eine veredelte Version des neuen Kompaktmodells C30 der Schweden. Der HS3 D5 verfügt über ein Sportfahrwerk, Karosserieanbauten und einen leistungsgesteigerten Fünfzylinder-Diesel. Das Aggregat kommt auf 151 kW/205 PS und wuchtet 400 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle.

Eine Nummer kleiner gibt es ebenfalls frisch Getuntes: So zeigt etwa Steinmetz einen aufgemotzten Opel Corsa D. Das Modell verfügt über neue Front- und Dachspoiler, einen neuen Frontgrill sowie eine Tieferlegung um 30 Millimeter. Dazu gibt es Rad-Reifenkombinationen mit bis zu 18 Zoll Durchmesser und der Reifengröße 215/40 R 18. Der Opel-Tuner Irmscher zeigt ebenfalls Neues für den Corsa. Neben einem Karosserieumbausatz, 17-Zoll-Rädern und einer Tieferlegung gibt es eine Umrüstung des 1,4-Liter-Benzinmotors auf Flüssiggas.

Dass sich auch noch kleinere Fahrzeuge ohne Weiteres tunen lassen, beweist das Unternehmen Mattig mit einem Tuning-Programm für den neuen Suzuki-Kleinstwagen Swift. Es enthält unter anderem einen Frontspoiler, Seitenschweller, einen markanten Dachflügel am Heck sowie Kleinteile wie Scheinwerferabdeckungen und chromfarbene Türgriffmulden.

Einige Fahrzeugklassen darüber liegt das Hauptbetätigungsfeld des Bottroper Unternehmens Brabus, das sich vor allem auf Mercedes spezialisiert hat. In Essen zeigt der Tuner ein Komplettprogramm für das neue Mercedes-Coupé CL auf Basis der S-Klasse. Es umfasst unter anderem ein Motortuning auf bis zu 537 kW/730 PS, Alus mit bis zu 21 Zoll Durchmesser sowie diverse Aerodynamik-Anbauteile und Zubehör für den Innenraum.

Hans-Jörg Köninger, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Automobiltuner (VDAT), findet es nicht verwunderlich, dass die Tuner so schnell neues Zubehör für neue Modelle vorstellen. Schnelligkeit sei für die Branche sehr wichtig: „Es wäre enttäuschend, wenn ein neues Auto monatelang nicht getunt erhältlich wäre.“ Die Firmen besorgten sich vor der Präsentation der Serienmodelle die entsprechenden Fahrzeuge und entwickelten ihre Lösungen sehr zügig, sagt Köninger. Mitunter würden die Showcars aber erst unmittelbar zur Messe fertig. Bei solchen Fahrzeugen handele es sich dann nicht um fahrfähige Exemplare, sondern um Prototypen, die allein für das Messepublikum zum Bestaunen bestimmt sind.

Manche Hersteller arbeiten laut Köninger Hand in Hand mit den Tuning-Firmen und stellen ihnen lange vor der Markteinführung der Serienversion Prototypen für die Entwicklung ihres Tuning-Zubehörs zur Verfügung. Zu anderen Herstellern sei dagegen das Verhältnis gestört, da sie die Tuner als lästige Konkurrenz betrachten. Dann sei eine zügige Entwicklungsarbeit für die Tuner schwieriger – aber nicht unmöglich, so Köninger: „Man kann davon ausgehen, dass jedes normale Fahrzeug, das ein Volumenmodell ist, von Tuning-Firmen, die auf die Marke spezialisiert sind, umgebaut wird.“ gms

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