Darlehen : Studierende ohne Kredit

Darlehensprogramme für Banken wenig erfolgreich.

Tilmann Warnecke

Die von vielen Banken angebotenen neuen Studienkredite sind offenbar kein großer Erfolg für die Geldinstitute. Im Vergleich zu den Vorjahren sei eine „erste Marktbereinigung festzustellen“, einige Banken hätten ihre Angebote bereits wieder eingestellt, weil zu wenig Studenten Geld aufnehmen würden, heißt es in einem neuen Studienkredite-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). So hat auch die Berliner Sparkasse ihr Darlehensprogramm wieder eingestellt. „Aufgrund der geringen Nachfrage war ein eigenes Produkt nicht mehr gerechtfertigt“, bestätigte eine Sprecherin. Die Sparkasse biete den eigenen Studienkredit seit mehreren Monaten nicht mehr an.

Im vergangenen Jahr nahmen laut CHE 110000 Studierende einen Kredit auf, um zumindest Teile ihres Lebensunterhaltes und des Studiums zu finanzieren. Das sind gut fünf Prozent der zwei Millionen Studenten, die an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind. Tendenziell würden sich Studierende bei einem Kredit eher für eine staatlich gestützte statt für eine private Bank entscheiden, heißt es in dem Bericht. So komme fast die Hälfte der Kreditnehmer – 47000 – aus Nordrhein-Westfalen, die dort den Studiengebührenkredit der landeseigenen NRW-Bank wählten. Dabei können Studenten 500 Euro im Semester aufnehmen, die dafür gedacht sind, die Studiengebühren zu zahlen.

Warum hat das Angebot Erfolg, während andere Banken scheitern? Das CHE erklärt das mit „weitaus attraktiveren“ Rückzahlungskonditionen als anderswo. Das Angebot sei gerade für Bafög-Empfänger günstig. Diese müssen das Gebührendarlehen oft praktisch nicht zurückzahlen. Denn in NRW hat das Wissenschaftsministerium festgelegt, dass Bafög-Empfänger auch mit zusätzlichem Gebührenkredit nicht mehr als die 10000 Euro zurückzahlen müssen, die bereits als Schuldenobergrenze für das Bafög steht. Die anderen Gebührenländer haben die kombinierte Schuldenobergrenze aus Bafög und Gebührenkredit dagegen auf 15000 Euro angehoben. Die Nutzerzahlen der Gebührendarlehen liegen dort zumeist nur im niedrigen vierstelligen Bereich.

Der bundesweit angebotene Studienkredit der staatlichen KfW-Bankengruppe wurde im vergangenen Jahr für 18000 Studierende bewilligt. Bei diesem Angebot können Studenten mit bis zu 650 Euro im Monat deutlich mehr Geld aufnehmen. Das KfW ist damit gefragter als etwa ein ähnliches Angebot der Deutschen Bank, das 4500 Studenten im vergangenen Jahr neu erhielten. Auch die Berliner Sparkasse biete inzwischen statt des eigenen Produktes den KfW-Kredit an, da er „die besten Konditionen habe“, sagte die Sprecherin.

Im CHE-Studienkredite-Test schneidet allerdings die Sparkasse Herford mit ihrem Darlehen am besten ab. Sie erhält als einzige Bank eine Spitzenbewertung in allen fünf getesteten Kategorien. Das CHE untersuchte, wie viel der Kredit kostet, ob man ihn unabhängig von den Eltern bekommt und ob bestimmte Studentengruppen wie angehende Geisteswissenschaftler ausgeschlossen sind. Eine Rolle spielte auch, was passiert, wenn Studierende das Darlehen nicht zurückzahlen können, und wie einfach sie damit ihr Fach oder ins Ausland wechseln können.

Die KfW liegt nach Einschätzung des CHEs nur beim „Zugang für alle Studierende“ in der Spitzengruppe. In den anderen Kategorien landet das KfW-Darlehen im Mittelfeld. Die Deutsche und die Dresdner Bank, die als einzige große Privatbanken in den Test aufgenommen wurden, erreichen bei den Kosten und der Risikobegrenzung ebenfalls nur durchschnittliche Bewertungen. Sie schneiden dafür bei der Elternunabhängigkeit sehr gut ab, die Dresdner Bank wird auch für den Zugang und die Flexibilität gelobt. Am Studienkredit der Berliner Bank – die als einziges Institut der Stadt getestet wurde – kritisieren die Forscher vor allem, dass Studierende nicht abschätzen könnten, wie hoch der Zinssatz im Laufe der Jahre steige.

Prinzipiell weist das CHE darauf hin, dass es den einen günstigsten Anbieter bei Studienkrediten nicht gebe. Vielmehr müssten Studierende entscheiden, ob ihnen etwa die Kosten oder die Flexibilität wichtiger seien und die Darlehen dementsprechend auswählen. Vor allem „sollten sie aber sicherstellen, dass alle Möglichkeiten ohne oder mit geringer Rückzahlungsverspflichtung (Jobben, Stipendien, Bafög, Eltern)“ ausgeschöpft seien, heißt es.

Der Test im Internet: CHE-Studienkredit-Test 2008.

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