Schule : Das Löwenmaul zeigt Zähne

Der überarbeitete Peugeot 307 geht mit neuer Front und neuen Motorkombinationen an den Start

Bernd Matthies

Autodesigner sind eine Untergruppe der stolzen Väter. Sie können zwar in der Regel nicht durchsetzen, dass ihnen die Autos, die sie entwerfen, persönlich ähnlich sehen – aber ohne ein einheitliches „Familiengesicht“ ist Autodesign heute dennoch kaum mehr denkbar. Nieren, Schnuten, Sterne, Chromquadrate – egal. Hauptsache, im Rückspiegel sagt es deutlich, hey, ich bin der neue Schnacktro, und nun mal schnell rechts ran.

Auch Peugeot hat sich ein solches Familiengesicht verordnet. Aus dem althergebrachten Löwenmäulchen ist eine ziemlich große, irgendwie ferrarihafte Schnauze geworden, wie sie 2004 am 407 eingeführt wurde. Der 107 folgte, der 1007 steht vor der Tür, und nun ist erst einmal der überarbeitete 307 mit der neuen, auffälligen Front auf dem deutschen Markt angekommen. Der erfolgreiche Golf-Kontrahent, im April 2001 eingeführt, hat sich seither in 2,2 Millionen Exemplaren weltweit verkauft. Die Modellpflege war angesichts erstarkender Konkurrenz überfällig; gleichzeitig möchte man damit auch signalisieren, dass die Qualitätsprobleme älterer Serien erledigt seien, die sich gerade wieder in einem Rückruf wegen Brandgefahr an der Servolenkung (bis Juni 2003) niederschlugen.

Modellpflege heißt stets, dass etwas mit den Motoren gemacht wird. Peugeot bringt zwei neue Kombinationen auf den Markt: Das Metalldach-Cabrio 307 CC, bislang noch nicht so erfolgreich wie der kleinere 206 CC, tritt erstmals mit einem Dieselmotor an, dem (bei Peugeot selbstverständlich) rußgefilterten Zweiliter mit 100 kW (136 PS, Verbrauch 6,0 l kombiniert); die Limousine geht mit dem großen Zweiliter-Benziner aus dem CC an den Start, der 130 kW (177 PS) leistet und 8,4 Liter verbraucht.

Er ist in der Limousine nur in der obersten Aussstattungsversion „Platinum“ verfügbar, zu der auch eine knackig vernähte Volllederausstattung gehört; der Preis, 24 950 Euro für den Dreitürer, darf als knapp kalkuliert gelten. Die kurze Aufpreisliste bietet noch Xenonlicht, Alarmanlage, Einparkhilfe, Schiebedach und Navigation.

Krawalloptik á la GTI ist auch in Frankreich längst kein Thema mehr, das Auto sieht so gesittet aus wie seine braven Brüder. Allerdings geht es auch so gesittet zur Sache. Die 177 PS sind gefühlte 120, solange wir uns im zivilisierten und von der Polizei international sanktionierten Bereich bewegen. Erst ab rund 3500 Umdrehungen bemüht sich der Motor, den Erwartungen gerecht zu werden, die er durch heiseres Röhren schon deutlich weiter drunten weckt, lässt den Hauch von Papiertiger zurück und verlockt den Fahrer, sich vor allem auf kurvigen Bergstraßen und in Serpentinen daneben zu benehmen. Das macht angesichts des sauberen und immer gut kontrollierbaren Fahrverhaltens großen Spaß; noch mehr Spaß würde es mit dem feinen SechsGang-Getriebe machen, das in dieser Kombination aber nicht zu haben ist.

Es gibt dieses Getriebe dafür serienmäßig im Diesel, der es wesentlich weniger dringend benötigt. Der Motor ist bekannt, er treibt auch den größeren 407 zu beachtlichen Leistungen und zeigt seinen Sahnestück-Charakter passgenau zum Cabrio. Drunten im Drehzahlkeller, wo der 177-PS-Benziner nur träge brummelt, liegt hier schon die volle Kraft an, und sie entfaltet sich mit wunderbarer Leichtigkeit und sehr dezenter Geräuschkulisse bis an die Drehzahlgrenze. Einen Sechszylinder wird es in diesem Auto mangels Platz wohl nicht geben, aber dieser Diesel ersetzt ihn erfreulich gut. Und den aufgemöbelten Benziner, der im CC als Plus nur ein wenig sinnstiftendes Mehr an Spitzengeschwindigkeit (225 km/h) bietet, lässt er ohnehin vergessen.

Insgesamt wirkt das überarbeitete Cabrio von draußen noch etwas harmonischer gezeichnet als sein Vorgänger. An den inneren Werten hat sich ohnehin nichts geändert: Ist das Dach geschlossen, fährt sich der Wagen wie ein vollwertiges Coupé. Auf Knopfdruck klappt das zweigeteilte Dach zurück, verschwindet in wenigen Sekunden im Heck und lässt einen akzeptablen Kofferraum zurück.

Eine Eigenheit des 307 findet sich auch im CC: Die Sitzposition ist höher als in anderen Cabrios, vermittelt Ungeübten nie das Gefühl, in irgendetwas orthopädisch Bedenkliches hineinzufallen. Darauf sind sie besonders stolz bei Peugeot. Denn der 307 ist als Beinahe-Van generell etwas höher als die Konkurrenten der unteren Mittelklasse konzipiert, und als VW kürzlich den erhöhten Golf plus vorstellt, da war die Freude groß in Frankreich: Das konnte der 307 schon lange. Die Überarbeitung betrifft selbstverständlich auch die anderen Karosserieformen, den Break als klassischen Kombi und den SW, einen Kombi mit Panorama-Glasdach. Der französische Löwe öffnet seine große familientypische Schnauze also durchaus mit Recht, vor allem dort, wo er kraftvoll dieselt.

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