Das Qualitätspaket : Der nächste große Schritt: Die Abiturergebnisse gehen online

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Jürgen Zöllner Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Jürgen ZöllnerFoto: Kitty Kleist-Heinrich

VORGESCHICHTE

Mangelnde Transparenz, mangelnde Sprachkompetenz und mangelnde Anerkennung für Pädagogen und Schulleiter diagnostizierte der damalige Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) im Mai 2011 und präsentierte Vorschläge für Verbesserungen. Nach langen Diskussionen wurde im November 2011 dann das so genannten Qualitätspaket vorgestellt.

TRANSPARENZ

Damit die Eltern sich ein vollständigeres Bild von den Berliner Schulen machen können und sich bei der Schulwahl nicht auf Berichte vom Hörensagen verlassen müssen, entschied Zöllner, dass die Schulinspektionsberichte veröffentlicht werden müssen. Dies wird seit dem Schuljahr 2011/12 umgesetzt. Schätzungsweise 200 Berichte sind inzwischen im Netz bei den Schulporträts zu finden. Die Abiturdaten jeder einzelnen Schule sollten eigentlich schon für das Abitur 2012 online stehen. Das ist nicht gelungen, wird aber für 2013 umgesetzt. Die Ergebnisse des Mittleren Schulabschlusses werden für 2014 erwartet. Dieser Zeitpunkt wurde gewählt, weil dann erstmals die neuen Sekundarschulen beim MSA dabei sind. Abrücken musste Zöllner von seinem Vorhaben, die Ergebnisse der Vera-Vergleichsarbeiten in der dritten und achten Klasse zu veröffentlichen: Er ließ sich davon überzeugen, dass damit das Vera-Ziel, nämlich eine Rückmeldung für die Lehrer zu sein, nicht erreicht würde. Es wurde vielmehr davor gewarnt, dass Lehrer in die Versuchung geraten könnten, ihren Schülern bei der Bearbeitung der Vera-Aufgaben zu helfen, um das Ergebnis zu schönen – dem Image der Schule zuliebe.

Ebenfalls zum Ziel „Transparenz“ gehörte die Veröffentlichung der Unterrichtsausfalldaten und der Fehlzeiten der Schüler.

ANERKENNUNG

Um den Lehrern und Schulleitern seine Wertschätzung zu zeigen, regte Zöllner offizielle Jahresempfänge für neue Lehrkräfte, Schulleiter und langjährige Dienstkräfte an. Auch diesen Punkt hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) aufgegriffen. An diesem Dienstag empfängt sie im Säulensaal des Roten Rathauses die Schulleiter, die im Laufe des letzten Jahres ihre Tätigkeit aufgenommen haben. Ebenfalls persönlich in Empfang nehmen wird Scheeres am 4. September die neu eingestellten Lehrer und Erzieher im Auditorium der Humboldt-Universität. An diesem Punkt hat Scheeres einen eigenen Akzent gesetzt: Während Zöllner nur die Lehrkräfte eingeladen hatte, hat seine Nachfolgerin den Kreis um die Erzieherinnen erweitert. Eine Abweichung gibt es auch bei der Ehrung der langjährigen Lehrkräfte, die ihr 25- oder 40-jähriges Dienstjubiläum feiern: Zöllner wollte sie ebenfalls einmal jährlich persönlich treffen, nun ist geplant, dass Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) diese Aufgabe übernimmt und zwar „monatlich oder auch 14-tägig“ in den Räumen der Bildungsverwaltung.

Als schwieriger hat es sich erwiesen, erfolgreiche Schüler aus sozial schwierigen Grundschulen durch kleine Präsente wie etwa Karten für Fußballspiele für ihren Fleiß zu belohnen und zusätzlich zu motivieren. Dem Vernehmen nach ist dieses Ziel bislang nicht so umgesetzt worden wie geplant. Möglicherweise sei das Verfahren zu aufwendig für die Schulen, die in den Brennpunkten ohnehin überlastet sind.

SPRACHFÖRDERUNG

Auch in diesem Bereich wirken Zöllners Vorschläge fort. Als jüngst Senatorin Scheeres ankündigte, den Sprachtest vor der Einschulung um ein halbes Jahr vorzuziehen und den verpflichtenden Sprachkurs von täglich drei auf fünf Stunden auszuweiten, erinnerte sich mancher an eben diesen Aspekt aus dem Qualitätspaket. Auch Zöllners Empfehlung, Eltern stärker in die Pflicht zu nehmen und härter zu ahnden, wenn sie ihre Kinder nicht zum Sprachtest bringen oder sie die Schulpflicht vernachlässigen, wurden von seinen Parteifreunden aufgegriffen.

JÜL

Von der Realität überholt wurde Zöllner beim Jahrgangsübergreifenden Lernen in den Grundschulen: Im Qualitätspaket hatte er durchgesetzt, dass Schulen JüL aufgeben konnten, wenn sie alternative überzeugende Konzepte vorzuweisen hatten. Dann kam die Wahl und die CDU verlangte, dass man JüL auch ohne Ersatzkonzept aufgeben konnte.

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