Schule : Das Ziel ist der Weg

Haben Sie ihn noch, den quadratmetergroßen Faltplan im Auto? Was an Navi-Neuheiten auf der Funkausstellung zu sehen war

Felix Rehwald

Vor drei, vier Jahren galt das Navi noch als Luxusoption für den privaten Wagen. Die Zeiten haben sich geändert: Immer mehr Autofahrer greifen zu den Nachrüstlösungen und verbannen Atlanten und Faltpläne aus ihren Neu- oder Gebrauchtwagen. Wie groß die Nachfrage an den Wegweisern für Auto, Motorrad oder die Stadtführung im Urlaub ist, hat sich auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) gezeigt, die diese Woche in Berlin zu Ende ging. Hier war für das Thema Navigation gleich eine eigene Halle reserviert. Der Vielzahl an Ausstellern und Anbietern zum Trotz war zwar nichts Revolutionäres zu sehen, ein Blick auf die Geräte lohnt dennoch. Zudem steht der nächste Entwicklungssprung bevor – die Navigation als ausgereifte Anwendung auf dem Handy. Vorgestellt wurden auf der IFA neben verfeinerter Navigationssoftware vor allem neue Endgeräte. Hersteller Navigon zeigt beispielsweise sein gemeinsam mit der Porsche Design Group entwickeltes neues Topmodell P9611: Das 799 Euro teure tragbare Gerät, auf dem die neue Software Mobile Navigator 6 installiert ist, ist extrem flach und erscheint in gebürstetem Aluminium.

Die Software enthält das Kartenmaterial von 37 europäischen Ländern sowie mehr als eine Million Sonderziele und ermöglicht neben der dynamischen Routenführung auch die Berücksichtigung aktueller Verkehrsnachrichten. Verbessert wurde laut Firmensprecher Ingo Becker zudem die Benutzerführung, sie musste sich bei der Entwicklung unter anderem in aufwendigen Nutzertests bewähren.

Die Konkurrenz von Tom Tom war auf der IFA mit der neuen „Tom Tom One“-Reihe vertreten. Die für Einsteiger gedachten Modelle im Taschenformat sollen nach Unternehmensangaben leicht zu bedienen sein und bei der Routenführung vor Radarfallen warnen. Außerdem berücksichtigen sie Verkehrsmeldungen und informieren über die Straßen- und Wetterverhältnisse. Verkauft werden sie zu Preisen ab 299 Euro.

Auch der Anbieter Klick Tel präsentierte sich auf der IFA. Er stellte mit der Generation K600 einen neuen Navigator vor. Das nach Unternehmensangaben erste Navigationssystem mit Telefon- und Branchenbuch für Deutschland sagt Straßennamen an und berücksichtigt dabei die modernste Technologie für Verkehrsinformationen TMCpro. Ergänzende Warnungen vor Tempo-Überschreitungen, Gefahren durch Witterung, Staus oder Unfällen sollen das Gerät laut Klick Tel zu einem „Sicherheitslotsen“ machen. Preise für das Gerät wollte der Hersteller auf der IFA noch nicht nennen.

Am Stand von Falk Marcopolo Interactive wurde die neue Software für die N-Serie vorgestellt. Sie besitzt laut Mitarbeiterin Uta Sommerfeld das neueste Kartenmaterial und eine verbesserte Eingabe: So reichen jetzt beim Eintippen der Adresse Teile des Straßennamens aus, und Nutzer können Ziele aus einer Liste der „Points of Interest“ auswählen. Auch die City Guides, mit denen die Geräte zum portablen multimedialen Stadtführer werden, wurden laut Sommerfeld für die Anwender optimiert. Auf Detailverbesserung der Routenführung und Erweiterung der Zusatzfunktionen wird sich die Entwicklung bei den mobilen Lotsen wohl auch in Zukunft vorerst beschränken. „Wir geben dem mobilen Menschen etwas an die Hand, damit er bequem reisen kann“, erklärt Uta Sommerfeld die Firmenphilosophie. Das wolle man weiter verfeinern.

Wie das aussehen könnte, demonstriert das Unternehmen am Messestand mit einer Präsentation: Dabei wird der Stadtplan dreidimensional dargestellt und animiert – die Route kann dadurch am Bildschirm gewissermaßen in der Vogelperspektive ausprobiert werden. Ergänzt werden kann die multimediale Stadtführung durch eingeschobene Bild-, Ton- und Filmsequenzen, in denen dem Nutzer Informationen über die Sehenswürdigkeiten am Straßenrand vermittelt werden. Auf diese Weise wäre auch eine animierte Umkreissuche am jeweiligen Standort möglich.

Auch Ingo Becker von Navigon sieht die Entwicklung der mobilen Navigationslösungen zurzeit vor allem darin, dass diese „in die Breite“ gehen, sich also nicht mehr nur an Autofahrer, sondern auch an Wanderer in der freien Natur oder Urlauber auf Sightseeing-Tour richten. Auf der technischen Seite sei aber vorerst nur mit Detailänderungen zu rechnen; die Endgeräte vom Typ eines Personal Navigation Assistant (PNA) entwickelten sich nun allenfalls in Design oder Leistungsfähigkeit. Dabei tüftelt Navigon im Hintergrund bereits an der mobilen Navigation der Zukunft. „PNAs werden sich noch zwei bis drei Jahre halten“, schätzt Becker. „In Zukunft wird die Navigation aber nur noch als Applikation auf Handys laufen.“ Ein leistungsfähiges UMTS-Mobiltelefon und eine Datenflatrate des Mobilfunkbetreibers vorausgesetzt, könnte das Handy zur Schnittstelle einer flexiblen Offboard-Navigation werden. Die Routendaten werden dabei per Mobilfunk von einem Server des Navigationsanbieters abgerufen und auf einem Multifunktionsdisplay des Fahrzeugs dargestellt – gewissermaßen als „Freisprecheinrichtung plus“. Gespräche mit Autoherstellern darüber seien bereits im Gange. gms

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