Schule : Den haut kein Elch mehr um

Die zweite Generation der A-Klasse: dynamischer, geräumiger, komfortabler, sicherer und emotionaler

Ingo von Dahlern

Liegt der jetzt satt und breit auf der Straße! Das war einer der ersten Eindrücke, als wir bei der ersten Fahrt durch die Hamburger City einen vor uns fahrenden Mercedes der neuen A-Klasse genauer betrachten konnten. Und so richtig klar, dass da vor uns ein ganz anderes Auto fuhr, wurde es uns, als er an einer der nächsten Ampeln neben dem bisherigen Modell hielt. Das wirkte neben der neuen A-Klasse plötzlich schmal und hoch. Erstmals wurde uns beim direkten Vergleich bewusst, dass die neue A-Klasse, auch wenn sie die alte Linie behalten hat, mit ganz neuen Proportionen antritt.

Kein Wunder, dass uns dieses Auto schon auf den ersten Blick viel geräumiger erschien – trotz der weiterhin hohen Sitzposition. Wie erfolgreich man bei der Optimierung des Platzangebots innen war, zeigte sich auch, als wir am nächsten Tag bewusst einen Platz auf der Hinterbank wählten. So bequem konnte man da beim bisherigen Modell nie sitzen. Und so komfortabel auf schlechteren Fahrbahnen erst recht nicht. Da waren die hinteren Plätze bislang eher eine Zumutung. Nun fühlten wir uns dort erstmals richtig wohl.

„Die Sitze“, bestätigte uns später Jörg Prigl, Leiter der Entwicklung der neuen A-Klasse, „waren ein besonders wichtiger Punkt, um den Erwartungen an einen Mercedes gerecht zu werden.“ Und als wir ihn ebenso wie den Design-Chef Peter Pfeiffer fragten, was man aus heutiger Sicht bei der ersten A-Klasse falsch gemacht habe, wiesen die Antworten in die gleiche Richtung. Man habe bei diesem ersten Schritt in eine für Mercedes neue Klasse und mit Blick auf ein besonderes sicheres und besonders sparsames Auto zu ingenieurmäßig und zu kostenbetont gedacht. So sei die erste A-Klasse zwar ein sehr vernünftiges Auto geworden, bei dem aber falsch eingeschätzt wurde, welche wichtige Rolle auch in dieser Klasse Komfort und Dynamik und vor allem auch Emotion spielen – und für ein Fahrzeug mit dem Stern auch ein überzeugender markengerechter Auftritt vor allem auch im Interieur, sowohl was die dort eingesetzten Materialien als auch deren Verarbeitung angeht. „Das alles haben wir, unter Beibehaltung des bewährten Grundkonzepts, konsequent korrigiert“ so Jörg Prigl. „Und das Design mit seinen neuen Proportionen und dem völlig neu gestalteten Innenraum unterstreicht das“, ergänzt Peter Pfeiffer, der meint, mit der neuen Linie nun auch jüngeren Käufern sehr viel mehr gerecht zu werden – das insbesondere auch durch die neben dem Fünftürer angebotene dreitürige Karosserievariante.

„Und ein besonderer Schwerpunkt,“ fährt Prigl fort, „war natürlich die Fahrdynamik, sowohl was die Fahrsicherheit als auch was den Fahrkomfort angeht.“ Ziel überzeugend erreicht, konnten wir nach den ersten 250 Kilometern auf Autobahnen und Landstraßen zwischen Hamburg und mecklenburgischer Ostseeküste bestätigen. Zwar ist auch die bisherige A-Klasse ein absolut fahrsicheres Auto. Aber die komplett neue so genannte Parabel-Hinterachse bietet eine noch präzisere Radführung und lässt die A-Klasse noch aufrechter auch schnell gefahrene Kurven umrunden. Zusammen mit der überarbeiteten Vorderachse und der erstmals in dieser Fahrzeugklasse verwirklichten selektiven Dämpfung – mit Stoßdämpfern, deren Härte sich rein mechanisch den aktuellen Fahrbedingungen anpasst – bietet die neue A-Klasse ein Optimum an Dynamik und Sicherheit. Dazu trägt neben der direkten elektrischen Servolenkung auch die Fahrdynamikregelung ESP der neuesten Generation bei, die dafür sorgt, dass dieses Auto nicht vom Kurs abweicht. Die neue A-Klasse haut, ohne dass man noch irgendeine Einschränkung beim Fahrkomfort im Kauf nehmen muss, kein Elch mehr um.

Wichtige Voraussetzung für die große Dynamik sind natürlich auch die richtigen Motoren. Künftig sieben stehen dafür, wie schon berichtet, zur Wahl. Noch nicht erleben konnten wir das neue Spitzenmodell bei den Benzinern, den 142 kW (193 PS) starken Zweiliter-Turbomotor des A 200 Turbo, der den Spurt auf Tempo binnen 8,0 Sekunden und bis zu 227 km/h erlaubt. Doch auch als Sauger ist der A 200 recht flott, erreicht Tempo 100 nach 9,8 Sekunden und maximal 200 km/h. Noch ein wenig flotter mit 9,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 201 km/h ist allerdings das neue Spitzenmodell bei den Dieseln, das mit einem Verbrauch von nur 5,4 l/100 km Zapfsäulen besonders selten sieht. Im A 200 CDI vergaßen wir bereits in der Stadt und vor allem bei flotter Autobahn- und Landstraßenfahrt mit flinken Überholmanövern schnell, nach welchem Verbrennungsprinzip der Motor arbeitet. Denn er ist für die Fahrzeugpassagiere so leise, dass man ihn mit einem Benziner verwechseln kann, und spricht so spontan auf Gaspedalbewegungen an, dass man sich wie in einem ausgeprägt sportlichen Fahrzeug fühlt. Und er ist auch sauber, erfüllt wie auch die beiden anderen Diesel, die Abgasnorm EU4. Wer sein Umweltgewissen beruhigen will, bekommt ihn und die anderen Diesel auch mit einem Rußpartikelfilter.

Schaltgetriebe mit fünf und für die drehmomentstarken A 180 CDI, A 200 CDI und A 200 Turbo auch mit sechs Gängen sind Serienausstattung für die neue A-Klasse. Daneben gibt es für alle Motoren eine ganz neue Alternative. Erstmals stattet Mercedes-Benz ein Auto mit einem stufenlosen Automatikgetriebe aus, einem CVT-Getriebe (Continuously Variable Transmission). Autotronic nennt Mercedes diese Neuentwicklung, bei der ein Kegelscheiben-Variator die Übersetzungen stufenlos verändert. Das geschieht absolut ruckfrei und ohne Unterbrechung der Zugkraft und man kann mit Vollgas bis zum Maximaltempo beschleunigen. Dabei kann man zwischen zwei Programmen wählen – „C“ für das sanftere Komfortprogramm und „S“ für das adaptive Standard-Programm, das sich dem Fahrstil des Lenkers anpasst.

Wer gerne selber in die Wahl der Fahrstufen eingreifen möchte, kann durch kurzes Antippen des Wählhebels sieben Übersetzungsstufen per Hand ansteuern. Die Autotronic arbeitet so überzeugend, dass uns bei der ersten Fahrt im dichten Stadtverkehr, als wir auf den richtigen Weg durch die City achten mussten, überhaupt nicht auffiel, das unsere Automatik ein CVT-Getriebe war.

Noch vieles ist neu – vom Multifunktions-Lenkrad über Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht und das Easy-Vario-Plus-System für einen besonders variablen Innenraum bis zum Comand APS mit Autoradio, DVD-Navigation und Telefonbedienung und den neuartigen Head/Thorax-Airbags sowie der Reifendruck-Verlustwarnung.

FAZIT

Ein durchweg innovatives Auto, bei dem praktisch alle Kinderkrankheiten der ersten Generation überwunden sind und das nun rundum ein echter Mercedes ist. Angesichts der bei 17 632 Euro und damit auf dem Niveau des Vorgängers beginnenden Preise sollte es ihm nicht schwer fallen, den Erfolg der ersten A-Klasse mit 1,1 Millionen Exemplaren weit zu übertreffen.

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