Schule : Der 407 – Peugeots schönstes Löwenmaul

Die neue Mittelklasse gefällt durch mutiges Design, hohe Qualität, überzeugende Fahrleistungen und Preiswürdigkeit

Ingo von Dahlern

Ein wenig Aggressivität steckt ja schon in der Linie der kompakten Peugeot-Modelle der 206er und 307er-Familie. Doch mit der neuen Mittelklasse 407 legt die Marke mit dem Löwen in dieser Richtung gewaltig drauf. Denn ihr unübersehbarer tief sitzender neuer Kühlergrill wirkt wie ein weit aufgerissenes Haifischmaul – zeigt eine Linie, wie sie ähnlich bislang nur bei hochkarätigen und teuren Sportwagen zu finden ist. Aber dieses neue Auto ist weder Sportwagen noch extrem teuer - im Gegenteil. Die so einprägsame und ausgesprochen attraktive Optik, zu der auch die schmalen weit nach hinten gezogenen Scheinwerfer beitragen, wird nämlich zu durchaus vertretbaren Preisen angeboten, die für das Basismodell 407 Esplanade 115 mit 85 kW (115 PS) bereits bei 20 600 Euro beginnen und erst beim Top-Modell 407 Platinum V6 210 Automatik mit 155 kW (211 PS) mit 31 900 Euro die 30 000-Euro-Grenze überschreiten. Diese Preisgestaltung für die mit vier Benzinern und zwei Turbodieseln mit Rußpartikelfilter ins Rennen gehende neue Mittelklasse, deren Motoren ausnahmslos die Abgasnorm EU4 erfüllen, ist nicht weniger aggressiv als deren Optik.

Bereits nach kurzer Bekanntschaft drängt sich der Verdacht auf, dass Peugeot nun auch in der Mittelklasse ein vergleichbares Erfolgsmodell gelungen ist, wie bei den kompakteren Modellfamilien, der unaufhaltsame Aufstieg der Löwen sich nun auch eine Klasse höher fortsetzt. Denn die Konkurrenz wirkt gegen den neuen 407, der in Deutschland bereits am 15. Mai und damit schon in zwei Wochen an den Start geht, ebenso wie dessen Vorgänger 406 geradezu artig. Da stört auch nicht, dass der 407 optisch mehr hermacht, als seine Motoren schließlich leisten können. Denn von den hochkarätigen Sportlern mit acht und sogar 12 Zylindern trennen ihn natürlich Welten.

Trotzdem ist er alles andere als ein Schwächling. Denn die Spitzenmotorisierung mit dem modernen Dreiliter-V8 mit 155 kW (211 PS) lässt den 407 Tempo 100 binnen 9,2 Sekunden und bis zu 235 km/h erreichen – mit einer Sechsgang-Automatik mit Tiptronic-Funktion übrigens, die die weltweit erste für quer eingebaute Motoren ist. Und auch die zwei etwas kleineren 2,0- und 2,2-l-Benziner mit 100 und 116 kW (136 und 158 PS) machen den 407 überzeugend flott, lassen ihn Tempo 100 binnen 10,3 und 10,1 Sekunden und maximal 212 und 220 km/h erreichen – bei Durchschnittsverbräuchen, die mit 8,2 und 9,0 l/100 km auf sehr vernünftigem Niveau liegen. Besondere Kennzeichen des 2,2-Liters, der mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert ist, sind eine verstellbare Einlassnockenwelle und zwei gegenläufige Ausgleichswellen, die für eine hohe Laufruhe sorgen. Auf Wunsch gibt es diesen Motor auch mit Viergang-Automatik. Und selbst die für den deutschen Markt angebotene Basismotorisierung mit 1,6 Liter und 85 kW (116 PS) – den 1,4-Liter gibt es hier nicht – ist ansprechend motorisiert und mit 12,9 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 200 km/h auch ausreichend flott.

Besonders gut ist der Eindruck, den der mit einem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe kombinierte Zweiliter-Turbodiesel hinterlässt. Denn der kann sein für einen Diesel typisches hohes Drehmoment, das mit 320 Nm bei bereits 2000/min sehr respektabel ist, besonders gut ausspielen. So lässt sich dieses Auto, dem man von innen einfach nicht anhört, nach welchem Verbrennungsprinzip sein Motor arbeitet, verblüffend flott bewegen. Denn für den Spurt auf Tempo reichen ihm 11,0 Sekunden und als Höchstgeschwindigkeit sind 208 km/h möglich. Diesen beachtlichen Fahrleistungen steht ein Durchschnittsverbrauch von bescheidenen 5,9 l/100 km gegenüber. Doch auch der kleinere der beiden Diesel, der 1,6-Liter mit 80 kW (109 PS) ist überraschend flott, erreicht binnen 13,1 Sekunden Tempo 100 und maximal 192 km/h und gibt sich mit 5,5 l/100 km zufrieden. Alle sechs Motoren erfüllen die Abgasnorm EU4 – auch die beiden Diesel mit Partikelfilter.

Mit einer Länge von 4,68 Meter, das sind acht Zentimeter mehr Länge als beim Vorgänger, und einem Radstand von 2,72 Meter, macht der 407, der auch bei Breite und Höhe ein paar Zentimeter zugelegt hat, eine recht stattliche Figur. Seine Linie mit der weit vorn angesetzten Frontscheibe verspricht großzügigen Platz. Und der ist beachtlich, auch wenn der 407 kein Raumwunder ist. So können es sich Fahrer und Beifahrer auf gut ausgeformten Sitzen sehr bequem machen und auch hinten ist der Platz was Breite und Kniefreiheit angeht ausreichend. Da Peugeot sich aber für eine sehr gestreckte und dynamische Silhouette mit coupéhaften Zügen entschied, muss man als Preis für diese attraktive Optik hinnehmen, dass die Kopffreiheit für die Fondpassagiere zwangsläufig ein wenig beschnitten wird. So haben besonders groß gewachsene Passagiere im Fond schnell Kontakt mit dem Dachhimmel.

Und mit 407 Liter Volumen ist der Kofferraum, dessen Klappe mit einem Entriegelungsgriff in der Null der Typenbezeichnung am Heck entriegelt wird, sogar ein wenig knapper geraten als beim Vorgänger. Allerdings gibt es an beiden Seiten zwei insgesamt 21 Liter fassende Staufächer und bei Bedarf kann man das Stauvolumen dank der die asymmetrisch geteilten Rückbank, bei der sich ohne Demontage der Kopfstützen sowohl die Lehnen als auch die Sitzflächen nach vorn klappen lassen, bis zu einer Laderaumlänge von 1,70 Meter erweitern. Wem das noch nicht reicht, dem bietet sich vom 10. September an die Kombiversion 407 Break an. Das ist eine Karosserievariante, die im Unterschied zur Limousine, deren Heckpartie überraschend konservativ gezeichnet ist, auch aus der Heckperspektive sehr attraktiv wirkt. Mit Panorama-Glasdach und einem dank des höheren Dachs hinten größeren Kopfraum in Fond bietet der Kombi mehr Platz und Licht – und das für einen Mehrpreis von 1300 Euro gegenüber den vergleichbaren Limousinen. Ein sehr attraktives Angebot, von dem man bei Peugeot erwartet, das es wie schon beim Vorgänger von zwei Dritteln der 407-Käufer bevorzugt wird.

Nicht gespart hat man bei Peugeot bei der Ausstattung des 407, der auch im Innenraum durch eine attraktive Linie, hochwertige Materialien und eine ebenso hochwertige Verarbeitung gefällt. Denn schon beim Basismodell Esplanade gibt es höhenverstellbare Sitze vorn und ein in zwei Ebenen verstellbares Lenkrad sowie elektrische Fensterheber rundum. Auch Sonnenrollos für die hinteren Seitenfenster und die Heckscheibe, eine Zentralverriegelung, ein Bordcomputer und eine Klimaautomatik sind als Serienausstattung an Bord. Dazu kommt eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit insgesamt neun Airbags, zu denen auch ein 20 Liter großer Knieairbag für den Fahrzeuglenker gehört. Und neben ABS und Bremsassistent ist auch die Fahrdynamikregelung ESP der neuesten Generation Serienausstattung.

Die aufwändigere Tendance-Ausstattung schließt eine Zweizonen-Klimaregelung, Licht- und Regensensor, eine Reifendruckkontrolle und eine Audio-Anlage sowie 17-Zoll-Leichtmetallräder ein. Und als luxuriöser Platinum hat der 407 neben einer Lederausstattung mit beheizbaren Sitzen vorn auch Tempomat und Bi-Xenon-Scheinwerfer. Zur Wunschausstattung aller 407 gehört das Navigations-Telematiksystem RT3 mit Dual-Band-Telefon, Freisprecheinrichtung, Notruftaste und sechsfach-CD-Wechsler, das beim Platinum mit einem sieben Zoll großen Farbbildschirm kombiniert ist.

Einen sehr guten Eindruck macht schließlich auch das Fahrwerk des 407. Das zeigt sich recht straff abgestimmt und ist gerade bei den höheren Motorisierungen auch einer etwas flotteren Fahrweise nicht abgeneigt. Doch wie es sich nach guter Peugeot-Tradition insbesondere für größere Peugeot-Modelle gehört, hat man auch beim 407 auf hohen Fahrkomfort Wert gelegt. Und die im 407 angebotene Mischung aus Sportlichkeit und Komfort kann durchaus überzeugen. Das gilt auch für die hohe Fahrsicherheit, die dieses Auto vermittelt, das spürbar agiler als sein Vorgänger ist und sehr viel Fahrfreude bereitet. Wesentlichen Anteil daran haben sicher auch die neu entwickelte Vorderachse mit ihren doppelten Dreiecks-Querlenkern und die anspruchsvolle Mehrlenker-Hinterachse.

Erstes Fazit: Ein gelungener Wurf in der Mittelklasse mit mutigem Design, großzügiger Ausstattung, überzeugenden Fahrleistungen und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, der geradezu auf Erfolg programmiert ist.

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