Schule : Der Blick zurück geht nach vorn

Wenn eine Luxusmarke wie Jaguar Angst hat, in der Masse unterzugehen, erfindet sie sich neu – mit Worten und Wagen

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Premium nennen sich unter den Automobilbauern inzwischen viele. Zu viele, meint man bei Jaguar, um sich in diesem Kreis noch richtig positioniert zu fühlen. Ein neuer Markenauftritt muss her. Statt Premium setzt die britische Nobelmarke deshalb künftig allein auf Luxus. Und hat dafür doch tatsächlich ein neues Substantiv geschaffen: Gorgeous .

Noch nie gehört? Da gibt es sicher viele. Doch vom 31. März an werden auch die es weder überhören noch übersehen können. Denn zusammen mit dem Marktstart von XK Coupé und XK Cabrio startet eine machtvolle Markenkampagne, die Gorgeous auch bei uns zu einem Begriff machen soll. Dabei wird auffallen, wie sparsam die klassische Autofotografie eingesetzt wird. Denn Gorgeous steht vor allem für ein Lebensgefühl. Als Adjektiv ist gorgeous in der englischen Sprache wohl bekannt und steht für „prächtig, hinreißend, großartig, traumhaft und wunderschön“. Als erfundenes Substantiv soll es künftig so etwas wie ein Synonym für Jaguar und alles was dazugehört werden. Und das nicht nur dort, wo englisch gesprochen wird. Denn Jaguar übersetzt diesen Begriff nirgendwo auf der Welt.

Gorgeous steht für sich. Soll Jaguar wieder herausheben aus der Masse, wo man mit der Modellpolitik der letzten Jahre offenbar beinahe gelandet wäre. Nun ziehen die Marketing-Manager die Notbremse, angetrieben von der Furcht, die Stammklientel könnte vergessen, wie edel und anspruchsvoll sich Jaguar früher einmal verstand, früher, ehe man versuchte, mit kleineren und dafür in größerer Zahl produzierten Modellen den Absatz zu steigern. Die kleinen Jaguar-Modelle werden weiter gebaut, freilich, besonders in Großbritannien und Südeuropa laufen sie gut. Aber auch bei X- und S-Type will man klarer auf die hochwertigen Executive-Modelle setzen – und damit konsequenter als bisher auf die klassischen Jaguar-Werte, die für jenes besondere Lebensgefühl stehen sollen, für die man nun Gorgeous kreiert hat.

Exzellent in diese Strategie passen dabei die beiden neuesten Schöpfungen der Jaguar-Entwickler: der neue XK als Coupé und als Cabriolet. Zwei Autos, die trotz gemeinsamer technischer Basis und unverkennbarer Parallelen bei Technik und Optik getrennt entwickelt wurden. Und ihren eigenen Auftritt haben. Denn dort, wo andere Marken in Form der Cabrio-Coupés mit variablen Blechdächern zwei vordem selbständige Klassen zu einer zusammenfassen, leistet sich Jaguar den Luxus, beide konsequent und eigenständig weiter zu entwickeln. Das Coupé als Klassiker mit festem Dach und das Cabrio ebenso klassisch mit Stoffdach. So erkennt man jederzeit, dass man ein Cabrio vor sich hat. Eines haben die zwei Varianten allerdings gemeinsam – beide gehören als Sportwagen in jene Fahrzeugklasse, die das Image der Marke maßgeblich begründet haben.

Wie schon die neueste Generation des XJS, setzen die beiden XK auf eine komplett aus Aluminium gefertigte Karosserie, was sie sowohl zu Leichtgewichten als auch zu Hochleistungssportlern macht. Denn ihr V8-Herz, das aus 4,2 Litern souverän 219 kW (298 PS) und ein kraftvolles Drehmoment von 411 Nm bei gerade einmal 4100/min presst, lässt sie in nur 6,2 Sekunden Tempo 100 und geradezu leichtfüßig bis zu 250 km/h ereichen. Dann wird sanft abgeregelt. Das macht den XK zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für Mercedes SL, 6er-BMW, Porsche 911 oder Maserati Quattroporte. In den USA, wo rund die Hälfte aller Jaguar verkauft werden, greift der XK Lexus SC und den Cadillac XLR an.

Bei ersten Probefahrten rund um Frankfurt gefiel neben dem sportlichen, aber zugleich sicheren und komfortablen Fahrwerk die Sechsgang-Automatik. Im manuellen Modus glänzt sie auf kurzes Antippen der Schaltwippen am Lenkrad mit extrem kurzen Schaltzeiten. Das Open-Air-Erlebnis beim Cabrio beschränkte sich angesichts kräftiger Minusgrade bei strahlend blauem Himmel auf das Erproben des in seiner Choreographie faszinierenden Dachöffnungsmechanismus. Bei einer kurzen Fahrt mit offenem Dach störte allerdings, dass die Luftströmung frische und kalte Luft kräftig in die Fahrzeugmitte förderte, so dass es innen trotz moderater Fahrt kräftig um die Ohren zog.

Der neue XK soll das klassische Jaguar-Design konsequent weiterentwickeln. Ein längerer Radstand und kürzere Überhänge, verchromte Lufteinlässe in den vorderen Kotflügeln, eine lange Motorhaube und die geschwungenen Leuchten vorn und hinten sind Elemente dieser neuen „Sprache der Geschwindigkeit“, mit der dieser XK dem Auge des Betrachters schmeichelt.

Für das Wohlfühlen an Bord wird alles Erdenkliche getan. Wertvolles Leder und edle Hölzer aber auch hochwertig verarbeitetes Aluminium, für das sich zur Überraschung der Jaguar-Verantwortlichen inzwischen bereits 45 Prozent der Käufer entscheiden, prägen das exklusive Interieur mit typisch britischem Flair. Das verträgt sich bestens mit modernster Technik, die für Audio, Navigation, Telefon und Sicherheit an Bord ist. So exklusiv und sportlich der XK auch sein mag – er ist trotzdem uneingeschränkt alltagstauglich.

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