Schule : Der Colt hat sein Format gefunden

Ein erwachsener Kompakter mit hohem Dach und großem und variablen Innenraum Sportliches Interieur und ein dynamisches Fahrverhalten

Ingo von Dahlern

Die europäischen Mitsubishi-Händler haben lange warten müssen auf dieses Auto, dass im Mitsubishi-Programm einer der Bestseller war – und eines der zuverlässigsten Kompaktfahrzeuge zugleich, das in den Pannenstatistiken durchweg durch besonders wenige Mängel auffiel.

In zwei Wochen ist diese Wartezeit nun endlich vorbei und mit der nun bereits sechsten Generation des Colt kommt ein Auto, das nicht nur rundum neu entwickelt wurde, sondern mit seinen neuen Dimensionen nun endlich auch ein überzeugendes Format gefunden hat – ein familientauglicher Kompakter, der nicht mehr gewissermaßen zwischen den Stühlen steht, wie seine Vorgänger. Denn mit einem Radstand von 2,50 Meter und einer Länge von 3,87 Meter ist der Colt nun endlich erwachsen geworden, kann in seiner Klasse ein überzeugendes Wort mitreden und erfolgreich mit solchen Modellen wie dem Peugeot 206, dem Honda Jazz oder dem Toyota Yaris konkurrieren.

Mitsubishi setzt beim Colt, der in enger Kooperation mit DaimlerChrysler entwickelt wurde und sich die Plattform mit dem Smart Forfour teilt, auf eine relativ hohe Karosserie mit 1,55 Meter und eine Breite von knapp 1,70 Meter. Eine Silhouette, die einen großen Innenraum verspricht – und dieses Versprechen wird vom Colt auch überzeugend eingelöst. Nicht nur vorn sondern auch im Fond mit seiner verschiebbaren Rückbank kann man es sich bequem machen und das sportlich akzentuierte Interieur dieses Autos, das unter Federführung der europäischen Designzentrale im deutschen Trebur entstand, genießen. Dabei fällt schon auf den ersten Blick die hohe Qualität der innen verarbeiteten Materialien auf – insbesondere auch der hochwertigen „technischen Oberflächen“ im Cockpit sowie der im Automobilbau ungewöhnlichen lichtdurchlässigen Teile im Bereich der Zentralkonsole, die ebenso wie die saubere Verarbeitung den Colt als besonders hochwertigen Vertreter seiner Klasse auftreten lassen. Und zugleich als ein Auto völlig anderer Art, als es der Smart Forfour ist – trotz enger Verwandtschaft beider Modelle, die trotzdem aus ganz verschiedenen Welten kommen.

Eine interessante Parallele allerdings gibt es. Denn ebenso, wie man den Smart Forfour betont sportlich bewegen kann, gilt das auch für die sechste Generation des Mitsubishi Colt. Es waren zum Teil herausfordernde Mittelgebirgsstraßen, auf denen wir bei den ersten Probekilometern unterwegs waren. Und es machte von Kilometer zu Kilometer mehr Freude, diesesAauto auch einmal flott zu bewegen. Überraschend dabei, dass es sich trotz der relativ hohen Karosserie verhält wie ein ganz normaler Personenwagen, ein Auto, das willig dem Lenkeinschlag in Kurven folgt und niemals den Eindruck aufkommen lässt, man habe es nicht sicher in der Hand.

Für den Fall, dass man die Fahrbahnbedingungen einmal nicht richtig einschätzen sollte oder sich als Fahrer auch einmal etwas zu viel zutraut, ist der Colt mit einer modernen Fahrdynamikregelung ausgestattet, die bei Mitsubishi „MASC“ (Mitsubishi Active Stability Control) genannt wird, aber praktisch das ist, was bei uns allgemein als ESP bekannt ist. Kombiniert ist dieses System mit der Traktionsregelung „MATC“ – ausgenommen die Basisversionen. Und einen ordentlichen Eindruck hinterließ beim ersten Kennenlernen schließlich auch die elektrisch unterstützte Servolenkung .

Ebenso wie bei der Plattform, haben Mitsubishi und DaimlerChrysler auch bei den Motoren kooperiert. Denn die in Japan entwickelten Triebwerke werden in dem hochmodernen neuen Motorenwerk und Joint Venture MDC Power GmbH im thüringischen Kölleda gebaut – bis auf die Diesel, denn die stammen aus Untertürkheim.

Drei Benziner stehen für den Colt zur Wahl, davon zwei zur Markteinführung am 5. Juni – der 1,3-Liter-Vierzylinder mit einer Leistung von 70 kW (95 PS) und der 1,5-Liter-Vierzylinder mit einer Leistung von 80 kW (109 PS). Zwei Triebwerke, die beim ersten Kennenlernen durch schnelles Ansprechen und ordentlichen Durchzug bei niedrigem Geräuschniveau gefielen. Nutzt man deren Reserven allerdings für flotte Autobahnfahrt, dann wünscht man sich für das Fünfgang-Schaltgetriebe einen etwas längeren fünften Gang, damit die Motoren bei flotter Fahrt nicht zu hoch drehen.

Alternativ zu den Benzinern, neben die im Herbst auch noch ein 1,1-Liter-Dreizylinder mit einer Leistung von 55 kW (75 PS) tritt, wird es einen ebenfalls mit drei Zylindern ausgestatteten Dreizylinder-Turbodiesel mit Common Rail und zwei Leistungsstufen geben – mit 50 kW (68 PS) und mit 70 kW (90 PS). Letzterer zeigte beim ersten Kennenlernen sehr deutlich seine dieseltypischen Qualitäten, nämlich einen kraftvollen Anzug und viel Drehmoment über eine große Bandbreite, kombiniert mit einer hohen Laufkultur.

Zu den interessanten Entwicklungen im neuen Colt zählt schließlich das automatisierte Sechsgang-Schaltgetriebe „AllShift“, das es erlaubt, ganz nach Wunsch im Automatikmodus oder mit sequenzieller Handschaltung zu fahren – ohne die Verbrauchsnachteile klassischer Automatikgetriebe. Überzeugend schließlich auch das Innenraumkonzept. Denn dank asymmetrisch geteilter Rücksitze, die man verstellen, zusammenlegen, nach vorn klappen oder ganz herausnehmen kann, bietet der Colt bis zu 645 Liter Laderaum – und den auch für langes Ladegut, da man die Rückenlehne des Beifahrersitzes nach vorn klappen kann.

FAZIT

Ein optisch eigenständiges geräumiges und variables Auto mit überzeugender Dynamik und hoher Qualität.

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