Schule : Der elegante Crossover aus Amerika

Mit dem Murano bringt Nissan einen SUV-Bestseller nach Europa

Ingo von Dahlern

Ein robuster Auftritt im Stile eines Offroaders kombiniert mit den Fahreigenschaften einer großen Limousine – diese Kombination, die auf dem amerikanischen Markt als SUV (Sports Utility Vehicle) seit mehr als einem Jahrzehnt große Karriere macht, boomt seit Jahren auch in Europa. Mercedes ML-Klasse, BMW X3 und X5, Volvo XC90, Kia Sorento und Lexus RX 300 sowie der Volkswagen Touareg und sein Schwestermodell Porsche Cayenne sind nur einige Beispiele für solche Autos, die angesichts ihrer großen Masse, des aufwändigen Allradantriebs und der vergleichsweise hohen Verbräuche nicht gerade zu den „vernünftigen“ Autos zählen. Doch die robuste Optik in Verbindung mit einer hohen Sitzposition und dem Gefühl, in einem besonders sicheren Auto unterwegs zu sein, mit dem man notfalls auch einmal abseits fest ausgebauter Straßen vorankommt und die hohe Innenraumvariabilität solcher Autos verdrängt viele Vernunftargumente.

Denn nüchtern betrachtet, bietet ein vergleichsweise schlichtes Fahrzeug wie ein Renault Kangoo oder Peugeot Partner noch mehr variablen Innenraum als die großen SUV und in Verbindung mit Allradantrieb auch ein gewisses Maß an Offroad-Fähigkeiten in einer sehr viel niedrigeren Preisklasse. Und die Verkaufszahlen solcher Autos zeigen auch, dass sich ein nicht unbeachtlicher Teil der Autokäufer von solchen Vernunftargumenten überzeugen lässt.

Doch diesen rundum vernünftigen Fahrzeugen fehlt die Ausstrahlung und das Prestige, das große SUVs nun einmal bieten. Und bei Ausstattung, Fahrkomfort, Fahrdynamik und Fahrfreude sind die weniger vernünftigen SUVs nun einmal eine ganz andere Klasse. So entscheiden sich trotz der damit verbundenen hohen Kosten und des zugegeben erheblichen Ressourcenverbrauchs auch bei uns zusehends mehr Käufer für SUVs, an deren Steuer man übrigens auch eine beachtliche Zahl von Frauen sieht.

Das bringt inzwischen auch manchen Hersteller, der diese Welle nicht so recht wahrhaben wollte, zum Umdenken. Aktuellstes Beispiel dafür ist Audi. Zwar hat man mit dem Audi Allroad schon vor vielen Jahren ein interessantes Crossover-Fahrzeug im Stil eines robusten Kombis auf den Markt gebracht, was dieser auch mit einem Achtungserfolg honorierte. Doch bei den richtigen SUV steht man abseits. Aber nicht mehr lange, denn mit dem im nächsten Jahr zur IAA kommenden Audi Q7 mit vielen optischen und technischen Anleihen bei VW Touareg und Porsche Cayenne kommt künftig auch aus Ingolstadt ein großer SUV.

An den Markterfolgen dieser Art von Fahrzeugen in Europa teilhaben will auch Nissan. Diese mit allen Kategorien von Allradlern vom professionellen Offroader Patrol über den kompakteren Terrano II bis zum luxuriösen Pathfinder und dem attraktiven X-Trail bereits präsente Marke hat sich dafür ein Auto ausgesucht, das in Nordamerika schon seit mehr als einem Jahr zu den Bestsellern gehört – den Nissan Murano. Dem sind im Auftritt am ähnlichsten Autos wie der Lexus RX 300 oder auch der Ssangyong Rexton, die mit ihrer betont dynamischen Karosserielinie unterstreichen, wie wichtig ihnen hoher Fahrkomfort auf ausgebauten Straßen ist.

Schon nach dem ersten Auftritt des Murano in Genf gab es spontan Bestellungen aus Europa. Doch für die Alte Welt musstes dieses Auto noch einmal gründlich überarbeitet werden. Rund 300 Änderungen hat Nissan vorgenommen, so dass der Murano von Anfang 2005 an nun auch in Europa angeboten werden kann. Hier verspricht er eine interessante Bereicherung des Marktes zu werden, wobei eine seiner Stärken das attraktive Design sein dürfte. Denn dieses 4,77 Meter lange und 1,88 Meter breite Auto mit einem Radstand von 2,83 Meter und der bei einer Höhe von knapp 1,69 Meter vergleichsweise flachen Silhouette hat eine ausgesprochen dynamische Linie abseits der Kantigkeit vieler anderer SUV und auch der übrigen Nissan-Allradler. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die ansteigende untere Fensterlinie. Front und Heck betonen die Breite des Murano, der dem Betrachter viel Platz verspricht und das auch einlöst.

In angenehm erhöhter Sitzposition fühlt man sich in diesem Auto wie in einer komfortablen Limousine, was insbesondere auch für die Sitze im Fond mit ihren in drei Stufen einstellbaren Rückenlehnen gilt. Edles Leder, hochwertige Aluminium-Applikationen, eine exzellente Materialwahl und Materialverarbeitung, elektrische Sitz- und Pedalverstellung, Klimaautomatik, DVD-Navigation, farbige Rückfahrkamera, getöntes Glas hinten, ein hochwertiges Bose Sound-System, viele praktische Ablagen – der Innenraum des Murano ist komfortabel, luxuriös ausgestattet und wohnlich und auch variabel. Raffiniert ist die Technik, mit der sich die geteilte Rückbank vom Kofferraum aus umlegen lässt, so dass der 476 Liter fassende Laderaum auf 877 Liter erweitert werden kann.

Diese Auto fährt sich ebenso komfortabel, wie es auftritt. Unter seiner Motorhaube arbeitet der aus dem Sportwagen Nissan 350Z bekannte 3,5-Liter-V6-Motor, der im Murano 172 kW (234 PS) leistet und den leer knapp 1,9 Tonnen wiegenden Allradler in nur 9,3 Sekunden Tempo 100 und maximal 200 km/h erreichen lässt. Ein nicht nur optisch dynamisches Auto also, das mit Federbeinen vorn und einer Mehrlenker-Hinterachse den Fahrkomfort einer luxuriösen Limousine bietet und erfreulich handlich ist.

Die größte Überraschung allerdings ist das für den Murano verwendete Automatikgetriebe. Denn das ist ein so genanntes CVT-Getriebe, eine stufenlose Automatik, wie sie Audi in besonders perfekter Form als Multitronic anbietet. Auch die im Murano eingesetzte Konstruktion kann durchweg überzeugen. Und wer unbedingt von Hand in die Gangwahl eingreifen möchte, für den stehen sechs vorprogrammierte Fahrstufen zur Wahl.

Vollkommem automatisch arbeitet auch der Allradantrieb des Murano, wenn man die Position „Auto“ wählt. Dann werden die Antriebskräfte ohne dass man eingreifen muss je nach Fahrsituation optimal allen vier Rädern zugewiesen. Nur, wenn die Bedingungen extremer werden, sollte man die Position „Lock“ mit permanenter Kraftverteilung wählen.

Ob aktive oder passive Sicherheit – der Murano ist komplett ausgestattet einschließlich der Fahrdynamikregelung ESP. Und mit 42 500 Euro stimmt in dieser Klasse auch der Preis, wobei es außer einer Metalliclackierung für 690 Euro keine weiteren Optionen gibt. Schade nur, dass Nissan den Murano nur mit einem Benziner anbietet. Sicher gibt es auch dafür, wie man betont, in Europa einen ausreichend großen Käuferkreis. Doch mit Selbstzünder hätte er beste Chancen zu einem echten Selbstläufer. Vielleicht wird der neue Nissan-Diesel ja noch rechtzeitig fertig, um in Europa dann auch diese Variante des Murano anzubieten.

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