Schule : Der Formelkünstler

Der 15-jährige Khai Van Tran hat sich zum Bundessieg in Mathematik gerechnet

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Khai Van Tran in seinem Gymnasium in Westend. Foto: Mike Wolff
Khai Van Tran in seinem Gymnasium in Westend. Foto: Mike Wolff

Mit Zahlen und komplizierten mathematischen Formeln jongliert Khai Van Tran so sicher wie ein Fußballer mit dem Ball. Mathematik ist die Leidenschaft des schmalen 15-Jährigen aus Charlottenburg – darin gehört er zu den besten Jugendlichen in Deutschland. Als einer von 16 Schülern hat er den Bundeswettbewerb Mathematik 2009 gewonnen.

Eigentlich richtet sich der jährliche Wettbewerb, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und Mathematik für Jugendliche attraktiv machen will, an Schüler der Klassen 10 bis 13 – erst dann sind normalerweise die nötigen Kenntnisse da, um die Aufgaben lösen zu können. Khai Van, der heute in die zehnte Klasse des Herder-Gymnasiums in Westend geht, nahm schon letztes Jahr zum ersten Mal teil. Der Fachbereichsleiter für Mathematik war auf ihn aufmerksam geworden und hatte ihm die Aufgaben einfach in die Hand gedrückt.

„Interessant“, sagt Khai Van, seien die gewesen – zunächst waren es acht Aufgaben, die er in zwei Runden am heimischen Schreibtisch lösen musste. Vor dem Finale, einem Gespräch mit einem Universitätslehrer, „war ich etwas aufgeregt“, sagt er. Aber sobald er begonnen habe, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, sei die Nervosität wie weggeflogen gewesen: „Ich stand ja nicht unter Druck. Wenn ich es nicht geschafft hätte, wäre es keine Schande gewesen.“

Seine Lösungsansätze überzeugten die Prüfer. Von rund 1300 Schülern, die am Wettbewerb teilgenommen hatten, wurde er der jüngste Sieger, der alle Aufgaben richtig gelöst hatte. Bei der Preisverleihung in Köln bekam der Mathe-Champion ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

An der Tafel rechnet er nun eine Aufgabe aus dem Wettbewerb vor, die Kreide huscht über die Tafel. Nach wenigen Minuten tritt er zurück, überprüft das Geschriebene und lächelt zufrieden: Alles stimmt. Seine Lehrer sind begeistert von Khai Van. Er habe ein phänomenales Gedächtnis, sagen sie, sei außergewöhnlich talentiert und leistungsbereit und hätte den Einser-Schnitt im Abitur eigentlich schon sicher. Khai Van gehört zum ersten Jahrgang, der das Gymnasium bereits nach zwölf Jahren abschließen wird. Natürlich will er Mathe als Leistungskurs wählen.

Die Leidenschaft für das Rechnen entdeckte Khai Van in der vierten Klasse. „Das war für mich der mathematische Urknall“, sagt er. Ihn fasziniert, dass er mathematische Probleme nur mit dem Verstand lösen kann – ohne Hilfsmittel. Er wählt seine Worte mit Bedacht und klingt so gar nicht wie ein typischer 15-Jähriger. Mathematikaufgaben, sagt er, versuche er in sich aufzunehmen und zu durchdringen, um den Kern des Problems zu erkennen: „Diese eine Stelle muss man knacken, dann ist der Rest der Aufgabe nur Drumherum.“ Auswendig lernen jedoch ist nichts für den Charlottenburger. „Wenn ich etwas verstehe, kann ich es nicht mehr vergessen. Wenn mir eine Formel nicht mehr einfällt, leite ich sie mir einfach her“, sagt er ganz selbstverständlich.

Seinen Mitschülern ist er im Matheunterricht voraus. Ob ihn der Unterricht dann nicht langweilt? „Ich kann mich damit arrangieren“, sagt er ganz diplomatisch. Und etwas lernen im Unterricht könne selbst er noch. Es gebe schließlich mehrere Betrachtungsweisen desselben Problems.

Fachbücher liest er auch, aber die sind ihm meist zu trocken – er will die Mathematik lieber selbst anwenden. Nicht so gut liegt ihm Sport, auch Kunst ist nicht seine Stärke. Spaß, sagt er, macht ihm dennoch beides. Nicht einmal in der Freizeit nimmt sich Kai Vhan eine Auszeit von Zahlen und Formeln: Einmal wöchentlich besucht er einen Mathezirkel in Adlershof. Da trifft er Gleichgesinnte und lernt von einem Dozenten der Humboldt-Universität. Ansonsten trifft er sich mit seinen Freunden, spielt Klavier und Schach – da ist er mit seiner Mannschaft Berliner Schnellschachmeister.

Khai Vans vietnamesische Eltern bemerkten früh, dass ihr Sohn mit einem außergewöhnlichen Talent ausgestattet war. Sein Vater, der an der TU in Chemie promoviert hat, förderte ihn. Bei den Hausaufgaben helfen kann er ihm jedoch schon lange nicht mehr: „Ich komme da nicht mehr mit“, sagt er und lacht. „ Wir haben nicht damit gerechnet, dass er so gut ist.“ In zwei Jahren macht Khai Van sein Abi. Danach will er Mathematik studieren und seine Leidenschaft zum Beruf machen. Christoph Spangenberg

Mehr dazu im Internet

www.bundeswettbewerb-mathematik.de

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