Schule : Der Glanz trügt

Die Stimmung der Autohändler ist schlecht. Weil Privatleute so wenig Neuwagen kaufen, bleiben die Rabatte hoch. Die Kunden freut’s – aber nicht jeder Nachlass ist wert, was er verspricht

Heiko Haupt

Er macht sich weiter rar: Der Autokäufer. Obwohl seine Rückkehr in die Schauräume immer wieder angekündigt wurde, ist er noch eine seltene Erscheinung. Das hat zur Folge, dass die Hersteller und Händler weiter verzweifelt um die wenigen Kaufwilligen kämpfen. Mittel zum Zweck ist dabei vor allem das Thema Geld: Die Höhe der Rabatte und die Vielfalt der möglichen Sonderpakete ist in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen und hat in diesem Jahr sogar einen weiteren Höchststand erreicht. Erst in der zweiten Jahreshälfte rechnen Experten nun damit, dass die verzweifelte Freigiebigkeit der Anbieter ein wenig nachlässt.

Im März hatte das Prognoseinstitut B&D-Forecast in Leverkusen einen neuen Höchststand der Rabatte festgestellt: Im Schnitt lag das Rabattniveau bei 18 Prozent. Die Experten hatten zum Frühlingsbeginn insgesamt 168 offizielle Herstelleraktionen gezählt, in denen mit Sonderkonditionen um Kundschaft geworben wurde. Daneben habe es noch verdeckte Aktionen gegeben – wie etwa Prämien für die Händler.

Ein Grund für die vielen Sonderkonditionen war ein zusätzliches Problem durch ein kleines Zwischenhoch bei den Verkäufen. „Vor allem Privatkunden haben wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung noch Ende 2006 einen neuen Wagen zugelassen“, erklärt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Das habe Anfang 2007 zu einer weiteren Lücke im ohnehin schwachen Geschäft geführt – und für die kommenden Monate ist keine große Belebung in Sicht.

Das größte Problem ist das Ausbleiben der Privatkäufer. Denn an den veröffentlichten Zulassungszahlen haben zurzeit die Geschäftskunden den höchsten Anteil. Wurden im Januar 2004 noch 45 Prozent der Neuwagen von Privatkunden gekauft, waren es laut B&D-Forecast im Januar 2007 nur 33,9 Prozent. Im Monat Februar sahen die Zahlen für 2004 und 2007 kaum anders aus: 45,4 zu 35 Prozent. Dies bedeute historische Niedrigwerte für den Anteil der privaten Neuzulassungen.

„Der private Käufer wartet weiter ab“, meint B&D Geschäftsführer Prof. Ferdinand Dudenhöffer. „Das hohe Niveau der Rabatte wird noch eine Weile bleiben.“ Erst zum Juli oder August rechnet der Experte mit einer Veränderung. Vor allem neue Modelle könnten bis dahin die Kauflust anheizen. „Neuheiten wie die C-Klasse von Mercedes machen dem Käufer Appetit auf etwas Neues. Und wenn man Appetit hat, dann fängt man irgendwann auch an zu essen.“

Bis sich dieser große Hunger ausbreitet, sollten Interessenten sich nicht vom Blick auf bloße Rabattzahlen verführen lassen. „Nicht jeder Rabatt ist das wert, was er verspricht“, warnt Sven Janssen vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Wenn beispielsweise bestimmte Marken oder Händler besonders hohe Summen für die Inzahlungnahme von Gebrauchtwagen anböten, bedeute dies nicht automatisch, dass der Kauf im Endeffekt wirklich günstiger werde. „In so einem Fall hat man dann nicht mehr so viel Spielraum, um den Preis des Neuwagens zu drücken.“

Neben der einfachen Werbung für bestimmte Preisnachlässe ist derzeit öfter eine weitere Variante zu bemerken – „All-inklusive-Paket“ oder auch „Flatrate“ genannt. Der Käufer zahlt dabei für den Wagen eine monatliche Rate; in der sind neben dem Fahrzeugpreis weitere Leistungen wie eine Versicherung, die regelmäßige Wartung oder eine Anschlussgarantie enthalten. Gerade von dieser Variante erhoffen sich die Anbieter eine bessere Zukunft. „Darin besteht eine Riesenchance für die Händler“, hofft Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn. Solche Pakete könnten laut Blümer eine Gelegenheit sein, aus dem Teufelskreis immer weiter steigender Rabatte herauszukommen – jedenfalls, wenn der mögliche Käufer die Vorteile eines solchen Paketes erkennt.

Dazu aber ist laut Ferdinand Dudenhöffer bei manchen dieser Angebote noch zu undurchsichtig, was an tatsächlicher Ersparnis damit verbunden sei. Helmut Blümer fordert deshalb die Kunden auf, sich zu informieren: „Er sollte detailliert fragen, was wirklich hinter den einzelnen Paketen steckt.“ gms

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben