Schule : Der Hakaze ist wirklich ein schönes Auto. Wirklich?

Konzeptautos sind teuer – im realen Leben lässt Mazda deshalb nur Ingenieure und Vorstände ran. In der virtuellen Welt Second Life ist das anders. Hier dürfen den Hakaze alle fahren. Wir auch

Sebastian Leber

Stell Dir vor, Du musst auf eine einsame Insel und darfst drei Dinge mitnehmen – das Kinderspiel kennt jeder. Und die Antworten ähneln sich: ein gutes Buch, ein Satellitentelefon, Freund oder Freundin, Sonnencreme vielleicht. Die Antwort „Auto“ drängt sich einem nicht auf. Warum eigentlich?

Aber verführerisch steht der Mazda Hakaze am Strand, wartet darauf, dass man einsteigt und losfährt. Keine fünf Meter weiter brechen sich die Wellen am Ufer. Das sieht wirklich perfekt aus, fast zu schön, um wahr zu sein.

Ist auch nicht wahr, sondern Teil von „Second Life“, dem Paralleluniversum im Internet, in dem sich jeder Spieler kostenlos seine eigene, dreidimensionale Figur erschaffen kann. Und damit umherstreifen, Leute kennenlernen, Häuser bauen kann. Oder eben Autofahren. „Nagare Island“ heißt die Insel. In der Mitte steht ein Berg, drumherum Felsen, Palmen, viel Sand. Und eine asphaltierte Straße, die einmal rund um die Insel führt. Die Idee ist gut: Mazda hat den Pixel-Parcours gebaut, um sein Modell Hakaze zum Probefahren anzubieten. In der Realität wäre das nicht möglich, der Hakaze ist ein Konzeptauto. Es gibt ihn nur ein einziges Mal, im März wurde er auf der Automesse in Genf vorgestellt.

Im Internet sind genug Hakazes für alle da. Man muss nur mit der Maus auf den Wagen klicken, schon sitzt man am Steuer. Gelenkt wird über Tastatur: Links, rechts, Gas geben, bremsen, das ist alles. Der Hakaze hat Automatik, schließlich wurde er für Fahrer entwickelt, die möglichst wenig arbeiten und möglichst viel Spaß haben wollen. Ein agiles, aber robustes Coupé, ein Zweisitzer mit viel Platz im Innenraum.

Leider ist die Lenkung nicht ganz einfach. Eine Taste zu lang gedrückt, schon rammt der Mazda gegen die Leitplanke. Tut aber nicht weh, der Wagen bekommt nicht mal Beulen. Wie toll wäre es, wenn die Mazda-Chefdesigner auch „in echt“ solche Autos bauen könnten. Und so leise Motoren: Der Hakaze schnurrt selbst bei Vollgas, das ist man von Mazda auch nicht immer gewohnt. Hohes Tempo braucht man auf der Insel hinter der dritten Kurve. Da steht eine Sprungschanze. Wer sicher auf der anderen Seite landet, darf den virtuellen Wagen behalten. Wer es nicht schafft, landet im Meer. Ist nicht schlimm, der Hakaze kann in Second Life auch unter der Wasseroberfläche weiterfahren. Atmen muss man sowieso nicht.

Überhaupt hat das Autofahren im Internet fast nur Vorteile. Man muss nie tanken, nicht in die Waschanlage, keine Angst vor dem TÜV haben. Falschparker gibt es auch keine: Steigt ein Fahrer aus dem Wagen und läuft zu Fuß weiter, löst sich sein Hakaze nach 30 Sekunden automatisch in Luft auf. 120 Internet-Nutzer besuchen die Mazda-Insel täglich. Die Sonne scheint hier 24 Stunden, weil die Testfahrer aus aller Welt kommen und zu unterschiedlichen Zeiten online sind. Deshalb gibt es auch nie Staus.

Leider ist die Strecke recht klein, spätestens nach der vierten Umrundung hat man alles gesehen. Und manchmal kommt das Auto trotz durchgetretener Bremse nicht zum Stehen, ruckelt einfach weiter und rutscht irgendwann den nächstgelegenen Abhang runter. Was die Grafik angeht, hinkt „Second Life“ jedem besseren Computerspiel hinterher. Vor allem aber kann man keine Rückschlüsse auf die Fahreigenschaften des Wagens in der realen Welt ziehen. Vielleicht ist das der Grund, warum sich die Autokonzerne in „Second Life“ bisher zurückhalten. Immerhin: Toyota und Nissan betreiben bereits eigene Teststrecken, auch Mercedes hat im Februar eine Filiale eröffnet. Und wenn sich das Netz im derzeitigen Tempo weiterentwickelt, ist Online-Testfahren bald Normalität – und der Gang ins Autohaus ein exotisches Erlebnis.

Der Weg auf die Insel:

www.mazda.de/AboutMazda/

ConceptCars/Second+Life

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