Schule : Der kleine Unterschied Der neue Golf Plus ist nur wenige Zentimeter

größer als der Golf – aber ein komplett anderes Auto

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Gerade mal eine Hand breit unterscheidet sich das neue Familienmitglied vom „normalen“ Golf. Knapp zehn Zentimeter ist er höher. Der Golf Plus überragt seinen Verwandten damit nur geringfügig. Für Volkswagen aber liegen Welten zwischen diesen Maßen. Der Golf Plus, der soeben zu den Händlern gerollt ist, soll ein gänzlich anderes Auto sein als sein Namensvetter ohne Kürzel.

Kai Schweingruber ist gemeinsam mit Carsten Unverricht der Projektleiter für den neuen MehrwertGolf. Auf skeptische Nachfragen zu den Größenvorteilen des neuen VW-Modells reagiert er mit praktischem Anschauungsunterricht – er lädt zum Probesitzen. „Zwar ist die Bodengruppe des normalen Golf identisch mit der des Golf Plus“, erklärt er. Aber die Sitzfläche vorn liege 7,5 Zentimeter höher. „Wir haben Fahrer und Beifahrer also aufgerichtet.“ Dieser Trick spart bei gleicher Bodengruppe Länge. „Und das“, fährt Schweingruber fort, „macht sich auch auf den hinteren Plätzen bemerkbar.“ Für die ebenfalls höher sitzenden Fondpassagiere hat diese Konstruktion eine verblüffend große Kniefreiheit gebracht – und in Verbindung mit einer in mehreren Stufen verstellbaren Rückbanklehne auch noch mehr Komfort.

Der Kofferraum ist ebenso so lang und breit wie gewohnt, aber höher und damit geräumiger. In das Gepäckabteil passen somit zwischen 45 und 145 Liter mehr hinein als beim Golf. „Man hat uns immer wieder vorgeworfen, hier in Wolfsburg nicht so viel Fantasie zu haben wie einige Wettbewerber“, meint Kai Schweingruber. „Beim Golf Plus zeigen wir, dass wir nicht weniger kreativ sind.“ Mit einem kurzen Griff rückt er die Rückbank nach vorn – um maximal 16 Zentimeter. „Das schafft zusätzlichen Platz im Kofferraum. Trotzdem sitzt man hinten nicht unbequemer als im normalen Golf.“

Wer zu zweit unterwegs ist und noch mehr Platz braucht, entdeckt beim Golf Plus echte Kombi-Qualitäten. So lassen sich die Rückbanklehnen mit wenigen Handgriffen nach vorn klappen. Da dabei die Sitzfläche nach vorn und in die Tiefe gleitet, ergibt sich eine fast ebene Ladefläche. Für besonders langes Ladegut kann auch noch die Lehne des Beifahrersitzes nach vorn geklappt werden. Dadurch können bis zu 2,30 Meter lange Gegenstände verstaut werden. Ein Mitfahrer findet dann immer noch hinterm Fahrersitz Platz, wenn man 40 oder 60 Prozent der asymmetrisch geteilten Rückbank nach vorn klappt.

Unterm normalen Laderaumboden steckt noch ein weiteres Gepäckfach. Das kann man als zusätzlichen Stauraum für kleinere Gegenstände nutzen oder auch, um Ladehöhe zu gewinnen. So hat man die Chance, den Laderaum von minimal 399 über 505 bis auf maximal 1450 Liter zu vergrößern.

Mit solchen Maßen, sollte man meinen, macht VW sich selbst Konkurrenz. Schließlich ist die Kombiversion des Golf, der Variant, bisher der Lastenträger dieser Klasse gewesen. Kai Schweingruber aber winkt ab. „Viele Käufer wollen einfach das ausgeprägte Kombiheck. Und deshalb werden wir auch weiterhin einen Variant bauen.“

Der Golf Plus fällt überdies durch nützliche Kleinigkeiten auf – das variable Mittelstück der Rückbanklehne zum Beispiel. Das lässt sich wie eine Skidurchreiche herunterklappen, so dass man dort entweder einen kleinen Tisch, eine Mittelarmlehne oder eine Multifunktionsbox unterbringen kann – etwa für das Spielzeug mitreisender Kinder. Für die Mittelkonsole vorn kann man erstmals in einem Golf auch einen 230-Volt-Anschluss ordern, an dem sich sogar die Batterien von Laptops und anderen Geräten aufladen lassen.

Variabilität bieten auch die insgesamt 43 Ablagen, zu denen mehrere Fächer in der Dachmitte gehören. Die Ablagen in den Türseiten wurden so erweitert, dass hier auch 1,5-Liter-Getränkeflaschen Platz finden – und dazu noch ein dicker Autoatlas. „Schließlich fahren noch nicht alle mit einem Navigationssystem“, bemerkt Schweingruber. „Um so viel Variabilität zu erreichen, mussten wir den gesamten Innenraum neu entwickeln.“

Und nicht nur das. Denn es reichte nicht, das Dach des normalen Golf um zehn Zentimeter zu erhöhen und die Karosserie entsprechend anzupassen. Das hätte eine unmögliche Optik und Aerodynamik ergeben. Deshalb hat der Golf Plus eine ganz neue Karosserie bekommen, bei der – abgesehen von den Türgriffen und Außenspiegeln – kein Teil mit dem normalen Golf identisch ist. Das gilt auch für das höher gewordene und ebenfalls neu gestaltete Armaturenbrett. „Deshalb“, so das Fazit von Kai Schweingruber, „ist der Golf Plus tatsächlich ein ganz neues Auto.“

Technisch sind Golf und Golf Plus weitgehend identisch. Der neue Innenraum und die höheren Sitze verändern allerdings den Schwerpunkt des Fahrzeugs. Das wiederum hat Einfluss auf das Fahrverhalten, weil er mehr Seitennneigung bei Kurvenfahrten mit sich bringt. Den Fahrwerksingenieuren ist es gelungen, dem Golf Plus dennoch ein Fahrverhalten zu geben, das mit dem des normalen Golf praktisch identisch ist. So kann man ihn trotz der höheren Karosserie ebenso umpliziert und flott bewegen.

Der Golf Plus ist ein Auto für alle, die mehr Platz und Variabilität brauchen als sie der normale Golf bietet, denen der Touran als kompakter Minivan aber zu groß ist. Er ist eine attraktive Zwischengröße für junge Familien ebenso wie für Senioren, die auf einen bequemen Einstieg setzen. Dieser Mehrwert kostet mit 535 Euro zum „normalen“ Golf nur einen moderaten Aufschlag. Der Einstiegspreis für den Golf Plus in der Ausstattungslinie Trendline beträgt 16 740 Euro. Das dürfte manchen Golf-Käufer zum Umsteigen auf die Plus-Variante veranlassen. Volkswagen rechnet immerhin mit einem Golf Plus-Anteil von 25 Prozent an künftigen Golf-Verkäufen – ein beachtlicher Anteil für ein Auto, das neu in der Familie ist.

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