Schule : Der kleinste Sportler ist ein Diesel

Skoda Fabia RS – sportliches Fahren muss nicht immer teuer sein

Ingo von Dahlern

Es gibt viele Wege, sportlich zu fahren. Als erstes denkt man spontan an einen Sportwagen. Soeben erst haben wir ein paar besonders edle Fahrzeuge aus dem Hause Porsche vorstellen können – der deutschen Sportwagenmarke schlechthin. Doch der Einstieg in die Porsche-Welt hat seinen Preis. Ab 42 256 Euro ist man dabei – mit dem Boxster. Gewiss, mit einem Gebrauchten liegt die Eintrittsschwelle niedriger. Aber neben den Kosten für den Erwerb wollen schließlich auch die für den Betrieb und Unterhalt bedacht sein. Da kommt selbst bei einem Gebrauchten schon einiges zusammen – macht einen Porsche zu einem exklusiven Vergnügen und lässt ihn für die meisten ein Traumauto in Sinne des Wortes bleiben.

Kein Traum bleiben allerdings muss der Wunsch nach sportlichem Fahren. Denn das lässt sich auch mit vergleichsweise wenig Geld verwirklichen. Aktuellstes Beispiel dafür ist ein kompakter kleiner Skoda – der Fabia mit der Zusatzbezeichnung RS. Mit ihm dehnt die tschechische VW-Tochter, die ihre Präsenz auf dem deutschen Markt trotz insgesamt rückläufiger Zulassungszahlen weiter verbessern und ihren Marktanteil von 2,32 im vergangenen Jahr auf 2,64 Prozent steigern konnte, ihr Angebot sportlicher RS-Varianten nun auf die kleinste Modellfamilie aus. Zugegeben – bei einem Preis von 18 980 Euro für ein kompaktes Großserienauto nicht gerade ein Schnäppchen. Aber wenn man ihn erst einmal für ein paar Stunden in die Hand genommen und seine Qualitäten erfahren hat, ein Auto, das rundum positiv überrascht.

Die größte Überraschung wird dabei für viele sicher sein, dass unter der Motorhaube des sportlichen Fabia RS ein Dieselmotor arbeitet. Doch Diesel und Sportlichkeit schließen sich schon längst nicht mehr aus. Ja, Alfa Romeo setzt moderne Diesel sogar im Motorsport ein – im einzigen deutschen Markenpokal, der nun bereits sein zweites Jahr erlebt, mit technisch identischen rund 119 kW (160 PS) starken Alfa 1.9 JTD gefahren wird und sich über Attraktivität und Zuspruch nicht beklagen muss. Der hier eingesetzte Motor ist einer jener modernen Turbodiesel, die mit hohem Drehmoment, entsprechend kraftvollem Anzug und zugleich verblüffender Sparsamkeit überzeugen.

Und das gilt auch für das Herz des Skoda RS. Denn unter seiner Motorhaube arbeitet der 1,9-Liter-Turbodiesel des VW-Konzerns mit einer Leistung von 96 kW (130 PS). VW setzt bei diesem Motor bei der Hochdruckeinspritzung auf die Pumpe-Düse-Technik, bei der jeder Zylinder im Kopf eine eigene Einspritzpumpe hat, die direkt von der Nockenwelle angetrieben wird. Das erlaubt eine besonders genaue Steuerung von Einspritzzeitpunkt, -dauer und -verlauf, der mindestens aus Pilot- und Haupteinspritzung besteht.

VW setzt diese Technik sowohl bei seinem kleinsten TDI, dem 1,2-l-Dreizylinder im Drei-Liter-Lupo, als auch dem leistungsstarken Fünfliter-V10-TDI in Touareg und Phaeton ein. Und eben auch im 1,9-l-TDI, wie er den Skoda Fabia antreibt – einem Reihenvierzylinder mit einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und Ladeluftkühler, der bereits bei 1990/min sein höchstes Drehmoment von 310 Nm liefert – viel Kraft für einen Motor dieser Größe. Und entsprechend flott reagiert der Fabia RS beim Tritt aufs Gaspedal. Bereits nach 9,6 Sekunden passiert die Tachonadel die Tempo-100-Marke. Und zur Ruhe kommt sie auf freier Autobahn erst bei 204 km/h. Wer permanent so flott unterwegs ist, wird die durchschnittlichen Verbrauchswerte von gerade einmal 5,1 l/100 km allerdings klar überbieten.

15 Millimeter tiefer gelegt

Geschaltet wird mit einem sportlich gestuften Sechsgang-Schaltgetriebe, das die Motorkraft an die vorderen Antriebsräder des flinken Fabia leitet. Damit der diese Kraft auch sicher auf die Straße bringen kann, hat man Federn und Dämpfer so verändert, dass der Wagen 15 Millimeter tiefer liegt. In Verbindung mit dem langen Radstand von 2,47 Meter und der relativ breiten Spur von 1,43 Meter vorn und einem Zentimeter weniger hinten liegt dieses Auto satt auf der Straße und folgt exakt den Kommandos des Lenkers, der von einer guten Straßenkontakt vermittelnden elektrohydraulischen Servolenkung unterstützt wird. Angenehm bei ersten Probekilometern war der trotzdem sehr hohe Fahrkomfort des kleinen Sportlers, den man selbst bei flotter Kurvenfahrt sicher im Griff behält. Ebenso sicher bekommt man ihn zum Stand. Denn hierfür werden vier Scheibenbremsen, die vorderen innenbelüftet und alle mit grünen Bremssätteln ausgestattet, aktiviert.

Die arbeiten unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, das wiederum Bestandteil der Fahrdynamikregelung ESP ist. Die greift immer dann ein, wenn das Auto bei zu flotter Fahrt oder unerwartet schwierigen Straßenzuständen vom Kurs abzukommen droht und zwingt es durch gezieltes Bremsen einzelner Räder auf den vom Fahrer gewünschten Weg zurück. Allerdings, und das kann man nicht zu oft sagen, nur im Rahmen der Gesetze der Physik. Wer die extrem missachtet, dem können auch elektronische Assistenzsysteme im Ernstfall nicht mehr helfen. Ebenfalls ins ESP integriert sind die Antriebsschlupfregelung ASR und die Elektronische Differenzialsperre EDS.

Es bereitet Freude, den Fabia RS zu bewegen. Und es macht auch Spaß, dieses auf 16-Zoll-Leichtmetallrädern mit Reifen 205/45 stehende Auto anzusehen. Schon die Front mit ihrem massivem Stoßfänger, einer großen Luftleitöffnung zum Kühler und zwei seitlichen Entlüftungsöffnungen im Stoßfänger und Spoiler und der flache Kühlergrill mit breitem Chromrand und großem Markenlogo sorgt für einen optisch ansprechenden Auftritt. Unterstrichen wird der durch die breiten Xenon-Frontscheinwerfer in Klarglastechnik mit integrierten Blinkleuchten. Und auch aus der Heckperspektive zeigt der sportliche Fabia mit der Abrisskante über der Heckscheibe, dem in den hinteren Stoßfänger integrierten Spoiler und dem breiten ovalen Auspuffendrohr sowie dem RS-Logo, dass er mehr als nur ein ganz normaler Kompakter ist.

Das spürt man auch sofort, wenn man in dieses Auto einsteigt, auf den sehr guten Seitenhalt gebenden speziellen schwarzen Sitzen mit silbergrauem Rand Platz nimmt und die Blicke schweifen lässt. Da entdeckt man das griffige mit Leder bezogene und in zwei Ebenen verstellbare Dreispeichenlenkrad, einen ganz speziellen Instrumententräger mit mattschwarzer griffsympathischer Oberfläche und Uhren mit weißen Skalen, die nachts grün schimmern, sowie Edelstahl-Pedale mit rutschfesten Gummiflächen. Auch der Handbremsgriff und Schalthebelgriff aus Leder und die vielen Chromapplikationen wirken edel.

Zur Serienausstattung des sportlichen Fabia gehören eine Klimaautomatik und ein klimatisiertes Handschuh- und Getränkedosenfach, getönte Scheiben, elektrische Fensterheber vorn, eine asymmetrisch geteilte Rückbank sowie Bordcomputer und Front- und Seitenairbags. Als Wunschausstattung gibt es dazu verschiedene Audi-Systeme auch mit CD-Wechsler, ein Radio-Navigationssystem eine Telefon-Freisprecheinrichtung, Sitzheizung für die Vordersitze und ein elektrisches Hub- und Schiebedach aus Glas

Corrida-Rot, Lemon-Gelb, Diamantsilber und Black-Magic sind die vier Farben, in denen Skoda seinen Fabia RS liefert. Ein Auto, dessen Konzept im Konzern nicht ganz neu ist, sondern eher eine konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die bereits in der zweiten Hälfte der Neunziger begonnen hat. Denn schon 1996 wurde erstmals ein sportlicher Golf GTI mit TDI-Motor vorgestellt. Und dass moderne Diesel sehr viel sportlicher sein können, als vergleichbare Benziner, zeigt auch Seat bei der im letzten Jahr eingeführten neuen Ibiza-Generation. Denn dessen flotteste Variante ist der 1.9 TDI, der mit 9,4 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 207 km/h sogar noch eine Spur flotter ist als der schnelle Fabia RS und mit durchschnittlich 5,0 l/100 km auch einenTick sparsamer. Nun also schwimmt auch Skoda auf der Welle solcher sportlichen Diesel mit.

Noch mit einem Triebwerk, allerdings, das nur die derzeit gültige Abgasnorm EU3 erfüllt. Nächster Schritt muss es nun sein, alle Diesel und damit auch diesen Sportler fit für die Abgasnorm EU4 zu machen, die bei VW inzwischen schon mehrere TDI-Versionen erfüllen. Entweder durch eine konsequent optimierte Verbrennung, die das Entstehen der Partikel minimiert oder den Einsatz von möglichst wartungsfreien und ohne Zusätze arbeitenden Partikelfiltern. Die sind nach jahrelanger intensiver Entwicklung und Erprobung inzwischen bei den meisten deutschen Herstellern serienreif und werden zu den wichtigsten technischen Neuerungen auf der IAA in Frankfurt am Main im nächsten Monat gehören.

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