Schule : Der kompakte Riese

Der Vectra Caravan ist ein Lademeister mit Benzin-Direkteinspritzer, Dreiliter-V6-Turbodiesel und CVTronic-Getriebe

Ingo von Dahlern

Wie groß doch ein vergleichsweise kompaktes Auto sein kann. Zwar hinterlässt der inzwischen ohne direkten Nachfolger eingestellte Omega, den es auch als geräumigen Caravan gab, erst einmal eine Lücke im Opel-Angebot. Doch mit dem Vectra Caravan, den man bereits seit dem Sommer bestellen kann und der ursprünglich im November an den Start gehen sollte, jetzt aber schon an diesem Wochenende beim Aktionstag der deutschen Opel-Händler auch in Berlin bei den meisten Händlern stehen wird, wird die verblüffend gut überbrückt. Denn die Kombi-Version des Vectra, mit der diese Modellfamilie nach klassischer Limousine, sportlichem GTS und dem innovativen Signum nun erst einmal komplett ist, bietet in ihrem langen Heck mit 530 bis 1850 Liter Stauraum und einer Ladelänge von fast zwei Meter so viel Platz, dass man dieses Auto gut und gern einen kompakten Riesen nennen darf. Das gilt übrigens nicht nur für den gewaltigen Laderaum, sondern insbesondere auch für die Plätze im Fond. Denn bei der Beinfreiheit stellt der 4,82 m lange neue Kombi mit seinem langen Radstand von 2,83 Meter selbst den Omega in den Schatten.

Laderaum-Managementsystem

So viel Stauraum wie im neuen Vectra Caravan will allerdings auch optimal genutzt werden. Und dafür bietet Opel mit dem so genannten FlexOrganizer ein innovatives Laderaum-Managementsystem, mit dem sich der Stauraum ganz nach Bedarf individuell konfigurieren lässt. Herzstück dieses Systems sind jeweils zwei in den hinteren Seitenwänden angebrachte Schienen. In die kann man ganz nach Bedarf klappbare Trennwände und Netze einklinken, mit denen sich der Laderaum nicht nur einteilen, sondern das Ladegut auch wirksam sichern lässt. So bietet sich für praktisch jede Transportaufgabe eine maßgeschneiderte Lösung an. Realisiert werden diese Konfigurationen mit dem Organizer-Paket – einem multifunktionalen Netzsystem mit zahlreichen Haken zum Abteilen des Laderaums und Seitennetzen zum Einhängen von Einkaufstüten – und dem Travel-Paket – einer Kombination aus flexibler Trennwand und Trennstange. Wird das System nicht benötigt, kann man es in einem Fach unterm Kofferraumboden komplett verstauen.

Selbst 2,87 Meter passen hinein

Zur variablen Nutzung des Laderaums trägt aber auch bei, dass die asymmetrisch geteilte und ohne Entfernen der Kopfstützen vorklappbare Rückbank zusätzlich mit einer Durchladeeinrichtung ausgerüstet ist. Und wer besonders langes Ladegut unterbringen möchte, das die 2,04 Meter der Vectra-Ladefläche überschreitet, der kann das mit Hilfe eines umklappbaren Beifahrersitzes. Denn dann reicht der Laderaum sogar für bis zu 2,87 Meter lange Stücke. In der Breite sind übrigens 1,06 Meter möglich. Und auch die mit 61 Zentimeter recht niedrige Ladekante sowie die weit nach oben öffnende Hecktür, unter der man eine Standhöhe von 1,90 Meter hat, tragen dazu bei, dass man den Laderaum des Vectra Caravan bequem nutzen kann. Besonders praktisch dabei ist, dass man die Heckklappe auch elektrisch öffnen und schließen kann – per Fernbedienung für die Zentralverriegelung. Angeboten wird dieses System allerdings erst vom Frühjahr des nächsten Jahres an.

Wem der hier gebotene Platz immer noch nicht reicht, kann zum einen aufs Dach ausweichen oder aber einen Anhänger benutzen. Hierfür bietet Opel eine besonders praktische Anhängerkupplung an. Denn die kann schnell und elegant mit einer Fußbewegung und damit, ohne dass man sich die Hände schmutzig macht, in Position gebracht oder auch weggeschwenkt werden, so dass sie in diesem Zustand unsichtbar ist. Ver- und entriegelt wird sie über einen Hebel im Kofferraum. Bis zu 1800 Kilogramm gebremst kann man hier an den Haken nehmen, so dass der Vectra Caravan auch ein ideales Zugfahrzeug ist.

Zu den multifunktionalen Elementen des Vectra Caravan gehört schließlich der bereits aus dem Signum bekannte Travel-Assistant. Jene Box, die zwischen den beiden äußeren Sitzen der Rückbank verankert wird. Sie bietet zwei ausklappbare Tische, Kühlbox, Abfallbehälter, Getränkehalter, zwei 12-Volt-Stromanschlüsse, eine Halterung für transportable DVD-Player und ein Twin-Audio-Bedienmodul für separate Unterhaltungsprogramme vorn und hinten. Ideal für Familien, die mit Kindern unterwegs sind, die sich hinten ihre Wunschmusik anhören können, ohne dass die vorn sitzenden Eltern diese mithören müssen, weil sie sich ein ihnen passendes Programm einstellen können. Zusätzlich gibt es auch für den Caravan die bereits für die Limousinen angebotenen Infotainment- und Kommunikationssysteme – von anspruchsvollen Audioanlagen mit CD-Player über Geräte mit integriertem GSM-Telefon bis hin zu GPS-Navigationssystemen und dem Telematik-Service OnStar.

Statt der ursprünglich sechs Motoren, mit denen der Vectra Caravan starten sollte, sind es inzwischen sieben. Vier sind bereits von der Limousine und dem GTS bekannt – der 1,8-Liter-Benziner mit 90 kW (122 PS) als Einstiegsaggregat, der kraftvolle 3,2-Liter-V6 mit 155 kW (211 PS) als Spitzenmotorisierung und die beiden direkt einspritzenden Turbodiesel DTI mit 2,0 und 2,2 Liter Hubraum und 74 und 92 kW (100 und 125 PS). Hinzu kommen nun drei Neukonstruktionen – davon sind zwei Benziner und der dritte ist ein Dreiliter-V6-Turbodiesel.

Der ist das neue Top-Aggregat bei den Selbstzündern. Denn er leistet 130 kW (177 PS) und liefert bereits bei 1900/min sein höchstes Drehmoment von 370 Nm. Kein Wunder, dass der Vectra Caravan mit diesem hochmodernen Common-Rail-Aggregat schon nach 9,8 Sekunden Tempo 100 erreicht und bis zu 222 km/h schnell ist. Der Verbrauch des ausgesprochen laufruhigen Motors, bei dem man erst bei genauerem Hinhören wahrnimmt, nach welchem Verbrennungsprinzip er arbeitet, liegt mit 7,7 l/100 km in einem für diese Leistungsklasse sehr bescheidenen Rahmen. Neben diesen erst einmal dritten Diesel wird schon im nächsten Frühjahr ein vierter treten. Mit 1,9 Liter Hubraum und 110 kW (150 PS) ist er nicht ganz so kraftvoll, dafür aber besonders sauber. Denn der Vierzylinder mit so genannter Multijet-Einspritzung, der ein höchstes Drehmoment von 315 Nm liefert, ist als erster Diesel von Opel mit einem wartungsfreien Diesel-Partikelfiltersystem ausgestattet (DPF), das ohne Additive auskommt. Mit diesem System wird der Motor des 1.9 CDTI dann auch die künftige Abgasnorm EU4 erfüllen.

Stärker und trotzdem sparsamer

Mit Direkteinspritzung arbeitet auch der zweite der neuen Motoren, der 2.2 Direct Ecotec mit variabler Einlass-Steuerung. Der ist allerdings kein Diesel, sondern ein Benziner – der erste Benzin-Direkteinspritzer in Opel-Programm. Im Teillastbereich tragen hohe Abgasrückführraten zu einem besonders niedrigen Verbrauch des 12,5 : 1 verdichteten Motors bei, der mit durchschnittlich 8,1 l/100 km sechs Prozent weniger verbraucht als vergleichbare Saugrohreinspritzer. Trotzdem liefert er mit 114 kW (155 PS) sechs Prozent mehr Leistung und zehn Prozent mehr Drehmoment und lässt den Vectra Caravan 2.2 Direct binnen 10,1 Sekunden Tempo 100 und maximal 212 km/h erreichen.

Neuling Nummer drei im Motorenprogramm ist ein 2,0-Liter-Turbo, der dank zweier Ausgleichswellen fast so seidenweich läuft wie ein Sechszylinder. Er leistet 129 kW (175 PS) und liefert sein höchstes Drehmoment von 265 Nm über ein breites Drehzahlband von 2500 bis 3800/min – ideale Voraussetzungen also für spontanes Ansprechen ebenso wie für hohe Elastizität. Den Vectra Caravan lässt er binnen 9,4 Sekunden Tempo 100 und maximal 222 km/h erreichen – bei einem Durchschnittsverbrauch von 9,2 l/100 km. Ebenso wie den V6-Turbodiesel kombiniert Opel diesen Motor mit einem völlig neu entwickelten Sechsgang-Schaltgetriebe, das in einem neuen Getriebewerk in Rüsselsheim gebaut wird. Neben dem bereits bekannten Fünfgang-Schaltgetriebe und der Fünfgang-Automatik mit manueller Schaltgasse führt Opel als weitere Getriebevariante ein stufenloses Automatikgetriebe ein – die CVTronic (Continuously Variable Transmission), die exklusiv mit dem 90 kW (122 PS) starken 1,8-Liter angeboten wird.

Sehr sicher und fahraktiv

Schon die Limousine, GTS und Signum überzeugen durch ihr sowohl komfortables als auch extrem fahrsicheres Fahrwerk, dass sowohl eine gelassene ruhige Gangart als auch sportliches Fahren erlaubt. Das Fahrwerk des Vectra Caravan kann alles, speziell auf die möglichen hohen Zuladungen abgestimmt, durchweg ebenso gut. So zeigt sich der neue Kombi als ausgesprochen sicheres und fahraktives Auto, das sehr viel Fahrfreude bereiten kann und dank seines langen Radstands besonders fahrstabil ist. Und wie die übrigen Mitglieder der Vectra-Familie, verfügt auch der neue Kombi über alle modernen Sicherheits- und elektronischen Assistenzsysteme. Als Wunschausstattung bietet er das mitlenkende dynamische Kurvenlicht AFL (Adaptive Forward Lighting) mit Bi-Xenon-Scheinwerfern einschließlich statischem Abbiegelicht und auch den komfortablen klimatisierten MultiContour-Fahrersitz. Eine überzeugende Ergänzung und Abrundung der Vectra-Familie, deren Preise bei 22 995 Euro beginnen.

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