Schule : Der Langstrecken-Sprinter

Das Peugeot 407 Coupé sieht bissig aus – ist aber in Wahrheit ein leises Auto für entspannte Reisen

Stefan Jacobs

Sie nennen sich „die Löwenmarke“ bei Peugeot, aber sie scheinen eher Fische im Sinn zu haben. Und zwar Raubfische, wie sich am neuen Coupé der 407er-Baureihe zeigt. Denn das hat zusätzlich zum bekannten Haifischmaul seitliche „Kiemen“ in der Stoßstange. Da wäre eine Heckflosse nur konsequent, aber ein Blick beruhigt: keine pubertären Verzierungen. So lauert das Coupé auf die Probefahrt: flach, breit, mit schnörkellosen Linien. Und mit einem Grinsen ums Maul, als könne es Träume erraten. Männerträume von Freiheit und Abenteuer. Man könnte auch sagen: Spinnereien. Deshalb empfiehlt es sich, diesen Test gemeinsam mit einer Kollegin zu unternehmen, der der Nutzwert wichtiger ist als das Tempo. Drei Motoren bietet Peugeot an; wir fahren die stärkeren beiden: einen Drei-Liter-Benziner mit 155 kW (211 PS) und Sechsgang-Schaltgetriebe sowie einen 2,7-Liter-Diesel mit 150 kW (204 PS) und serienmäßiger Sechsstufen-Automatik.

„Mieft innen gar nicht wie andere neue Autos“, ruft die Kollegin, vergibt den ersten Pluspunkt und braust in ihrem Auto davon. Sie hat die Diesel-Version, auf halber Strecke werden wir tauschen. Bis dahin ist Zeit, es sich auf dem Fahrerplatz gemütlich zu machen, auf dem alles passt wie maßgeschneidert. Nichts zwickt, alles sitzt da, wo man es vermutet – auch wenn man die Knopfsammlung rund ums Radio nicht sofort überblickt. Die Materialien – weiche Kunststoffe, Leder und Aluminiumleisten – wirken edel.

Der Motor ist kaum zu hören. Seine Leistung fühlt sich nicht ganz so gewaltig an, wie sie auf dem Datenblatt erscheint. Das mag daran liegen, dass es den Autos geht wie den Menschen: Sie werden immer größer und dicker. Das gilt auch fürs 407er Coupé, das so lang ist wie ein E-Klasse-Mercedes und so schwer wie zwei Twingos. So kann man zwar mit Tempo 60 im sechsten Gang gemütlich hinter einem Lastwagen herbummeln, aber wenn man ihn zügig überholen will, schaltet besser zwei Gänge zurück.

Auf der Autobahn wundert man sich dagegen, wenn die Tachonadel plötzlich 200 zeigt, obwohl man gar nicht rasen wollte. Das ist einerseits tückisch und andererseits der vielleicht beste Qualitätsbeweis des Autos: Man muss noch nicht einmal das Radio lauter drehen, weil sich zum Rollgeräusch nur ein sachtes Motorbrummen gesellt. Aber weder pfeift der Wind an den rahmenlosen (und aus dämmendem Verbundglas gefertigten) Seitenscheiben, noch wird das Auto flatterig. Der gute Eindruck ist auch der Lenkung zu verdanken, die bei jedem Tempo ein genaues Gefühl für die Straße vermittelt, statt widerstandsloses Kurbeln zu erlauben. Ähnliche Perfektion erreicht das Fahrwerk, das selbst an der Grenze zwischen sehr schnell und zu schnell keine Schaukelei zulässt, aber auch nicht jeden Kieselstein meldet. Wer das will, kann die Federung per Knopfdruck härter stellen. Doch selbst dann wird der Peugeot kein Rennwagen, sondern bleibt ein Langstreckengleiter, entspannend wie eine Fahrt erster Klasse im ICE, nur mit besseren Sitzen und CD-Player am Platz.

Die Stadt naht mit Stau und engen Straßen. Auch hier fährt sich der 407er nicht so bissig, wie er aussieht. Weil man nicht so tief sitzt wie in anderen Coupés, behält man den Überblick übers Verkehrsgeschehen, und was man nicht sieht, meldet – zumindest beim Rangieren – die Einparkhilfe. Doch manchmal hilft keine Elektronik: Die extrem flach stehende Frontscheibe bedeutet weit nach vorn gezogene Dachsäulen. Die linke ist in manchem Kreisverkehr oder in leichten Kurven genau im Blickfeld. Das ist kein Peugeot-Problem, sondern ein grundsätzliches moderner Autos, das den Entwicklern noch Arbeit machen wird, ja muss.

Auf dem Parkplatz freut sich die Kollegin gerade darüber, wie das Auto beim Zuschließen die Spiegel anklappt: „Das hat so was Knight-Rider-Mäßiges.“ Am Anfang hat der Peugeot sie genervt, weil der Gurtwarner ständig piepste, obwohl sie angeschnallt war. Wie sich später herausstellte, galt die Ermahnung ihrer Handtasche auf dem Beifahrersitz, die das Auto für einen Mitreisenden hielt. Nachdem das geklärt war, haben sich beide arrangiert. „Irgendwie war er mir zwar zu leise“, sagt die Kollegin, die privat einen alten Mini mit undichtem Stoffdach fährt. „Aber ich habe die Fahrbahn noch gespürt und hatte nicht das Gefühl, eine kleine Frau in einem zu großen Auto zu sein.“

Peugeot preist das Coupé als „vollwertigen Viersitzer“. Zwar kommen vollwertige Frisuren dem Dach hinten recht nahe, aber sonst sitzt man auf allen Plätzen bequem, vorn auch auf sehr langen Strecken. Vier Türen wären praktischer, sagt die Kollegin. Aber dafür baut Peugeot den 407er ja auch als Limousine und Kombi. Das Coupé dagegen soll Herzen erobern. Für den Verstand hat es einen 400 Liter großen, glattflächigen Kofferraum samt geteilt klappbaren Rücksitzen. Nur die Ladeluke ist nicht riesig.

Sei’s drum; der 407er ist für Hedonisten gemacht, nicht für Spediteure. Also Schlüssel getauscht und weiter mit dem Turbodiesel. Der klingt ähnlich dezent wie der Benziner. Aber er fährt sich anders – auch weil es ihn nur mit Automatikgetriebe gibt: Das muss sich beim Tritt aufs Gas erst für einen der sechs Gänge entscheiden. Aber dann startet das Auto raketengleich, selbst an Steigungen. Da wird der Peugeot zum Löwen, wobei er die Kraft ohne Gebrüll auf die Straße bringt, und die Automatik schaltet sanft. An der Tankstelle wird außerdem klar, dass der Diesel selbst mit Automatik der deutlich sparsamere Motor ist.

Die Kollegin, Handschalterin aus Leidenschaft, hat das Automatikgetriebe im Diesel mittels Tiptronic entmündigt, wie sie später erzählt. Alle anderen Arbeiten – Scheibenwischer und Licht einschalten, Sitze einstellen, Spiegel abblenden – delegiert sie gern, aber schalten will sie selber. „Der Peugeot ist keine Rennkugel“, resümiert sie, „eher was Herbes“.

Apropos herb: 28 900 Euro muss man mindestens ausgeben für ein 407er- Coupé. Das ist viel Geld, aber im Vergleich zu den Angeboten der Konkurrenz ein guter Preis. Also: Kaufen oder nicht? „Kaufen!“, sagt die Kollegin. Aber erst sparen. Das Auto steht neben ihr und grinst.

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