Schule : Der Lenker geht. Die Autos bleiben

Bernd Pischetsrieder muss die Bühne verlassen. Am aktuellen Angebot liegt es nicht: Ein Blick auf die Modelle, die ein neuer Vorstandschef übernimmt

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KLEINWAGEN

Je kleiner das Auto, desto mehr wird Volkswagen seinem Namen gerecht. Das kleinste, der Fox, setzte sich mit seinem Erscheinen sofort an die Spitze in der Klasse unter 10 000 Euro. Technisch ist der Fox nichts anderes als ein in Brasilien gebauter Polo. Der Polo selbst ist eines der ältesten Modelle im Programm. 2008 erscheint der neue, im nächsten Jahr läuft er sich in Form des neuen Skoda Fabia schon mal warm. Noch aber zeigt der Oldie Stärke: Er ist Marktführer bei den Kleinwagen – attraktiv gehalten etwa durch die neue supersparsame „Blue Motion“-Variante, durch (Turbo-) Motoren bis 132 kW/180 PS und durch die trendige „Cross“-Version. Mit höher gesetzter Karosse und rustikalen Anbauteilen macht sie optisch auf Geländewagen.

KOMPAKTKLASSE

Und dann der Golf – das Auto, das der gesamten Klasse den Namen gab, das schon dafür sorgte, dass „Golfsburg“ geschrieben wurde statt Wolfsburg. Es beherrscht den Markt in Deutschland souverän, aber das Volk murrt: Gegenüber dem Golf 4 bedeutet die Nummer fünf in Optik, Technik und Ausstattung zu wenig Fortschritt. Der Nachfolger soll dann schon 2008 erscheinen – und mehr Emotion ausstrahlen, von Weitem als neu zu erkennen sein. Bis dahin müssen neue Versionen die Fahne hochhalten: der höhere und geräumigere Golf plus, ein Cross-Golf nach dem Muster des gleichnamigen Polo, dazu der bald startende, besonders sparsame Golf Blue Motion.

Der Golf ist Organspender für einen ganzen Strauß von Ableitungen. Der Jetta, die Stufenheckvariante, läuft gut in den USA und in einigen weiteren Ländern, bei uns aber unter „ferner liefen“. Der Touran ist dafür Marktführer in seiner Klasse der Kompaktvans. Dazu der New Beetle, ebenfalls in Mexiko gebaut, in der Hauptsache für die USA. Hier lebt die Fangemeinde für den alten Käfer, der neue galt etliche Jahre als außerordentlich trendy. Bei uns hat sich um den Retro-Käfer nie ein Kult entwickelt, sein Glanz verblasste schnell.

Der Open-air-Beetle geht als Nachfolger des unvergessenen offenen Golf nicht durch: Dazu ist er zu teuer (ab 20 775 Euro). Für den neuen Eos, ebenfalls mit Golf-Technik, gilt dies noch mehr: ab 25 950 Euro. Sein ingeniöses Glas-, Schiebe- und Klappdach indes überzeugt, er wurde gerade diese Woche mit dem „Goldenen Lenkrad“ geehrt. Der Absatz entwickelt sich prächtig: Im Augenblick ist der Eos das Cabrio mit den höchsten Verkaufszahlen in Deutschland.

MITTEL- UND OBERKLASSE

Eine Erfolgsstory auch der Passat: Platz zwei in der Zulassungshitliste. Weniger gut sieht es nach wie vor beim Phaeton aus: Mit der Luxuslimousine und Volkswagen musste zusammenwachsen, was nicht zusammengehört. Der Verkauf dümpelt auf der Hälfte der Zahlen, die Audi und BMW mit dem A8 und dem 7er erreichen, der Abstand zur Stuttgarter S-Klasse ist noch größer. Immerhin gelingt es, die Manufaktur in Dresden mit Bentley-Teilen halbwegs auszulasten. Bentley nebenbei ist der einzige Hersteller, der in der Superluxusklasse Geld verdient – bei BMW mit Rolls Royce wie bei Mercedes-Benz mit Maybach raufen sich die Finanzchefs die Haare.

VANS, SUV UND TRANSPORTER

Dickes Geld verdient Volkswagen auch mit dem Touareg: Er gehört im Verkauf zur Spitzengruppe der Geländewagen. Der Marktsektor verspricht so viel, dass VW 2008 ein weiteres kleineres Offroad-Modell nachschiebt, den Tiguan. Elf Jahre alt dämmert der Sharan seinem Ende entgegen, jüngst durch eine Flüssiggasvariante aufgefrischt. Gut im Geschäft ist Volkswagen mit seinen Nutzfahrzeugen. Der Caddy, die Einfach-Ausgabe des Touran, läuft prächtig, der Transporter ist Marktführer, der Crafter ein viel versprechender LT-Nachfolger.

WAS KOMMT UND WAS WAR

Volkswagen versucht, die laufenden Modelle attraktiv zu halten: Von Blue Motion- und Cross-Versionen war schon die Rede, Touran und Touareg werden demnächst optisch aufgepeppt, der Tiguan kommt und ein neues Golf-Coupé mit dem alten Namen Scirocco (als Studie „Iroc“ jüngst in Berlin enthüllt). Vom Golf wird ein Kombi erwartet, vom Passat eine Sechszylinder-Sportversion R 36 mit voraussichtlich 221 kW/300 PS.

Meilensteine setzte Volkswagen zuletzt mit dem Doppelkupplungs-Getrieb, der Benzin-Direkteinspritzung FSI und dem doppelt aufgeladenen TSI-Motor. Etwas länger zurück liegen die legendären Diesel-Erfolge VWs: Der TDI ist der Urvater der modernen Direkteinspritzer-Diesel. Im Golf kam 1976 der erste kleine Großserien-Diesel zum Einsatz.

GLOBAL GESEHEN

VW ist in Europa gut aufgestellt – was fehlt, ist ein preisgünstiges, aber dennoch lifestyliges Kleinstmobil, das junge Kunden binden könnte: Nicht länger als 3,50 Meter, nicht teurer als 8 000 Euro. In den USA bleibt der Absatz weit hinter goldenen Zeiten zurück, als man im Jahr eine halbe Million Käfer verkaufte. Mexiko ist Käfer-Land, in Brasilien ist Volkswagen mit Schwerlastwagen Marktführer – ein wichtiger Punkt bei den Verhandlungen mit Scania und MAN. In Südafrika bauen sie den Ur-Golf 1. Der Erfolg in China wird zunehmend bedrängt durch Japaner und Koreaner sowie die einheimische Konkurrenz. In weiten Teilen Südamerikas, in Afrika, Australien, und vor allem im Fernen Osten stellt nicht VW die Volks-Wagen; das Massengeschäft machen da andere, preiswertere Marken. Hier wird sich entscheiden, ob VW seine Stellung unter den fünf größten Automobilbauern der Welt auf Dauer halten kann.

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