Schule : Der Lieblingslehrer

Das letzte Schuljahr endete am Zehlendorfer Schadow-Gymnasium mit einer schweren Entscheidung: Auf Initiative des Abiturienten Maximilian Pernice und einiger Mitschüler wählte die gesamte Schülerschaft den "Magister Primus“. Sieger wurde der 41-jährige Sven Eckermann, der "jeden Klassenraum mit Sonnenschein flutet“, wie es eine überschwängliche Laudatorin ausdrückte.

Warum haben Sie Ihrer Einschätzung nach den Magister-Primus-Titel verdient?

Ich bin berechenbar und nicht nachtragend, trotzdem habe ich hohe Anforderungen. Schüler können mich gut einschätzen. Wenn jemand etwas falsch gemacht hat, werden dafür die Konsequenzen gezogen. Danach ist der Vorfall dann aber auch vergessen.

Haben Sie einen Leitsatz, den Sie jeden Tag mit in den Unterricht nehmen?

Nicht direkt einen Leitsatz. Aber ich baue gern Alltagsbezüge in den Unterricht ein. Den Schülern soll der Kontext, in dem die Dinge stehen, begreiflich werden. Außerdem experimentieren wir sehr viel. Damit lassen sich die Schüler gut motivieren.

Haben Sie nach der Wahl den Neid von Kollegen gespürt?

Natürlich gibt es die eine oder andere Bemerkung, die in die Richtung gehen könnte. Aber eigentlich war die Resonanz sehr positiv.

Gab es auch Lehrer, die Sie nach Tipps für ihren eigenen Unterricht fragten?

Nein, bei uns in den Naturwissenschaften arbeiten wir sowieso sehr eng zusammen und schauen regelmäßig in den Unterricht der anderen. Aber ich bekam zu Beginn meiner Referendarzeit einen sehr wertvollen Tipp von meinem Fachseminarleiter und späteren Kollegen, den ich nur jedem Lehrer weiterempfehlen kann: sich ein Hobby anzuschaffen. Bei mir sind es Haus, Garten und eigene Tiere. Ich denke, man braucht einen guten Ausgleich, um die Vorkommnisse in der Schule richtig zu gewichten.

Gehen Sie als Magister Primus jetzt besonders motiviert an die Arbeit?

Ich war schon immer gerne Lehrer – trotz der steigenden Belastung. Ich arbeite gerne mit Schülern. Das macht mir Spaß, und da brauche ich nicht weiter motiviert zu werden.

Im Vorentscheid wurden Sie von Ihren Schülern interviewt. Waren Sie aufgeregt?

Ja, das war für mich eine neue Erfahrung. Man staunt über die Dinge, die man sagt. Naturwissenschaftler sind oft keine Meister des gewandten Wortes.

Und wie war das Gefühl, als Ihr Name bei der Preisverleihung genannt wurde?

Ich wusste, dass ich bei der Wahl gut abgeschnitten hatte. Über den 1. Platz war ich letztlich doch überrascht. Die Tragweite dieser Preisverleihung wurde mir erst in den nächsten Tagen bewusst. Ich habe mich wirklich gefreut über so viel positive Resonanz.

Denken Sie, dass Ihre Kollegen jetzt motivierter in die Schule gehen, um eine Chance auf den Magister Primus zu bekommen?

Das glaube ich nicht. Aber die Arbeit der Lehrer findet in der Öffentlichkeit häufig wenig Anerkennung. Mit der Wahl haben die Schüler gezeigt, dass dem schlechten Ruf des Lehrers durchaus etwas entgegengesetzt werden kann. Dieses Beispiel sollte in den Medien Schule machen, da Lehrer – wie alle anderen Menschen auch – durch Anerkennung eher zu motivieren sind als durch ständige Kritik. Insofern denke ich schon, dass Lehrer, nicht nur die Kollegen meiner Schule, sich über die Anerkennung ihrer Arbeit in solchen Berichten freuen und motiviert fühlen.

Sie geben Ihren Schülern ja gern Spitznamen. Was ist Ihrer?

Für die Kollegen bin ich der Ecki, für manche auch der Irre aus der Chemie, weil ich nicht alles so bieder angehe. Man kann auch Spaß am Unterricht haben!

Das Gespräch führte Louisa Hantsche, 17. Sie schreibt für das Jugendmagazin „Spießer“.

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