Schule : Der Lückenfüller

Citroën bringt mit dem C1 sein kleinstes Modell auf den Markt – derzeit aber nur als Benziner

Ingo Wolff

Der Kofferraum gibt sich störrisch. Der neue Terracotta-Topf passt beim besten Willen nicht in den Spalt zwischen Sichtabdeckung und Ladekante. Also muss der Topf zwangsläufig die Rolle des Beifahrers einnehmen. Gurt rum und aufgemacht zum kurzen Weg zwischen Baumarkt und Dachterrasse. Als Beifahrer ist der Topf natürlich weniger geeignet als ein lebendes Wesen, aber allemal besser als allein im Auto. Das Leben eines Singles verlangt gelegentlich Kompromisse und da ist der C1 genau das Richtige. Ein Stadtauto, das wenig Platz bietet, aber auch wenig Platz braucht und dafür mit vielen kleinen Finessen daher fährt.

Der neue Citroën C1 ist kein Laster, das ist auf den ersten Blick klar. Er ist ein Auto für Solisten. Eine kleine schnucklige Kugel, die Ästheten anspricht und auf eine Zielgruppe ausgerichtet ist: den Alleinunterhalter. Wer lieber mit jemandem reden möchte, kann das im C1 sicher auch zu zweit tun – mit einer spaßbereiten Runde auch mal zu viert. Man sollte aber nicht in Diskussionen über das Gepäck verfallen. Ein Koffer, wie er als Handgepäck für Flieger zugelassen ist, lässt sich nur mit Mühe im Kofferraum unterbringen. Für die zweite Tasche oder einen Wasserkasten muss schon die Sichtblende ausgehebelt werden.

Ist aber alles verstaut, kann das Fahrvergnügen beginnen. „Lasst uns zum Strand fahren.“ Drei dickliche Männer drängeln sich in das kleine Auto. Das Einsteigen auf die Rückbank gelingt ungewöhnlich schmerzfrei. Die hinteren Einstiegsmöglichkeiten sind beim Fünftürer erstaunlich groß und komfortabel. Die Türen sind elegant in die Karosserie eingelassen und auf den ersten Blick kaum als solche zu erkennen. Sie enden an der Heckklappe. Während es draußen unangenehm heiß ist, lässt es sich drinnen mit der aufpreispflichtigen Klimaanlage prima aushalten. Der Platz ist zwar nicht üppig, aber auch keine Qual. Es sind ja nur ein paar Handtücher, die mit ins Auto müssen.

Auf dem Weg zum Strand, durch die enge überfüllte Innenstadt, zeigt der C1, was er unter seiner kleinen, lustig gestalteten Motorhaube hat. Ein verbrauchsarmer, 68 PS starker Motor hängt an den Ampeln sogar die alten Mopeds ab. Dafür jault der Motor aber schmerzhaft auf. Die Last scheint ihn zu erdrücken. Leider hört das laute Geräusch des Motors nahezu nie auf. Egal ob Autobahn mit Tempo 130, beim genüsslichen Cruisen auf der Landstraße oder sparsamen Herumkurven in der Stadt: wie ein Kind, dem man die tiefe laute Stimme nicht zutraut, brüllt das Motorengeräusch unangenehm auf.

Das dämpft das Vergnügen, das das ungewöhnlich gestaltete Cockpit bietet. Ein Drehzahlmesser, der wie ein Lollipop aus dem Amaturenbrett herausguckt, und eine ostereiförmige Mittelkonsole geben dem C1 ein schwungvolles inneres Gesicht. Nur der schwarze Untergrund des Cockpits spiegelt sich bei starkem Sonnenschein auf der Frontscheibe. Der Blick durch auf die Straße gleicht der Sicht durch ein Fischernetz. Da muss Citroën für sein kleinstes Modell noch Nacharbeit leisten.

Wer sich von der Sonne nicht blenden lässt und nicht lärmempfindlich ist, kann mit dem C1 viel Spaß haben. Die Anschaffungskosten sind moderat, der Verbrauch selbst beim Härtetest sparsam.

Ein Blickfang ist dabei das runde Hinterteil und der große Abstand zwischen Vorder- und Hinterrad. „Das entspricht dem allgemeinen Schönheitsempfinden“, sagt Donato Coco. Vielleicht hat der französische Designer beim modellieren an lange Beine gedacht, vielleicht hat er sich aber auch nur selbst ins Gesicht geschaut. Coco hat große leuchtende Augen, einen lachenden Mund und eine breite runde Stupsnase. Doch egal, ob er sein Gesicht oder lange Beine als Vorbild für den C1 genommen hat, in jedem Fall ist ihm mit dem Aussehen des kleinen Citroën ein ästhetisches Wunder gelungen.

Da der Wagen zusammen mit dem Toyota Aygo und dem Peugeot 107 in dem tschechischen Werk Kolin gebaut wird, musste es eine große Überschneidung für die drei Marken geben. „Es ist schon nicht leicht, alleine ein gutes Design zu finden. Sich mit einem Partner zu einigen, ist extrem schwierig“, sagt Coco. „Aber mit drei Firmen ist das eigentlich unmöglich.“ In Zukunft werden in Kolin 300000 Wagen jährlich produziert, für jedes Unternehmen ein Drittel. Rund 10000 Modelle des C1 sollen davon auf den deutschen Markt kommen und die Kleinwagenserie von Citroën mit C2 und C3 von unten aus auffüllen.

Doch nicht nur Schönheit bewegt den Autodesigner, er verlangt von seinem Modell auch eine praktische Seite. „Wir haben bei dem Wagen auf geringe Reparaturkosten geachtet“, sagt Coco. „Die Kotflügel sind ausklippbar. Da sie nicht Teil der Karosserie sind, ist ein kleines Anstoßen kein großes Problem.“ Er hat dabei wohl vor allem an den Pariser Einparkverkehr gedacht. Wer es mit leichtem Anstupsen und kleinen Ausmaßen immer noch nicht in die Lücke schafft, kann sich für den C1 gegen Aufpreis sogar eine Einparkhilfe von Citroën einbauen lassen. Einen Parkplatz findet man mit dem C1 so selbst am überfüllten Strand.

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