Schule : Der Parkmuffel-Versteher

VW hat den Touran kerniger gemacht und hilfsbereiter – findet der Van einen Platz am Straßenrand, fährt er selbst in die Lücke

Ingo Wolff

Das erste Mal ist es ein bisschen unheimlich. Die Hände haben das Lenkrad zögernd losgelassen. Nur die Füße sind noch da, wo sie im Auto hingehören. Dann gibt der rechte Fuß etwas Gas, und der VW Touran setzt sich langsam rückwärts in Bewegung. Plötzlich dreht sich das Lenkrad wie von Geisterhand nach rechts. Dann wieder nach links, und schon ist der Touran in der Parklücke angekommen. Die Hand will unwillkürlich wieder ans Steuer. „Lassen Sie das Lenkrad los!“, der Beifahrer von Volkswagen ist ein bisschen streng. „Sonst bricht er den automatischen Einparkvorgang ab.“

Der Fuß, der eben schon fast vom Gaspedal runter war, drückt noch einmal nach unten und lässt den Van wieder rollen. „Fahren Sie weiter, bis Sie einen Dauerton hören.“ – „Jetzt bremsen.“ Wow, das war knapp. So viel Automatismus schaltet die über Jahre eingeübten Reflexe ab. Nun noch einmal nach vorne rollen, dann steht der Wagen perfekt in der Parklücke. Der Betreuer, den Volkswagen bei den Anfangsversuchen mit der ersten automatischen Einparkhilfe mitfahren lässt, sitzt noch immer entspannt auf dem Beifahrersitz. Anders als der Fahrer. Aber das ist der VW-Mann schon gewohnt. „Ist doch bequem, oder?“

Tatsächlich baut VW für Parkmuffel in den neuen Touran gegen Aufpreis ein Hilfsmittel ein, das weit mehr ist als nur ein Spielzeug. Da Volkswagen mit dem Van vor allem Familien und ältere Fahrer anspricht, ist der neuartige Parkassistent für die Zielgruppe eine wertvolle Hilfe. Nicht nur Frauen, die mit dem großen Wagen und einigen Kindern auf der Rückbank unterwegs sind, würden laut Volkswagen nach solch einem Mittel fragen, auch ältere Menschen wünschen sich neben einer Rückfahrkamera ein Werkzeug, um passende Parklücken zu finden und die dann auch richtig anzusteuern.

Doch selbst immer mehr Männer, die sich für einparktauglich halten, hätten Spaß an diesem Assistenten, betonen die VW-Entwickler. Mit der automatischen Berechnung ist keine Korrektur in der Parklücke mehr nötig, die Technik spart also Zeit, da der Einparkvorgang nur 15 Sekunden benötigt, und damit auch etwas Energie. Allerdings hat sie einen Haken. Für Minilücken im Berliner Stadtverkehr ist sie nur mäßig geeignet. Der „Park Assist“ des meistverkauften Van in Deutschland braucht für den ohnehin schon 4,40 Meter langen Wagen noch 70 Zentimeter zusätzlich Platz vorn und hinten. Das sind immerhin 1,40 Meter. Parklücken müssen so fast sechs Meter lang sein. Viel Spaß also beim Suchen. Aber auch das macht das System automatisch. Ultraschall sucht bei einer Geschwindigkeit bis 30 km/h die Lücken am Straßenrand in einer maximalen Entfernung bis 1,5 Meter ab und sendet an den Fahrer ein Signal, wenn er eine Lücke gefunden hat. Dann startet dieser mit einem Knopf das Programm, das den optimalen Einparkweg berechnet, und lässt das Lenkrad los.

Doch nicht nur diese Technik ist neu. VW hat eine deutlich überarbeitete Neuauflage des Touran am 28. September im Vorfeld des Pariser Autosalons vorgestellt. Nach dem Verkaufsstart Ende November rollen seit einigen Tagen nun die ersten neuen Tourans auf den Straßen. Das neue an der Außenpartie fällt verstärkt in dieser Jahreszeit auf: An der Front ist das neue Modell unter anderem an Scheinwerfern im Stil des Coupé-Cabrios Eos zu erkennen. Doch auch die eher im Hellen sichtbaren Stoßfänger und der Kühlergrill wurden verändert.

Unter der Karosse hat sich ebenfalls etwas getan. Neu sind die aufgeladenen TSI-Motoren. Top-Motorisierung bei den Benzinern ist der sogenannte Twincharger 1.4 TSI, der zuerst im Golf GT eingesetzt wurde. Er wird durch einen Kompressor und einen Turbolader doppelt „aufgeladen“. Ein flottes Gefährt, das den Van zu einem spaßbringenden Familienwagen macht. Ab dem Frühjahr wird zusätzlich ein Twincharger-Aggregat mit 125 kW (170 PS) auf den Markt gebracht. Außerdem gibt es ein Erdgasmodell. Der EcoFuel erinnert beim Test allerdings eher an einen Kleintransporter. Er ruckelt und dröhnt. Auch das Gaspedal vibriert unangenehm.

Dafür ist der Innenraum schnucklig. Alle drei Ausstattungslinien wurden etwas aufgewertet und wirken gediegen. Auf den ersten Blick zeigt sich die Familientauglichkeit. Der Touran wird als Siebensitzer angeboten – alles Einzelsitze, die auch ohne große Anleitung einfach zu verschieben und auszubauen sind. Fast die Hälfte der Tourankunden hat sich bisher beim Kauf für diese Variante entschieden. Wer generell aber nur fünf Sitze braucht, bekommt den Touran auch so und dazu dann einen großen regulären Kofferraum. Macht man den Touran zum Zweisitzer, passen fast genau 2000 Liter hinter Fahrer und Beifahrer. Ein lastentaugliches Auto, das bequem und schnell auf der Straße unterwegs ist.

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