Schule : Der Speck soll weg

Autobauer setzen große Hoffnung in den Werkstoff Magnesium, denn er ist leicht und fest

Christine Decker

Das liebste Kind der Deutschen soll abspecken. Aber nicht wegen des äußeren Scheins, sondern aus Kostengründen. Denn schwere Autos verbrauchen mehr Sprit und jedes gesparte Kilo zahlt sich später an der Zapfsäule in barer Münze aus. Schon eine Gewichtsreduktion um hundert Kilo senkt den Benzinverbrauch um etwa einen halben Liter auf hundert Kilometer, weiß man beim Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Uni Hannover. Möglichst leicht ohne dabei Abstriche an die Stabilität zu machen, sollen deshalb die Fahrzeuge heutzutage sein. Immer öfter rückt dabei ein Metall ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Forschern und Automobilherstellern, das eben jene Anforderungen optimal zu erfüllen scheint: Magnesium. Es ist leichter als Aluminium, schöner als Kunststoff und von hoher Festigkeit. Deshalb werden Magnesium im Fahrzeugbau große Zeiten prognostiziert – vorausgesetzt, die derzeitigen Probleme in Herstellung und Verarbeitung lassen sich lösen.

Entdeckt wurde das Element Magnesium bereits vor 250 Jahren und zwar vom britischen Chemiker Joseph Black. Ab 1913 wurde Magnesium im Flugzeugbau eingesetzt, denn schon damals hatte man die Vorteile des edlen Metalls erkannt: leicht und dennoch stabil. „Im Vergleich zu Stahl spart Magnesium 50 Prozent an Gewicht, Aluminium hingegen nur 30 Prozent“, erklärt Oliver Vogt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des IFUM. „Magnesium hat eine geringere Dichte, deswegen sind die Teile zwar dicker als Stahlteile, aber trotzdem leichter.“ Der Haken an der Sache: „Magnesium ist spröde. Deswegen kann es für crash-relevante Teile nicht verwendet werden“, sagt Vogt. „Hier werden weiterhin Stahlbleche benötigt.“ Doch für so genannte ,Hang On Parts’ wie Kotflügel, Motorhauben, Heckklappen oder Türen sei Magnesium wiederum sehr gut geeignet, fügt Professor Bernd-Arno Behrens, Direktor des Instituts, hinzu.

Auch im Automobilbau hat Magnesium schon eine lange Tradition – bereits der VW Käfer hatte Magnesium im Getriebe. Heute besteht das Getriebegehäuse des Golf aus dem „Wundermetall der Zukunft“ wie der Stahlhersteller Thyssen-Krupp den Stoff betitelt. Bei BMW steckt Magnesium im Sechs-Zylinder-Motor, bei Chevrolet in den Radträgern. Und weil es zudem auch noch gut aussieht, haben Magnesiumteile auch schon im Fahrzeuginnenraum Einzug gehalten. Bedienknöpfe und die Blende in der Mittelkonsole des Carrera GT sind beispielsweise daraus.

Versorgungsengpässe sind deswegen nicht zu erwarten, denn Magnesium ist nach menschlichem Ermessen unbegrenzt verfügbar. Fast zwei Prozent der Erdoberfläche besteht aus magnesiumhaltigen Gesteinen und auch aus Meerwasser kann es gewonnen werden.

Hauptproblem derzeit: die kostengünstige Herstellung von Magnesiumblechen. Die konventionelle Herstellung, bei der die Bleche in einem langwierigen Verfahren aus massiven Blöcken gewalzt werden, ist teuer. Deswegen arbeiten Hersteller und Forscher gemeinsam an der Entwicklung von Alternativen. Denn erst, wenn die Bleche billiger werden, wird die Verwendung auch für Automobilhersteller attraktiver. Wird mehr nachgefragt, können größere Mengen billiger produziert werden. Und da sich Magnesium sehr gut wiederverwerten lässt, können so die Herstellungskosten weiter gesenkt werden. Schließlich soll sich die Diät fürs Auto ja auch auszahlen.

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