Schule : Der Unsterbliche – Glückwunsch, Sir Alec!

Heute hätte der Erfinder des Mini 100. Geburtstag gefeiert– und pünktlich dazu kommt das neue Modell zu den Händlern

Eric Metzler

Was würde Sir Alec Issigonis wohl sagen, könnte er nach vornehmer Probefahrt aus dem neuen Mini steigen? „Was habt ihr getan, ihr Halunken!“ Oder einfach nur „Wow“? Für die kurze Variante spricht vieles: BMW rollt an diesem Samstag die Neuauflage des Kultmobils in die Autoläden und darf mit Applaus rechnen: Designer und Ingenieure haben den Wagen nicht verschlimmbessert, sondern perfektioniert. Technisch macht der Mini einen Riesensprung, endlich hat er Motoren mit ausreichend Schmackes. Die optischen Veränderungen erschließen sich eher auf den zweiten Blick.

Beginnen wir unterwegs: Der komplett neu entwickelte 1,6-Liter-Turbo für den Cooper S entfacht einen Schub, den man einem Motor so kleinen Hubraums nicht zutraut. Die Zahl der Pferdestärken, 175, sagt darüber nicht allzu viel aus; was zählt, ist die gefühlte Leistung, das spontane Antreten, die Vehemenz, mit der sich die Maschine schon bei niedrigen Drehzahlen auslebt. Zwischen 1600 und 5000 Touren stehen konstant 240 Newtonmeter zur Verfügung – nicht übel, vor allem, weil das Fahrzeug die gesteigerte Kraft sicher auf die Straße bringt. Bei kleinen, hochtrainierten Fronttrieblern ist das nicht selbstverständlich. Da zerrt es schon mal mehr am Lenkrad, als einem lieb ist; als Beispiel sei der kürzlich vorgestellte Mazda3 MPS genannt.

Anders der Mini: Der zieht seine Spur ohne Zucken und Zittern, ein Verdienst auch der präzise arbeitenden Servolenkung, deren Elektromechanik je nach Tempo mehr oder weniger Handarbeit des Fahrers verlangt. In Verbindung mit dem agilen, aber nicht unbotmäßig harten Fahrwerk ist jede Kurve ein Vergnügen. Und weil der oft bemühte Vergleich nun mal stimmt, muss er auch an dieser Stelle herhalten: Mit dem Mini macht Go-Kart-Fahren unglaublichen Spaß.

Das gilt schon für den günstigeren Cooper ohne S in der Modellbezeichnung. Auch er steht ab heute bei den Händlern. Dem Vierzylinder fehlt der Turbo, er hat ebenfalls 1,6 Liter Hubraum, bietet 120 PS. Getüftelt hat Mini vor allem an der Ventilsteuerung des Aggregats. Herausgekommen ist genügend Temperament, um keinen Neid gegenüber dem stärkeren Bruder aufkommen zu lassen. Ohnehin mangelt es Mini-Käufern ja nicht an Selbstbewusstsein – stehen sie doch auf ein extrem auffälliges und, Widerspruch zwecklos, begrenzt praktisches Mobil. Der Mini polarisiert schon in der Familie: Bei der allerersten Kaufdiskussion am Frühstückstisch ist er entweder als Favorit gesetzt oder er kommt erst gar nicht aufs Tablett.

Das erklärt den Erfolg des Mini und den Zwang, dem sich BMW bei jeder Überarbeitung gottlob aussetzt. Wehe, wir beschädigen durch allzu forsches Tun den Kern der kostbaren Marke! Das Wesen des Autos ist unantastbar. Was immer im Großen und im Detail entwickelt wird, hat sich dem unterzuordnen. Innen gibt es nun bessere Materialien und einen noch größeren Tacho (siehe Kasten rechts). Außen fehlen vorne die eigenständigen Blinker, die nun in den Scheinwerfern sitzen. Um die neuen Motoren unterzubringen und höhere Sicherheitsanforderungen beim Fußgängerschutz zu erfüllen, musste der Mini (um sechs Zentimeter) wachsen, vor allem vorne; die Motorhaube wurde angehoben. Der Fan merkt davon wenig, denn die Proportionen wurden gewahrt. Kubisch, tiefer Schwerpunkt, breite Spur und die Räder weit in den Ecken der Karosserie. So hat Sir Alec ihn 1959 gezeichnet. Glückwunsch!

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