Schule : Der Verwandlungskünstler

In wenigen Wochen geht die zweite Generation des Opel Zafira an den Start. Der Kompaktvan mit sieben Sitzen bietet jetzt noch mehr Platz, ein frisches Design und pfiffige Details

Roland Koch

Das definitiv coolste am neuen Zafira ist sein Schlüssel, der eigentlich gar keiner mehr ist. Ein kleiner schwarzer Kunststoff-Nugget, der locker in die Taschen einer Jeans passt, ohne mit einem Schlüsselbart zu pieksen, ist davon übrig geblieben. Und ist er erst einmal in der Hosentasche verstaut, kann er da auch getrost bleiben. „Open & Start“ nennt Opel sein neues System, mit dem sich Türen und Heckklappe automatisch öffnen lassen, sobald der Fahrer in der Nähe des Autos ist. Einfach so. Die Hitliste cooler Auto-Accessoires dürfte damit einen neuen Spitzenreiter haben.

Nun gut, ganz neu ist diese Erfindung nicht. Auch andere Hersteller haben sie im Programm. Aber das 420 Euro teure Detail zeigt, wohin die Reise bei Opel derzeit geht. Aus den lange Zeit als bieder gebrandmarkten Familienkutschen werden optisch und technisch frische Fahrzeuge – und der in Bochum gebaute Familienvan legt die Messlatte für die Konkurrenz jetzt ziemlich hoch.

Als der Zafira 1999 in der ersten Generation auf den Markt kam, waren die Konstrukteure auf das variable Sitzsystem mächtig stolz. Zusätzlich zu den fünf Standardplätzen haben sie zwei weitere im Kofferraumboden versteckt. Sie lassen sich mit wenigen Handgriffen herausziehen und auch wieder wegklappen. So bekommt man ein Auto mit zwei bis sieben Sitzen, ohne irgendetwas aus- oder einbauen zu müssen. Denn eingeklappt bilden die beiden Extraplätze den völlig ebenen Kofferraumboden.

Diesen Pluspunkt haben die Opelaner natürlich auch in der neuen Generation, die ab dem 9. Juli ausgeliefert wird, beibehalten. Dank elf Zentimeter mehr Gesamtlänge wuchs das Ladevolumen sogar noch auf 645 Liter. Klappt man die Rücksitzbank um, wird der 4,46 Meter lange Familienvan zum großzügigen Packesel: Er fasst dann maximal 1820 Liter, das sind 120 Liter mehr als beim Vorgänger.

Zusätzlich gibt es je nach Ausstattung rund 30 Staufächer. Besonderer Clou: Fünf davon findet man auf Wunsch über den Köpfen der Insassen. Für 1200 Euro ist nämlich ein Glas-Panorama-Dach erhältlich, dessen vier große Glasflächen den Innenraum besonders hell werden lassen. Im Mittelteil des Panorama-Dachs sind die Staufächer integriert, in denen sich von der Sonnenbrille bis zum (kleineren) Kuscheltier so manches unterbringen lässt.

Viel Auswahl bietet der Bestseller Zafira, der mittlerweile insgesamt 1,4 Millionen Mal verkauft wurde, auch bei den Motoren. Zum Start stehen vier Benziner und drei Diesel zur Wahl. Das Leistungsspektrum reicht von 74 kW (100 PS) bis 147 kW (200 PS). Im Herbst kommt noch eine Hochleistungsversion mit 176 kW (240 PS) dazu. Im kommenden Frühjahr wird es die umweltfreundliche Erdgasmotorisierung auch im neuen Zafira wieder geben. Die Dieselmodelle sind bereits jetzt allesamt mit Rußpartikelfiltern ausgestattet.

Für ein erstes Kennenlernen stellte Opel dieser Tage den 1.9 CDTI-Dieselmotor mit 88 kW (120 PS) und 110 kW (150 PS) sowie das derzeitige Spitzenmodell, den 200 PS leistenden Zwei-Liter-Turbobenziner, vor. Auf den kurvenreichen Landstraßen Südschwedens sollten die Aggregate zeigen, dass der Kompaktvan nicht nur ein vernünftig-funktionales Familienauto ist, sondern überdies eine sportliche Gangart an den Tag zu legen weiß.

Nun mögen’s die Schweden auf ihren Straßen lieber ein wenig geruhsamer. Auf Landstraßen fahren sie zwischen Tempo 70 und 90. Auf der Autobahn höchstens 110 km/h – und da wirkt ein Familienvan mit 200 PS eher übermotorisiert. Kaum streichelt der rechte Fuß das Gaspedal, schon stürmt der Zafira los, als sei er auf einer Rennpiste, kerniger Sound inklusive. Wer es drauf anlegt, kann im dritten von sechs Gängen bis über Tempo 100 beschleunigen. Als Spitzengeschwindigkeit sind 225 km/h angegeben. Der Vierzylinder arbeitet über den gesamten Drehzahlbereich so agil, dass man ständig meint, ihn zügeln zu müssen. Da wird so mancher Sportwagenfahrer künftig seinen Augen nicht trauen. Das aus dem Astra bekannte und für den Zafira modifizierte IDS-Fahrwerk hält den Kompaktvan souverän auf der Straße. Als Durchschnittsverbrauch werden 9,5 Liter angegeben. Die dürfte man bei zügiger Gangart allerdings schnell übertreffen.

Den Zafira gibt’s aber nicht nur als Sportler im Schafspelz. Die beiden vorgestellten Dieselmotoren kommen den Alltagsansprüchen vieler Fahrer wohl eher nahe. In der 120 PS-Version jedoch hält sich die Fahrfreude in Grenzen. Der Motor arbeitet angestrengt und ist deutlich als Selbstzünder wahrzunehmen. In der 30 PS stärkeren Dieselversion lässt er sich sehr viel leichtfüßiger bewegen, kostet dann aber auch 1300 Euro mehr.

Die Verjüngungskur beim Design hat dem Zafira innen und außen gut getan. Die Karosserie wirkt sportlich elegant, unter anderem durch die V-Form von Front und Heck. Die Innenausstattung ist hochwertig, auch wenn das eine oder andere Detail nicht unbedingt aus Kunststoff sein müsste. Das Cockpit ist auf den Fahrer zugeschnitten, mit gut ablesbaren Rundinstrumenten und einer aufgeräumten Mittelkonsole. Dort ist rechts neben dem Lenkrad noch ein neues Detail zu finden: Ein kleiner Knopf mit dem der Motor zum Leben erweckt wird. Auch das gibt’s schon in anderen Autos, aber cool ist es trotzdem.

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