Schule : Die Gene des Nordens

Saab mixt beim neuen 9-3 SportCombi Bewährtes mit Innovativem

Roland Koch

Der schwarze Lack glänzt wie frisch aus dem Ei gepellt, die Räder sind versteckt hinter dem tief heruntergezogenen Karosserieblech. Dessen Form ist der Aerodynamik eines Flugzeugflügels nachgebaut, die rundliche Frontpartie spitzt sich nach hinten hin dramatisch zu. Dieses Auto ist eine Studie, allerdings eine, die nun 58 Jahre alt ist – und wer sie sehen will, muss ins schwedische Trollhättan reisen. Im dortigen Saab-Museum steht der Ursaab, der Prototyp des Saab 92, der erstmals am 10. Juni 1947 vorgestellt wurde. Mit ihm brach eine neue Ära im Automobilbau an. Das schwedische Unternehmen, das bis dahin ausschließlich Militärflugzeuge gebaut hatte, wandte die daraus gewonnenen Ingenieurskünste auf Fahrzeuge für die Straße an.

Die Marke Saab steht seither nicht nur für innovative Autos. Sie war immer auch ein Inbegriff für Qualität. Die Autos für den hohen Norden mussten widrigen Witterungsverhältnissen trotzen und strenge Winter überstehen. Sie sollten bei aller Funktionalität aber auch sportlich und progressiv sein. Jeder Generation neuer Saab-Modelle wurden dabei nicht nur interessante Gene weitervererbt, sie hatte auch selbst immer wieder Neues zu bieten. 1977 zum Beispiel wurde bei den Schweden mit dem Saab 99 das Turbo-Zeitalter eingeläutet, eine Technik, deren Weiterentwicklung heute aus dem Motorenprogramm nicht mehr wegzudenken ist. Im September 2005 geht nun ein weiteres Modell an den Start, der 9-3 SportCombi. Was werden sie diesmal aus dem Hut zaubern?

Zunächst einmal zwei Zentimeter Zuwachs. Die misst der Kombi nämlich mehr als die Limousine, die die technische Basis für das neue Familienmitglied bildet. Mit einer Gesamtlänge von 4,65 Meter ist der 9-3 SportCombi ein ausgewachsenes Mittelklasseauto. Der Radstand von 2,67 Meter ist identisch mit dem der Limousine. Wer allerdings ein Raumwunder erwartet, wird enttäuscht sein. 419 Liter fasst der Kofferraum, maximal sind es 1273 Liter. Das ist ordentlich, aber kein Spitzenwert. Der direkte Konkurrent, der 3er Touring von BMW, hat in dieser Hinsicht die Nase vorn: Das neue Modell der Bayern, das ebenfalls ab September verkauft wird, bietet bei einer Länge von 4,52 Meter ein Gepäckabteil von 460 bis 1385 Liter.

Beengt geht es auch auf den hinteren Sitzen des Saab zu. Wenn Fahrer und Beifahrer einigermaßen bequem sitzen wollen, wird der Platz auf der Rückbank knapp – und das ist sicherlich gewagt angesichts der anvisierten Käufergruppen. Schließlich wollen die Schweden im so genannten Premiumsegment ausreichend Platz für junge Familien mit Kindern oder transportbedürftiges Freizeit-Equipment bieten.

Nein, die Stärken des neuen Saab-Kombis liegen woanders. Das beginnt mit dem Design. Der kompakte 9-3er ist eine gelungene Kombination aus Sportlichkeit und Eleganz. Die Form der Front entspricht der der Limousine. Von der B-Säule ab hat der Fünftürer aber eine völlig neue Karosserie. Ein hinterer Spoiler verlängert das Profil der Dachlinie. Die weiß nach oben gezogenen Rückleuchten sind sicherlich gewöhnungsbedürftig, tragen aber zu einer markanten Formgebung der Heckpartie bei. „Die hinteren Leuchten zeigen das Aussehen reifbedeckter Eisblöcke“, sagt der Leiter des Projektdesigns, Simon Padian. Naja, zumindest unterscheidet es den Saab deutlich von der Konkurrenz.

Im Innenraum entspricht der Kombi der Limousine. Hier gab es auch keinen Grund, irgendetwas zu ändern. Verarbeitung und Materialien sind durchweg hochwertig. Die Bedienelemente so um den Fahrer herum konstruiert, dass er sie jederzeit gut im Blick hat.

Zu den Saab-Stärken zählen ohne Zweifel auch die Motoren. Zum Start stehen fünf Benzin- und zwei Dieselmotoren zur Wahl. Einstiegsmodell bei den Benzinern ist der bekannte 1,8-Liter-Motor, der 90 kW (122 PS) leistet. Mit ihm kostet der schwedische Kombi ab 25 450 Euro. Neu ist das Topmodell, der 2,8-Liter-Sechszylinder, den es in zwei Leistungsstufen gibt: 169 kW (230 PS) hat er in den Modellversionen „Arc“ und „Vector“ zu bieten. Im Spitzenmodell „Aero“ bringt er es auf satte 184 kW (250 PS). In dieser Version kostet der 9-3 SportCombi ab 37 950 Euro und bietet die Fahrleistungen, die man von einem rassigen Premiumauto erwartet. In 6,9 Sekunden beschleunigt er auf Tempo 100, Spitze fährt er 245 km/h. Die leichtgewichtige Aluminium-Konstruktion bietet ein Drehmoment von 350 Nm. Sie liegen in einem breiten Drehzahlbereich an und ermöglichen deshalb nicht nur flottes Fahren, sondern auch genügend Kraft, um schaltfaul über die Straßen zu cruisen. Der Durchschnittsverbrauch ist mit 10,2 Litern auf 100 Kilometer angegeben.

Die 1,9-Liter-Diesel leisten entweder 88 kW (120 PS) oder 110 kW (150 PS) und verbrauchen deutlich weniger. Mit rund sechs Litern geben sie sich durchschnittlich auf 100 Kilometer zufrieden. Die Preise für die Selbstzünder beginnen bei 27 700 Euro (29 000 Euro). Die Kombis sind damit knapp 2000 Euro teurer als die Limousinen.

Ein Kombi, der das Kürzel „Sport“ im Namen trägt, muss diese Kraft allerdings auch entsprechend auf die Straße bringen. Und da überzeugen Fahrwerk, Lenkung und Bremsen in jeder Hinsicht. Der Saab liegt bei allen Fahrbahnverhältnissen souverän auf dem Asphalt, die Lenkung erfüllt die kleinsten Wünsche des Fahrers unverzüglich, modernste Elektronik optimiert das Bremsverhalten.

Bei der Serienausstattung haben die Schweden nicht gegeizt. Eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel sowie Zentralverriegelung, CD-Spieler und Sicherheitsnetze im Gepäckraum werden ohne Aufpreis geliefert. Und damit nicht genug. Ein Sicherheitspaket mit sechs Airbags, Antiblockiersystem ABS, Bremsassistent und aktiven Kopfstützen gehört ebenfalls dazu.

Der 9-3 SportCombi soll im nächsten Jahr das meist verkaufte Saab-Modell hierzulande sein. Die passende Mixtur aus bewährtem Erbgut und innovativen Elementen hat er dafür mit auf den Weg bekommen.

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