Schule : Die Katze mit dem großem Buckel

Der sportliche X-Type Estate ist der erste Jaguar mit einem Kombiheck

Ingo von Dahlern

Schon am nächsten Wochenende steht er bei den Händlern – der Jaguar X-Type Estate, der erste Jaguar mit einem Kombiheck. Eine kleine Revolution für die britische Edelmarke, die bislang nur Limousinen und Sportwagen baute – große der oberen Klasse in der Vergangenheit, denen mit Einführung von S-Type und X-Type im vergangenen Jahrzehnt dann auch Mittelklassefahrzeuge zur Seite traten. Und in der kleinsten Klasse der britischen Edelkatzen erscheint nun also ein Typ, mit dem man nicht nur ein praktisches Auto für die verschiedensten Freizeitaktivitäten in die Hand bekommt, sondern auch ein Auto für den Wochenendeinkauf mit der Familie, für die Fernreise mit viel Gepäck oder auch den Transport etwas sperrigerer Einkäufe oder Geräte. All das allerdings in Verbindung mit großer Exklusivität, denn Jaguar ist und bleibt eine exklusive Premium-Marke, was nicht automatisch auch hohe Preise bedeuten muss. Denn mit einem Einstiegspreis von 28 850 Euro für das Basismodell X-Type Estate 2.0 D Classic liegt Jaguar klar unter der Premium-Konkurrenz wie Mercedes C 200 CDI T-Modell, BMW 320d Touring oder Audi A4 Avant 1.9 TDI und nicht viel höher als vergleichbare Modelle verschiedener Großserienhersteller.

Gute Voraussetzungen also, den X-Type Estate künftig auch öfter einmal auf deutschen Straßen zu sehen, wo die X-Type-Limousine vergleichsweise selten ist. Denn von den im vergangenen Jahr produzierten 74 000 X-Type – insgesamt wurden bislang 160 000 gebaut – gingen 40 Prozent auf den amerikanischen und 20 Prozent auf den britischen Markt, so dass für Europa und die übrige Welt gerade einmal 40 Prozent übrig blieben – also knapp 30 000 Fahrzeuge. Für eine künftig etwas größere Zahl von X-Type vor allem auch als Estate auf dem deutschen Markt spricht auch, dass dieses Modell mit einem leistungsstarken 2,0-Liter-Turbodiesel angeboten wird – einem modernen Direkteinspritzer mit Common Rail von Ford, der sich im Ford Mondeo bestens bewährt und der – ideal angepasst an den X-Type – dem kleinsten Jaguar zu Fahrleistungen verhilft, die dem sportlichen Charakter der Marke vollauf entsprechen.

Sehr kultivierter Diesel

Das gilt gleichermaßen auch für die hohe Laufkultur dieses 96 kW (130 PS) leistenden Selbstzünders mit vier Ventilen pro Zylinder und einem maximalen Drehmoment von 320 Nm bereits bei 1800/min und sogar 350 Nm mit Overboost, der den X-Type Estate binnen 10,2 Sekunden Tempo 100 und maximal 198 km/h erreichen lässt. Schade ist allerdings, dass es dieses Triebwerk nur in Verbindung mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe und nicht mit einer Automatik gibt. Gut beraten wäre Jaguar zudem, schon bald statt der derzeit verfügbaren EU3-Version eine EU4-taugliche zu bieten.

Neben dem flotten und kultivierten Turbodiesel stehen zwei weitere Motoren zur Wahl. Beide sind V6-Benziner und beide sind im Unterschied zum Diesel nicht mit Frontantrieb, sondern einem modernen Allradantrieb kombiniert. Sie setzen wie schon die Limousinen auf das Traction-4-System, dessen am Motorblock angeordnetes Verteilergetriebe die Antriebskräfte automatisch auf die Vorder- und Hinterräder verteilt. Unter Normalbedingungen geschieht das im Verhältnis 40 : 60. Unter schwierigen Straßenbedingungen sorgt eine Viskokupplung im Zentraldifferenzial dafür, dass an die Räder mit der besseren Traktion mehr Antriebskraft geleitet wird.

Und so lassen sich die beiden Benziner flott und vor allem sicher bewegen. 144 kW (196 PS) leistet der kleinere mit einem Hubraum von 2,5 Liter, der dem X-Type Estate mit 8,6 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 222 km/h zu einem recht sportlichen Auftritt verhilft. Und richtig sportlich gibt sich der 3.0-Liter mit 169 kW (231 PS), dem für den Spurt auf Tempo 100 gerade einmal 7,3 Sekunden reichen und dessen Tachonadel bis auf 232 km/h klettert. Alternativ zum Fünfgang-Schaltgetriebe, das sich übrigens leicht und exakt schalten lässt, gibt es die beiden Benziner auch mit einer sehr komfortablen Fünfgang-Automatik, die die Fahrleistungen nur unmerklich mindert.

Und zur Ausstattung des X-Type Estate gehört auch, dass man bei der neben den Ausstattungsvarianten Classic und Executive angebotenen dritten Ausstattungsvariante Sport nicht nur viele sportliche Ausstattungsdetails wie Sport-Interieur, Sportsitze und ein Sportlenkrad sowie den in Wagenfarbe lackierten Grill bekommt, sondern auch ein speziell abgestimmtes Sportfahrwerk, das spürbar straffer ausgelegt ist als das normale Fahrwerk. Das eröffnet die Chance, den X-Type Estate Sport betont sportlich zu bewegen. Allerdings muss man dafür ein paar Abstriche beim Fahrkomfort in Kauf nehmen, denn wenn man sich auf etwas unebenere Fahrbahnen begibt, dann kann man das auch spüren.

Aber auch mit dem normalen Fahrwerk wird der X-Type Estate dem Anspruch an einen Sportkombi vollauf gerecht. Der stellt sich optisch als ein hinter der B-Säule völlig neu gestaltetes Auto dar, dessen Dach in einer sanften Rundung und mit leicht schräg gestellter Heckscheibe nach hinten abfällt. Dach und Fensterlinie wirken aus der Seitenperspektive wie aus einem Guss und sorgen in Verbindung mit den breiten Hecktüren und Rädern bis zur Größe von 17 Zoll für einen recht dynamischen Auftritt des neuen Kombis, bei dem allerdings die direkte Heckansicht ein wenig enttäuscht. Irgendwie kommt hier die typische Jaguar-Linie nicht so recht zum Ausdruck, könnte das durchaus attraktive und ansprechende Heck mit seiner großen die Horizontale betonenden Heckleuchtengruppe ebenso gut auch zu einem Kombi einer anderen Marke gehören. Aber beim ersten Kombi von Jaguar überhaupt war die Designentscheidung sicher nicht einfach.

Wichtiger als die Optik allerdings ist, was sich hinter der weit nach oben schwingenden Heckklappe mit dem integrierten Heckspoiler am Dach und der separat zu öffnenden Heckscheibe verbirgt. Und das ist ein auf den ersten Blick sehr edler und zugleich auch sehr geräumiger Laderaum, der bei voller Bestuhlung des X-Type Estate einen Stauraum von 425 Liter – das ist bis auf die 470 Liter des Premium Konkurrenten von Mercedes mehr als bei BMW und Audi. Legt man die im Verhältnis 70 : 30 geteilte Rückbank allerdings um, dann kommt man auf ein Stauvolumen von maximal 1415 Litern. Und das bedeutet für den Jaguar X-Type Estate einen Spitzenplatz. Klappt man die Rückbank um, dann können die Kopfstützen übrigens in den Lehnen bleiben. Allerdings steigt die Ladefläche im Bereich der Rückbank ein wenig an, bildet also mit dem übrigen Laderaum, der erfreulicherweise nicht durch Radkästen in seiner Breite beeinträchtigt wird, keine durchgehende Ebene. Die Sitzfläche der Rückbank ist zudem fest montiert, so dass man die Bank nicht komplett vorklappen kann. Schön wäre es allerdings, wenn Jaguar der Bank eine Durchlademöglichkeit spendieren würde. Denn dann könnten auch bei besetzter Rückbank längere Gegenstände unkompliziert durchgeschoben werden.

So müssen sie auf dem Dach transportiert werden, das bis zu 75 Kilo tragen darf. Immerhin gehört hier die Dachreling zur Serienausstattung, so dass man Dachträger oder Dachboxen ohne große Probleme montieren kann. Das Leergewicht des X-Type Estate liegt je nach Ausstattungsversion zwischen 1559 und 1589 Kilo und die Zuladung bei 516 Kilogramm – man kann den Stauraum also durchaus vernünftig nutzen.

Wie schon bei der Limousine, so setzt Jaguar auch beim neuen Estate auf eine reichhaltige Serienausstattung bereits beim Basismodell Classic. Zu der gehören die Klimaanlage ebenso wie der elektrisch höhenverstellbare Fahrersitz, die elektrisch einstellbaren Außenspiegel, elektrische Fensterheber, das in zwei Ebenen verstellbare Lenkrad und das edle Interieur einschließlich voll verkleidetem Kofferraum.

Umfangreiche Sicherheitsausstattung

Besonders umfangreich ist die Sicherheitsausstattung mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie Sitzbelegungs- und Sitzpositionserkennung vorn, zweistufigen Frontairbags, Seitenairbags und Windowbags für Front und Fond und einem speziellen Knieairbag bei den Benzinern. Zu den zur Serienausstattung gehörenden aktiven Sicherheitssystemen zählen das ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, ein Bremsassistent sowie die dynamische Stabilitäts- und Traktionskontrolle. Und typisch für den X-Type auch in der Estate-Version ist natürlich das typisch britische Interieur, bei dem man allerdings nicht übersehen darf, dass der X-Type als kleinster Jaguar ein auch im Innenraum kompaktes Auto ist, das nun erstmals auch als Kombi eine britische Premium-Alternative zur etablierten deutschen Konkurrenz bietet. Und das mit sehr eigenem exklusivem Stil, in überzeugender Verarbeitung und auch noch zu durchaus attraktiven Preisen.

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