Schule : Die Kraft der Sanftmut

Mit dem LS 460 will Lexus in der Oberklasse punkten – das technische Zeug dazu hat er

Eric Metzler

2006 war ein Lexus-Jahr. So jedenfalls sehen es die Deutschland-Manager der japanischen Edelmarke. Die Belege? Zum einen hat man mit mehr als 5000 verkauften Autos Marken wie Saab und Jaguar hinter sich gelassen. Und zum anderen gab es für eine Premiere nach der anderen positive Kritiken: der erste Lexus-Diesel IS 220, der Hybrid-Rustikus RX 300 und die Hybrid-Limousine GS 450 rollten entsprechend selbstbewusst zu den Händlern. Seit Ende Januar wartet dort nun ein weiterer Neuling auf Kundschaft, das Spitzenmodell mit Namen LS 460.

Das Auto hinter dieser unscheinbaren Ziffernfolge wird Audi, BMW und Mercedes allein schon wegen des Prestigenachteils der Japaner keine Angst einjagen. Die Verkaufszahlen werden im dreistelligen Bereich liegen; Respekt in der Oberklasse wird sich der Lexus dennoch verschaffen. Das liegt weniger am Design des Wagens. Die Optik ist nicht Fisch, nicht Fleisch, gefällig und stämmig durchaus, aber auch ein wenig bieder. Entscheidend sind die inneren Werte: Der 460 hat zum Teil völlig neue Sicherheitssysteme an Bord, sie sollen dem Fahrer helfen, Hindernisse zu erkennen und Unfälle zu vermeiden (Details in den Einzelmeldungen unter dem Foto). Gelungen ist der neu entwickelte Achtzylinder mit seiner Mischung aus direkter und Saugrohr-Einspritzung. Von ihm ist weder im Leerlauf noch bei üblichen Drehzahlen wirklich etwas zu hören. Welche Bedeutung Lexus der Laufruhe zumisst, zeigt ein ungewöhnliches Detail der Qualitätskontrolle: Dort wird das Aggregat zigmal mit dem Stethoskop abgehört, um jedweder Vibration auf die Spur zu kommen.

Die 380 PS entfalten sich kultiviert, aber kraftvoll. Dabei ist kaum zu merken, wie die Automatik ihren Dienst verrichtet. Die ist mit gleich acht Gängen untersetzt, eine Weltneuheit; die zusätzlichen Getriebestufen verbessern die Beschleunigung in den unteren Gängen, in den oberen Fahrstufen sollen sie Sprit sparen. Das Fahrwerk ist nicht mehr so soft abgestimmt wie in früheren Modellen, recht weich aber ist das Vergnügen noch immer. Bei ruhiger Fahrt, wie sie zu einem mehr als zwei Tonnen schweren Schiff passt, ist der Reisekomfort untadelig. Hier zahlt sich aus, dass die Ingenieuere auf ihrer to-do-Liste alles abhaken durften, was gut und teuer ist: Komponenten aus Alu, Luftfederung mit Niveauregulierung, elektronische Dämpferverstellung. Wer sich auf kurvenreicher Strecke verleiten lässt, die Tempolimits zu kassieren, stellt zweierlei fest: a) Das Auto neigt dann zum Wanken. Und b): Die Lenkung ist vom Feinsten, weil sie je nach Fahrtempo leichter oder auf etwas mehr Nachdruck reagiert.

Der LS 460 bietet reichlich Platz, vorne wie hinten. Materialien und Verarbeitung wirken standesgemäß, Platzierung und Funktion einzelner Schalter und Hebel sind gewöhnungsbedürftig. Gegen Aufpreis gibt es für die Fond-Passagiere im LS 460 ein Steuerpult in der breiten Mittelkonsole, mit dem sich Entertainment, Sitzheizung und Rollos in Gang setzen lassen. Der Kofferraum schluckt 505 Liter – fünf Liter mehr als Audis A8 und der 7er BMW, 65 Liter weniger als ein S-Klasse Mercedes. Wer zum Beladen die richtige Lücke sucht, hat es im LS 460 leicht: Der Einpark-Assistent vermisst die Parklücke selbständig. Der Fahrer muss nur den Rückwärtsgang einlegen, mit der Bremse die Geschwindigkeit regeln und rechtzeitig stoppen – den Rest macht der Japaner.

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