Schule : Die Partner sehen und kommunizieren

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DER SICHERHEITSTIPP

Inzwischen sind die meisten Urlauber von ihrer großen Reise zurück, bewegen sich wieder wie gewohnt auf unseren Straßen. Aber Hand aufs Herz, war es nicht in vielen Reiseländern ganz anders und viel stressfreier als bei uns. Zum Beispiel im hohen Norden Europas, wo man insgesamt sehr viel gelassener und rücksichtsvoller fährt. Und auch wenn im Süden Europas, wo mit sehr viel mehr Temperament gefahren wird, vor allem in italienischen oder auch französischen Städten der Verkehr auf den ersten Blick manchmal geradezu chaotisch zu sein schien – dieses Chaos lief meist sehr viel geregelter ab, als es der äußere Anschein vermuten ließ.

Selbst im dichten Verkehr von Rom kann man immer wieder erleben, dass selbst an einer Kreuzung von zwei stark befahrenen Straßen auch ohne Ampel der Verkehr noch zügig fließt – im erfreulichen Kontrast zu dem meist schnellen und totalen Zusammenbruch des Verkehrs, wenn etwa in Berlin eine Ampel ausfällt und die Kreuzung binnen weniger Minuten hoffnungslos blockiert ist.

Das Geheimnis für dieses Funktionieren ist nach unseren Beobachtungen, dass die Autofahrer im Süden offensichtlich besser miteinander kommunizieren. Wo immer eine Verkehrssituation schwierig ist, haben alle beteiligten Fahrzeuglenker Blickkontakt. Und mit den Augen, ergänzt durch kurze Kopfbewegungen und das eine oder andere Handzeichen signalisiert man sich seine Wünsche und fährt entsprechend – und zwar situationsgerecht. Da zählt dann nicht so sehr, wer nach dem Gesetz die Vorfahrt hat, sondern wer am besten als Erster fährt, damit der Weg für viele andere wieder frei wird. Kurzum jeder denkt mit – und das auch für die anderen. Und dann ist manches Knäuel schnell entwirrt – was natürlich von allen Beteiligten mit einer kurzen Dankesgeste quittiert wird.

Zugegeben, so ideal läuft es nicht immer – aber doch meist. Bei uns jedoch funktioniert es so nur ganz selten. Die meisten Autofahrer in Deutschland haben den Blick stur geradeaus gerichtet, nehmen viel zu wenig wahr, was um sie herum geschieht und nehmen vor allem viel zu selten Blickkontakt auf. Da ist es dann so gut wie unmöglich, einem anderen Autofahrer zu signalisieren, dass man ihn vorbei lässt oder aber ein paar Zentimeter Platz braucht, um den Gegenverkehr zu kreuzen und den Weg für die unnötig wartenden Nachfolger frei zu machen. Dann staut es sich plötzlich und eine Kreuzung ist verstopft und man steckt hilflos im Knäuel, weil niemand mit darüber nachdenkt, wie man es vielleicht entwirren könnte. Und dann entsteht Aggression, wird entnervt auf die Hupe gedrückt, den anderen allenfalls signalisiert, für wie blöd man sie hält. Und so aggressiv fährt man natürlich mit mehr Risiko und unsicherer.

Wir müssen wieder lernen, regelmäßig nach rechts und links zu blicken, die anderen Verkehrsteilnehmer als Partner zu sehen, mit denen uns ein gemeinsames Ziel eint, nämlich trotz dichten Verkehrs so zügig wie möglich voranzukommen. Und dafür müssen wir uns verständigen. Und dann, wenn man in einer engen Straße dem Gegenverkehr Platz gemacht hat, sollte der nicht stur geradeaus blickend an einem vorbei fahren, sondern sein Danke signalisieren, wie es auf schmalen Pisten in Schottland oder Skandinavien so erfreulich selbstverständlich ist. ivd

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