Schule : Die sanfte Kraft der zwei Herzen

Der bullige Lexus RX 400 h fährt mit Benzin- und Elektromotor: Wie bewährt sich so ein starkes Hybridauto im Alltag?

Nora Sobich

Ausgerechnet ein Powergefährt ist es also, in dem die neue Hybrid-Technik von Lexus auf den Markt gebracht wird – ein 4,76 Meter langes Sports Utility Vehicle (SUV), das von seiner Dimension her so gar nicht dem Trend von Energiesparen und Umweltbewusstsein entspricht. Nun scheiden sich bei einem SUV sowieso die Geister. Die einen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und sagen: Fürchterlich, was hat denn solch ein fein gemachter Herren-Jeep überhaupt in der Stadt zu suchen. Andere sind hellauf begeistert, loben die komfortable Bequemlichkeit beim Einsteigen, das hohe Sicherheitsgefühl und den sportlichen Fahrspaß, den diese zum Freizeitauto hochgezüchteten Geländewagen bieten. Die Sicht von oben auf die Straße ist tatsächlich fabelhaft. Man fühlt sich im RX 400 h erhaben wie ein König auf dem Thron, ganz souverän über die anderen Verkehrsteilnehmer gestellt. Aber ist solch ein Gefährt auch alltagstauglich?

Der technische Vorsprung bei dem alternativen Antrieb sollen Toyotas Oberklassenmarke Lexus in Zukunft auch in Europa fantastische Verkaufszahlen bescheren. Außer der fortschrittlichen Antriebstechnik hat sich beim RX 400 h im Vergleich zu dem 1997 auf den Markt gebrachten Vorgängermodell aber auch das Karosseriedesign geändert. Es wirkt sehr kompakt, dynamisch und gerade in der Frontansicht sehr elegant.

Im Fahrverhalten ist der RX 400 h geschmeidig, obwohl der moderne Motor eine echte Kraftmaschine ist, mit der sich wie im Traum beschleunigen lässt. Das mag aber auch daran liegen, dass die Karosserie so vibrationsgedämmt ist, dass die Geräusche des Verbrennungsmotors kaum auf die Fahrersitze vordringen. Man ist wie in Watte gepackt, wenn man beim RX 400 h auf die Tube drückt. Ob man will oder nicht, in Kürze hat dieses Gefährt einen schon so verwöhnt, dass jede anfängliche Antipathie gegen die SUV-Mode verfliegt.

Das gilt auch für das Cockpit, in dem von der Beleuchtung bis zur Sitzverstellung alles automatisch funktioniert, als würde einem ein eingespielter Butler zuvorkommend jeden Wunsch von den Lippen ablesen, während man es sich auf gewärmten Komfortsitzen bequem gemacht hat. Überhaupt ist die Innenausstattung des RX 400 h angenehm funktional und dezent. Kein Designerschnickschnack wartet auf geschmäcklerische Enthusiasten. Von den Ablagen bis hin zu den Schalthebeln herrscht vornehme Zurückhaltung – aber ein Qualitätsanspruch, der nicht dem Spiel der Moden, sondern den Bedürfnissen der Benutzer angepasst ist.

Obwohl so wuchtig in seiner Erscheinung, ist der neue RX 400 h beileibe kein Raumwunder. Beim Versuch, ein Fahrrad einzuladen, wird es im – bei fensterhoher Beladung – gerade einmal 439 Liter fassenden Gepäckraum eng. Jedenfalls, wenn dafür die Rückbank nicht komplett herunter geklappt werden soll.

Tja, und irgendwie bestätigt das auch den Gesamteindruck: Man fühlt sich mit dieser imposanten Erscheinung stets ein wenig wie auf dem falschen Fest. Für die Stadt bietet der RX 400 h zu viel unpraktische Show und für die echte Wildnis ist er schon wieder zu fein. Aber gerade das ist eben die zum Programm erhobene Philosophie der SUV. Wer das mag, der wählt mit dem RX 400 h jedoch nicht nur die leiseste, sondern auf jeden Fall auch die verbrauchsgünstigste Variante, die derzeit auf dem Markt zu haben ist.

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